Nürnberger Stadtrat und Bürger gegen Gewerbepark

Später Gegenwind für den Bebauungsplan Moser Brücke

Gegenwind aus allen Richtungen: Das weiß eingezeichnete Gebiet umfasst das 15 Hektar große Waldstück, das zu einem Gewerbepark umgewandelt werden soll. Die Stadt Nürnberg, ein Bürgerverein aus Moorenbrunn und Feuchter Bürger kritisieren die Pläne. Foto: Bischof & Broel2014/02/luftbild_gnf_weiss_umrandet_01.jpg

FEUCHT — So sehr die Mehrheit der Marktgemeinderäte sich auch einen neuen Gewerbepark im Reichswald wünscht: Die Stadt Nürnberg und der Bürgerverein Südost haben Einwände gegen den Bebauungsplan Moser Brücke erhoben. Feucht müsse kräftig bluten, heißt es aus dem Stadtrat der Noris.

Wie berichtet, haben die Stadt Nürnberg und der Bürgerverein vor allem zwei Kritikpunkte an dem geplanten Gewerbepark. Die Bürger fürchten ein erhöhtes Verkehrsaufkommen auf den Zufahrtstraßen, die durch Nürnberg führen. Laut eines Verkehrsgutachtens, das dem Bebauungsplan Moser Brücke beiliegt, steigt die tägliche Zahl der Fahrzeuge durch den neuen Gewerbepark um 2400 Fahrzeuge am Tag, das entspricht 16 Prozent. Die Zufahrt würde über den bisherigen Gewerbepark Nürnberg-Feucht-Wendelstein (GNF) erfolgen. Die Fahrzeuge rücken vor allem über die A6, die Gleiwitzer und die Oelser Straße an.

Die Stadt Nürnberg kritisiert, dass kein Lärmschutz für die A6 in den Bauplänen enthalten sei. Doch da könne die Gemeinde Feucht kaum etwas machen, meint Jeanette Thin, Mitarbeiterin im Feuchter Bauamt. Die Gemeinde kann einen Lärmschutzwand nicht einfordern, sondern lediglich ihre Unterstützung anbieten. Autobahnen sind Sache des Freistaats, nicht der Kommune.

„Keine Belastung für Moorenbrunn“

Feuchts Bürgermeister Konrad Rupprecht kann die Aufregung nicht verstehen. „Ich sehe keine weitere Belastung für Moorenbrunn durch das neue Gewerbegebiet“, sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung. Schließlich seien die Grundstücke des neuen Gewerbegebiets so kleinteilig geplant, dass sich dort nur kleine und mittelständische Unternehmen ansiedelten und keine Logistikfirmen wie im GNF. Rupprecht geht deshalb nicht davon aus, dass mit einem großen Aufkommen von Schwerlastverkehr zu rechnen ist. „Die Fahrzeuge dürften 7,5 Tonnen nicht übersteigen“, sagt der Rathauschef.

Die Stadt Nürnberg fürchtet zudem, dass der neue Gewerbepark dem bestehenden GNF die Butter vom Brot nehmen könnte. Schließlich grenzt die Moser Brücke direkt an den GNF an.

Die Stimmung zwischen Nürnberg und Feucht könnte sich dadurch verschlechtern. Denn bislang herrschte bei den Mitgliedern des GNF eitel Sonnenschein: Die Verantwortlichen aus Nürnberg, Feucht und Wendelstein hatten sich noch im vergangenen Jahr stolz auf die Schulter geklopft. Lief der Verkauf der Grundstücke anfangs noch schleppend, so entwickelte sich der Gewerbepark im Lauf der Jahre zum Erfolgsmodell, von dem die Gemeinden und die Stadt finanziell immens profitierten.

