Personalmangel in der Gastronomie

Gewerkschaft hat Erfolg: Mehr Lohn für Kellner und Köche

Als Corona noch eine Biermarke war, arbeitete Kellner Simon Traub jedes Jahr im Bierzelt der Laufer Kunigundenkirchweih. | Foto: Fischer2022/04/lohn_bedienung_kellner.jpeg

LAUF – Restaurants und Hotels haben wieder geöffnet, doch das Geschäft läuft immer noch nicht rund. Denn das Gastro-Gewerbe leidet an akutem Personalmangel. Die Gewerkschaft NGG hat nun eine Gehaltserhöhung ausgehandelt, von der auch die Kellner und Köche aus dem Nürnberger Land profitieren.

Sie gehörten zu den Menschen, die in der Coronapandemie mit als Erste ihren Job verloren und mit als Erste in die Kurzarbeit gehen mussten: Köche, Kellner, Bedienungen und Hotelfachkräfte in Gaststätten, Biergärten oder Hotels. Viele von ihnen stiegen in der Zeit, als die Restaurants und Hotels komplett geschlossen waren, ganz aus der Branche aus und suchten sich neue Arbeitsplätze.

Jetzt, da nach zwei Jahren die Einschränkungen im Gastrogewerbe fast vollständig gefallen sind und Wirte wie Hoteliers wieder auf viele Gäste hoffen, können sich auch die Beschäftigten im Gastrogewerbe freuen: Ihre Löhne steigen kräftig an. Um bis zu 27 Prozent, wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mitteilt.

2200 Angestellte im Landkreis profitieren

Rund 2200 Köchinnen, Kellner und Hotelangestellte arbeiten nach Angaben der NGG im Landkreis Nürnberger Land. Ihre Einkommen steigen ab April in mehreren Stufen um bis zu 27 Prozent. 
Eine gelernte Kellnerin mit drei Jahren Berufserfahrung kommt damit jetzt auf 2650 Euro im Monat – 173 Euro mehr als bislang. Bis zum Frühjahr kommenden Jahres beläuft sich das Plus für Fachkräfte dann auf mehr als 400 Euro, so die Rechnung der Gewerkschaft.

„Die Pandemie hat das Gastgewerbe immens getroffen. Und damit auch die Beschäftigten, die große Einkommenseinbußen durch die Kurzarbeit hinnehmen mussten und sich Sorgen um ihren Job gemacht haben“, so Regina Schleser. Die Geschäftsführerin der NGG-Region Nürnberg-Fürth spricht von einem „einmaligen Tarifabschluss“, auf den sich die Gewerkschaft mit dem Arbeitgeberverband Dehoga unter schwierigen Bedingungen geeinigt habe.

„Mit der starken Lohnerhöhung gibt es für die Mitarbeiter jetzt endlich wieder eine Perspektive – einen Anreiz, in der Branche weiterzumachen“, sagt sie. Nun sei es wichtig, dass das zusätzliche Geld auch tatsächlich bei den Beschäftigten ankomme. „Vom Barmann bis zur Köchin – jeder sollte die nächste Lohnabrechnung prüfen und sich an die NGG wenden, wenn das Extra-Geld in diesem Monat ausbleibt“, sagt Schleser.

Mehr Geld auch für Ungelernte und Azubis

Der Tarifvertrag sieht dabei besonders starke Steigerungen für ungelernte Kräfte vor. Der Einstiegsverdienst klettert zum April auf zwölf Euro pro Stunde. In genau einem Jahr erhöht sich der unterste Stundenlohn dann auf 12,60 Euro und wird damit deutlich über dem gesetzlichen Mindestlohn liegen, der im Herbst auf zwölf Euro steigen soll.

Auch der Nachwuchs profitiert: Die Azubi-Vergütungen steigen im August auf 1000 Euro im ersten, 1100 Euro im zweiten und 1200 Euro im dritten Jahr. Das sind bis zu 26 Prozent mehr als bislang. 
„Das kräftige Lohn-Plus macht die Arbeit an Theke und Tresen deutlich attraktiver. Das ist ein wichtiger Beitrag gegen den Fachkräftemangel“, betont Schleser. Eine attraktivere Bezahlung könne dabei helfen, Fachleute zurückzugewinnen und dringend gesuchtes Personal für die anstehende Frühjahrs- und Sommersaison zu finden.

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