Ehemaliges Rathaus auf Vordermann bringen

Modernisiert und energetisch saniert werden soll das ehemalige Gemeindehaus und Rathaus in Diepersdorf. Im Erdgeschoss, in dem derzeit eine Wohnung und ein Laden untergebracht sind, soll eine Praxis für einen ortsansässigen Arzt entstehen. Der Geschäftsinhaberin will die Gemeinde bei der Suche nach einem neuen Quartier helfen. Foto: Rüsing2012/04/exrathausdiepersdorf1_New_1334669402.jpg

DIEPERSDORF – Das ehemalige Gemeindehaus und Rathaus in Diepersdorf soll modernisiert werden. Dies könnte der erste Schritt zur energetischen Sanierung der kommunalen Gebäude sein, die der Gemeinderat nach und nach anstrebt. Der beauftragte Architekt Oliver Ilg stellte die Pläne für das Haus in der Hauptstraße 16 vor, die den Umbau des Erdgeschosses in eine Arztpraxis vorsehen.

Mitte der 60er Jahre war das Anwesen als Rathaus mit Kanzleiräumen neu errichtet worden. Im Laufe der Jahre wurde es umgebaut und umgenutzt. Heute sind dort drei Wohnungen, von denen allerdings nur eine vermietet ist, und ein Second-Hand-Laden untergebracht.

Die Bestandsaufnahme durch die Architekten Hertel & Ilg aus Hersbruck erbrachte keine größeren Baumängel. So ist der Keller weitgehend trocken. Die Planer empfehlen, die Kelleraußentreppe zu entfernen und den Bereich von außen neu abzudichten. Die Dacheindeckung ist in Ordnung und könnte zu einem späteren Zeitpunkt bei Bedarf erneuert werden. Die Außenwände weisen kleinere Risse auf, die statisch aber nicht relevant sind.

Die Fenster sollten ausgetauscht werden, weil ihr Dämmstandard nicht mehr den heutigen Anforderungen entspricht. Das Haus wird aktuell über Einzelöfen beheizt. „Das ist nicht mehr zeitgemäß“, machte Ilg deutlich. Auch die Elektroinstallation muss ausgetauscht werden.

Der Architekt sprach sich dafür aus, bei der energetischen Sanierung einen Neubaustandard anzustreben, möglicherweise sogar den Standard KfW 70, der noch 30 Prozent besser ist. Ob dies erreicht werden kann, hänge insbesondere davon ab, wie das Gebäude zukünftig beheizt wird. Und das muss noch berechnet werden.

Zu den einzelnen Maßnahmen der energetischen Sanierung gehört eine Dämmung der Fassade durch ein Wärmedämmverbundsystem. Kellerabgang, Balkon und Vordächer sollen zurückgebaut werden. Ilg plädiert für eine Pelletsheizung für sämtliche Nutzungseinheiten. Die Warmwasserbereitung soll solarthermisch unterstützt werden. Außerdem werden die Bäder in den Wohnungen, Sanitärinstallationen und Fliesen modernisiert.

Da die Wohnung im Erdgeschoss hin wohl schwieriger zu vermieden sein wird, gibt es Überlegungen, auf dieser kompletten Etage eine Arztpraxis mit etwa 150 Quadratmetern einzurichten. Oliver Ilg erläuterte den Gemeinderäten die Planung, die bereits mit einem ortsansässigen Arzt abgesprochen ist. Dessen jetzige Praxis ist veraltet und nicht barrierefrei, daher möchte er gern umziehen.

Die Baukosten für die energetische Sanierung beziffert der Planer auf 319.000 Euro, für die Arztpraxis entstünden Mehrkosten von 127.000 Euro. Für diese „große Lösung“ rechnet Ilg mit einer Bauzeit von zirka sechs Monaten. Die energetische Sanierung allein würde etwa drei Monate dauern.

Die Planung sagte den Gemeinderäten zu. Sie diskutierten vor allem über die Heizung. Werner Oppel (FWG) stieß die Idee an, eine Heizung nicht nur für das ehemalige Diepersdorfer Rathaus einzubauen, sondern gleich noch weitere Nachbargebäude von einem zentralen Punkt aus zu versorgen. Direkt daneben steht das Feuerwehrhaus, rund 400 Meter entfernt sind Schule und Turnhalle. Langfristig gibt es auch Überlegungen, einen Kindergarten in diesem Bereich zu errichten.

Bürgermeister Joachim Lang begrüßte diesen Vorschlag. „Das muss man kostentechnisch beleuchten“, meinte er.

Matthias Hummel (SPD) wies auf die „horrenden Heizkosten“ hin, die jährlich für Schule und Turnhalle anfallen. „Wenn wir hier Einsparungen erzielen, amortisieren sich die Investitionskosten schnell.“

Die Heizungen in der Schule und der Turnhalle haben schon einige Jahren „auf dem Buckel“. Daher sieht Richard Kohler (FWG) Handlungsbedarf: „Wenn morgen eine von ihnen ausfällt und wir im ehemaligen Rathaus nur eine Pelletsheizung haben, was ist dann?“ plädierte er für eine große zukunftsträchtige Lösung.

Finanziell machbar?

Oskar Perl (SPD) möchte dagegen lieber ein Objekt nach dem anderen realisieren. „Das sprengt sonst unseren Haushalt“, fürchtet er. Ähnlich äußerte sich seine Fraktionskollegin Jutta Helmreich: „Wir dürfen das Pferd nicht von hinten aufzäumen.“

Konrad Ringel (CSU) wies darauf hin, dass eine moderne Heizung allein nichts bringt. Man müsse auch energetische Sanierungen durchführen und zum Beispiel die Fassaden dämmen.

Letztlich stimmte der Gemeinderat aber einstimmig dafür, das ehemalige Rathaus energetisch zu sanieren und im Erdgeschoss eine Arztpraxis vorzusehen. Die erforderlichen Gelder sollen im Haushalt 2013 eingeplant werden.

Die große Heizungslösung soll überplant werden, um einen Kostenrahmen zu erfahren. Auf Anregung von Helmut Schmidt (CSU) wird die Gemeinde Kontakt zu der Waldbauernvereinigung aufnehmen, die eventuell ein Heizkraftwerk finanzieren könnte.

Um Sicherheit bei der Belegung der Arztpraxis zu haben, soll ein langfristiger Mietvertrag abgeschlossen werden. Der jetzigen Mieterin des Ladens, die die Sitzung als Zuhörerin verfolgte, sagte Bürgermeister Lang zu, dass ihr die Gemeinde bei der Suche nach einem neuen Quartier behilflich sein wird.

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