Die Grundstücke des GNF seien zur Gänze verkauft oder reserviert, sagt Bürgermeister Rupprecht. Für den GNF bestehe also keine Gefahr durch Konkurrenz. Zudem will der neue Gewerbepark mit seinen kleineren Parzellen ganz anderes Klientel anlocken als sein großer Bruder. Doch es könnte wie so oft ums Geld gehen: Das Projekt GNF hat ordentlich Geld in die kommunalen Kassen gespült. Die Verkauferlöse liegen insgesamt bei rund 59 Millionen Euro. Anders als beim GNF fließen die Gelder aus dem neuen Gewerbepark allein nach Feucht. Das Grundstück gehört dem Freistaat Bayern, er verdient am Verkauf der Grundstücke. Grund- und Gewerbesteuer kommen hingegen dem Markt Feucht zugute. Das gesamte Grundstück hat eine Fläche von rund 15 Hektar. Die Summe der Baugründstücke beträgt 9,3 Hektar, den Rest machen Straßen (2,2 Hektar), Wald (2,5 Hektar) und Grünflächen (0,8 Hektar) aus.

In der Sitzung des Nürnberger Stadtplanungsausschusses am Donnerstagabend hagelte es Kritik von allen Parteien. „Das ist keine gelungene Abstimmung zwischen Gemeinden“, sagte Nürnbergs dritter Bürgermeister Clemens Gsell (CSU). Im Jahr 2008/2009 sei die Stadt erstmals von den Planungen in Feucht informiert worden. Damals gab es viele Naturschutzbelange, die aus seiner Sicht als Hindernis gegen die Ausweisung eines Gewerbegebiets sprach. Deshalb sei man überrascht von dem Vorstoß. Als ein wichtiger Knackpunkt gilt aus seiner Sicht, dass die Moser Brücke „nicht als Erschließung eines Gewerbegebiets ausgelegt ist“. Damit dies möglich wäre, müsste die Gemeinde Feucht „kräftig bluten“, so Gsell. Wie berichtet, plant die Gemeinde Feucht drei einzelne als Gewerbefläche aufgeführte Areale im Wald gegen das zusammenhängende Grundstück am GNF einzutauschen. SPD-Stadtrat Gerald Raschke sagte, dass sich „alte Bedenken“ bestätigt hätten. Die Stadt Nürnberg müsse nun mit der Gemeinde Feucht verhandeln.

Die Feuchter Pläne stoßen auch manchem in der Nachbargemeinde Wendelstein sauer auf. Bislang ist der GNF durch einen Kreisverkehr angeschlossen, der laut Gutachten für das Fahrzeugaufkommen ausreicht. Die Wendelsteiner hatten dennoch gehofft, mit dem GNF durch eine Straße direkt verbunden zu werden. Diese hätte durch den Reichswald geführt, vorbei an den drei als Gewerbefläche ausgewiesen Arealen, alles ehemalige US-Niederlassungen, die verstreut im Wald liegen. Doch diese werden nun „renaturiert“ im Tausch für den Teil des Waldes, der für das neue Gewerbegebiet Moser Brücke abgeholzt wird. Damit ist die direkt Anbindung von GNF und Wendelstein passé, zum Unmut vieler Wendelsteiner.

Besonders die Rodung lässt hingegen viele Feuchter zu erbitterten Gegnern des Vorhabens werden. Schließlich handelt es sich um ein europäisches Vogelschutzgebiet. Dass die 9000 Bäume wieder nachgewachsen seien, das werde er nicht mehr erleben, sagt ein Feuchter im Gespräch mit dem Boten. Die Ausgleichsflächen bei Feucht, Fischbach und Winkelhaid sowie die aufgeforsteten Indrustrieflächen im Wald sind für ihn kein adäquater Ersatz: Liegen letztere doch auf dem Grund eines ehemaligen Munitionslagers, der zum Teil bis heute nicht betreten werden darf. Er will ebenfalls seine Einwände beim Amt einreichen.

Wie geht es nun weiter? Mit den Einwänden wird sich der Bauausschuss der Zeidlergemeinde und anschließend der Gemeinderat beschäftigen. Dabei komme es auf die Argumente an, erläutert Bauamts-Leiter Andreas Brandmann. Falls der Gemeinderat die Einwände aufnimmt, kann er den Bebauungsplan noch einmal überarbeiten und ändern. Sollte er das nicht tun, wird wahrscheinlich im Juli der Satzungsbeschluss erfolgen. Kai Mirjam Kappes

Am Montag, 24. Februar, um 24 Uhr endet die Frist für schriftliche Einwände. Diese können beim Bauamt, Pfinzingstraße 10, abgegeben werden.

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