„Sanfter Tourismus“ soll gefördert werden

Der Landkreis wünscht sich mehr Gäste

Mit der Schönheit der Natur – hier der Hohle Fels über dem Happurger Stausee – kann das Nürnberger Land punkten. | Foto: Geiger2021/05/HohlerFelsStausee-happurg-foto-touristinfo-nbg-land-ThGeiger.jpg

Nürnberger Land – Mehr Ausflügler, mehr Übernachtungen und damit mehr Einnahmen für Gastronomie und Hotellerie: Der Landkreis und seine 27 Kommunen sehen beim Tourismus Luft nach oben. Ein Infrastrukturkonzept mit dem Leitthema „Natur“ soll nun Mängel erkennen und Projekte in den einzelnen Orten anstoßen – etwa neue Wanderparkplätze oder Aussichtspunkte.


Doch eines ist bereits klar: Man will keine Menschenmassen anlocken, sondern „sanften Tourismus“ im Einklang mit der Natur fördern. Das betonte Landrat Armin Kroder während einer Online-Pressekonferenz zu dem Thema. Die gewünschten Verbesserungen in der Infrastruktur sollen zudem nicht nur Gästen, sondern auch den Landkreisbewohnern selbst nutzen, so Kroder.


Auftraggeber des Projekts ist die sogenannte Lokale Aktionsgruppe (LAG), ein Verein zur nachhaltigen Entwicklung des Landkreises, dessen Vorsitzender der Landrat ist. Mit dem Projekt wurden die Stadtplaner „Team4“ sowie das Hamburger Büro „Inspektour“ beauftragt.

Das Konzept selbst soll rund 100 000 Euro kosten. 40 Prozent davon bezahlt die EU über ein Leader-Projekt, den Rest teilen die Kommunen und der Landkreis untereinander auf. Bernd Hölzel, Leiter der Abteilung Kreisentwicklung am Landratsamt, stellte in Aussicht, dass auch die Umsetzung von der EU mitfinanziert werden könnte.

Schwerpunkte Mountainbike und Stausee


Zwei der Schwerpunktthemen des Projekts sind der Bereich Mountain­bike sowie der Happurger Stausee. Bei Letzterem sei es gerade nicht das Ziel, im Sommer die Anzahl der Besucher zu erhöhen, wie Guido Bauernschmitt von „Team4“ betonte. Der Bedarf an Badeplätzen sei da, das Angebot aber zu gering, das zeige sich in jedem Sommer. Man suche Alternativen, das könnten möglicherweise Flussbadestellen in der Pegnitz sein. Der Landrat betonte, man wolle „keine Tausend-Betten-Burg“ am Happurger Stausee.


Auch beim Schwerpunkt Mountainbike soll die Nachfrage in die richtigen Bahnen gelenkt werden. Bekanntlich gibt es immer wieder Konflikte unter anderem mit Wanderern und Jägern. Also soll ein „Lenkungskonzept“ dazu beitragen, die Situation zu verbessern.

2020 war nur jedes fünfte Hotelbett im Landkreis belegt


Laut dem Bayerischen Landesamt für Statistik ist die Zahl der Gäste im Landkreis 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 50 Prozent auf rund 91 000 zurückgegangen, die Coronakrise wirkte sich also negativ auf das Nürnberger Land aus. Eine Erklärung dafür wären die ausgefallenen Messen in Nürnberg, von denen auch die Hotels im Speckgürtel profitieren. Die Auslastung der Hotelbetten lag bei 19.9 Prozent, das ist der niedrigste Wert in Mittelfranken und einer der niedrigsten in ganz Bayern.


Wie sehr der Tourismus gesteigert werden soll, dazu gibt es im Landrats­amt keine konkrete Vorstellung. Klar ist nur: Sowohl die Anzahl der Gäste als auch die Zahl der Übernachtungen sollen steigen, allerdings in der Fläche. Man will keine von Urlaubern überlaufenen „Hotspots“, so Sarah Staub von „Inspektour“. Gerade beim Wandern und Radfahren habe der Landkreis „tolle Voraussetzungen“.

Rahmenbedingungen für private Investitionen


Die Infrastrukturmaßnahmen sollen die Rahmenbedingungen für private Investitionen schaffen, so Staub. Das wären etwa neue Gasthäuser oder Hotels. Eines zeichnet sich durch die Zielsetzung des Projekts bereits ab: Der Fokus auf den Bereich Natur dürfte eher den Flächengemeinden unter anderem im nordöstlichen Landkreis nutzen. Das Gebiet „Nördliche Frankenalb“ ist vom Bundesamt für Naturschutz als einer von 30 „Hotspots der Artenvielfalt“ gelistet, wie Hölzel erwähnte.


In den vergangenen Wochen haben die Projektentwickler mit einigen Akteuren gesprochen, etwa mit den Bürgermeistern, dem Bund Naturschutz, Vertretern der Mountainbike-Szene oder dem DAV. Nun beginnt eine sechswöchige Phase der Öffentlichkeitsbeteiligung. Die Bürger sind aufgerufen, Ideen mit einzubringen. Es handle sich um „eine frühe Form der Teilhabe“, so Kroder.


Bis Ende Herbst wollen die Projektverantwortlichen ihr Konzept fertigstellen. Die Umsetzung liegt anschließend an den Gemeinden, sie kann Jahre dauern, wie Staub angab. Es soll nur das umgesetzt werden, was von einer großen Mehrheit in der jeweiligen Gemeinde unterstützt werde, wie der Landrat betonte.

Einbringen kann man sich auf der Webseite mein.nuernberger-land.de

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