Baugebiet am Försterweg

Was genau plant der Investor?

Zwischen den Einfamilienhäusern am Försterweg (links), der Altdorfer Straße und dem Freibad Feuchtasia (rechts) soll das Neubaugebiet entstehen. | Foto: Google Maps2021/03/Feucht-Foersterweg-BPD-Screenshot.jpg

FEUCHT – Die Firma BPD kauft ein 8700 Quadratmeter großes Grundstück am Försterweg. Neben 65 Eigentumswohnungen und sechs Doppelhaushälften soll dort eine Kita entstehen. Der Haken: Die Verwaltung der Marktgemeinde weiß nichts von den Plänen.

Ein Grundstückskauf im Nordosten der Marktgemeinde sorgt aktuell für Diskussionsstoff. Hintergrund ist eine Pressemitteilung der Nürnberger Niederlassung des Projekt- und Gebietsentwicklers BPD (Bouwfonds Immobilienentwicklung), in der das Unternehmen bekannt gibt, „ein 8700 Quadratmeter großes Areal in der Marktgemeinde Feucht erworben“, zu haben. Das Grundstück liegt am Försterweg, in unmittelbarer Nähe zum Feuchter Freibad Feuchtasia.

Jochen Saam, Niederlassungsleiter von BPD Nürnberg, sagt zu der Investition: „Die Nachfrage nach Wohnungen in der Metropolregion Nürnberg ist ungebrochen hoch. Die Marktgemeinde Feucht ist aufgrund ihrer Lage und der sehr guten Infrastruktur ein beliebter Wohnort. Wir freuen uns, mit unserer Niederlassung erstmals in Feucht attraktive Wohnungen für jede Zielgruppe errichten zu können.“

Hier sollen rund 85 Wohneinheiten und eine neue Kita Platz finden. Foto: Daniel Frasch2021/03/Feucht-Foersterweg-BPD-Acker-scaled.jpg

Insgesamt sollen rund 85 Wohneinheiten sowie eine Kindertagesstätte entstehen. Die geplanten 85 Wohneinheiten sollen sich in 65 frei finanzierte Eigentumswohnungen, 13 geförderte Wohnungen, sechs Doppelhaushälften und eine dreizügige Kita aufteilen. Das notwendige Baurecht für die Kindertagesstätte will BPD über einen Bebauungsplan schaffen, das Unternehmen geht dabei „von einem Abschluss des Verfahrens bis Ende 2022 aus.“ Aussagen, die auf eine bereits fortgeschrittene Planung hindeuten und gleichzeitig Fragen aufwerfen.

BPD hält sich bedeckt

Hat das Unternehmen im Vorfeld etwa bereits Gespräche mit der Feuchter Verwaltung geführt, die zu diesem Planungsfortschritt führten? Auf Nachfrage des Boten wollte sich BPD bis Redaktionsschluss diesbezüglich nicht äußern und verwies auf einen späteren Zeitpunkt, „voraussichtlich Ende März“. Zumindest Jeanette Thin müsste von möglichen Gesprächen wissen, schließlich ist sie die Sachbearbeiterin der Feuchter Verwaltung und zuständig für Bebauungspläne, Denkmalschutz, Erschließungsbeiträge sowie Flächennutzungspläne.

Auch sie reagierte irritiert auf die BPD-Pressemitteilung. „Wir wissen nicht, was sie sich dort genau vorstellen“, stellt Thin klar und ergänzt: „Das Ganze wird im Bauausschuss am 9. März erstmals Thema sein, danach kann ich mehr sagen.“ Auffallend ist zudem, dass die Mitteilung von BPD, die auch dem Boten vorliegt, kurze Zeit nach der Veröffentlichung wieder aus dem Netz verschwand – zumindest auf der eigenen Homepage des Unternehmens.

Areal war immer wieder interessant

Fakt ist jedoch: Das Gebiet am Försterweg ist bereits seit vielen Jahren heiß begehrt, seit 2002 gab es immer wieder verschiedene Bebauungsabsichten auf diesem Areal. Doch erst BPD scheint es nun gelungen zu sein, sich mit den Grundstückseigentümern zu einigen und einen für alle Seiten angemessenen und akzeptablen Kaufpreis zu erzielen.

Die Reaktionen aus der politischen Feuchter Landschaft ließen freilich nicht lange auf sich warten. Die CSU-Fraktion zeigte sich weniger über die Bebauung des Areals selbst überrascht, als viel mehr über die bereits konkreten Baupläne der BPD. Auf ihrer Facebookseite heißt es: „Das Grundstück dort ist schon seit langem Bauland und es war klar, dass das irgendwann einmal so kommt. Wir fordern rechtzeitige Information der Öffentlichkeit – insbesondere der Anwohner im Umfeld des geplanten Projektes. Sicherzustellen ist auch, dass durch die Bebauung nicht die Existenz des Feuchtasia gefährdet ist. Zu klären ist insbesondere die Zufahrt zum Areal.“ Ein Punkt, der CSU-Fraktionssprecher Oliver Siegl besonders am Herzen liegt: „Wir müssen verhindern, dass sich künftig nicht alles über den Chormantelweg drängt.“

SPD und Grüne haben nichts einzuwenden

Eine Meinung, die auch Lothar Trapp, Sprecher der Feuchter SPD-Fraktion teilt. „Grundsätzlich betrachten wir die Bebauung des Areals als völlig in Ordnung. Geförderter Wohnungsbau ist ebenso enthalten wie eine Kita. Kritisch dürfte die Zufahrt zum Areal werden, auch muss beachtet werden, dass im Sommer während des Freibadbetriebs nicht die Siedlung komplett zugeparkt wird“, gibt Trapp zu bedenken. Rita Bogner, Fraktionssprecherin der Grünen, bläst ins gleiche Horn: „Es spricht grundsätzlich nichts dagegen, dass auf dem Areal gebaut wird. Natürlich werden wir aber darauf achten, dass dabei der Klimaschutz nicht zu kurz kommt und beispielsweise auf Photovoltaik gesetzt wird.“

Neubaugebiet gegen Gräserallergie

Einer, der als unmittelbarer Nachbar vom Neubaugebiet direkt betroffen sein würde, ist Walter Rieger. Bei strahlendem Sonnenschein kehrte er Dienstagnachmittag seine Einfahrt und stimmte einem spontanen Gespräch zu. Er nimmt die Baupläne von BPD gelassen hin und sagt: „Jetzt haben wir rund 20 Jahre lang geschwitzt, jetzt ist es eben soweit. Aber ganz ehrlich: Das Areal ist doch ein Filet von einem Grundstück, warum soll das weiter ungenutzt brachliegen und weiter versauern?“ Auch wenn Rieger der „Kinderlärm aus dem Freibad überhaupt nicht stört“, so hätte das Neubaugebiet direkt vor seiner Tür auch sein Gutes: „Dann wären endlich die Gräser weg, die meine Frau seit Jahren plagen.“

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