Pfingstfeuer lodert trotz Corona

Andrea Thema bei der Übergabe der beiden Paramente an Pfarrer Alexander Seidel in der Wilhelmsdorfer Hugenottenkirche. | Foto: privat2020/04/Ezelsdorf-Paramente1-scaled.jpg

EZELSDORF/WILHELMSDORF – In Gottesdiensten der evangelischen und der katholischen Kirche werden verschiedene liturgische Farben verwendet, die auf bestimmte Ereignisse im Kirchenjahr verweisen. Neben den Farben Weiß, Violett und Grün ist Rot die Farbe des Feuers und der Liebe und wird vor allem für Konfirmationen und Pfingsten verwendet.

Passend zum bevorstehenden Pfingstfest übergab die Textilkünstlerin Andrea Thema aus Ezelsdorf nun zwei neue rote Altar- beziehungsweise Kanzelparamente an die evangelische Kirchengemeinde der Hugenottenkirche in Wilhelmsdorf im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim. Auch wenn die Konfirmation dort wie andernorts nicht stattfinden konnte und es noch fraglich ist, wie Pfingsten in der Kirchengemeinde gefeiert wird – die Paramente für Altar und Kanzel erstrahlen neu und in prächtigen Rottönen.

Bedeutungsvolle Anschaffung

Die roten Paramente sind weder die ersten, die Thema entwarf, noch sind sie die ersten, die sie an die mittelfränkische Gemeinde lieferte. Bereits vor einigen Jahren kam die Gemeinde auf sie zu mit der Bitte, sie möchte doch Entwürfe für neue Textilien im Kirchenraum ausarbeiten. Dies, so weiß Thema, die von 2013 bis 2014 kommissarische Leiterin der Paramentik in Neuendettelsau war, ist für viele Pfarrrer und Kirchenvorstände eine wichtige und auch kostspielige Investition. Etliche tausend Euro muss eine Gemeinde aufwenden, oft wird lange für diese bedeutungsvolle Anschaffung gespart, und nicht wenige Kirchen schmücken Paramente, die mehr als 100 Jahre alt sind.

Von daher nicht nur eine wichtige, oft im Entstehungsprozess sehr aufwändige, gleichzeitig aber auch nachhaltige Investition für eine kirchliche Gemeinschaft. In den vergangenen Jahren hat die Künstlerin bereits violette und weiße geistliche Kanzel- und Altarbehänge geschaffen, nun also auch noch die roten (grüne waren schon vorhanden).

Die freischaffende Künstlerin Andrea Thema hat sich bereits vor ihrer Zeit in der Neuendettelsauer Paramentik, die übrigens die älteste evangelische der Welt ist, mit der Thematik befasst. Aus jener Zeit aber stammen ihre detaillierten Kenntnisse und letztendlich auch das Netzwerk, das für die Erstellung solcher geistlicher Kunstwerke nötig ist. Denn die Paramente werden in unterschiedlichen Techniken gefertigt und wandern über verschiedenste handwerkliche und künstlerische Schreibtische beziehungsweise Computerbildschirme.

Skizzen und Materialproben

Im Fall der Wilhelmsdorfer Arbeiten war die Mitarbeit einer Filzerin und einer Schneiderin gefragt, die sich um den Entwurf von Thema kümmerten, die wiederum die Ausführung engmaschig kontrolliert und begleitet. Im Herbst vergangenen Jahres kam man auf sie zu und bat um Entwürfe. „Ideen hatte ich schon länger“, räumte die Ezelsdorferin ein, die ihre Vorstellungen am PC ausarbeitet, so dass sie schon bald einige Skizzen mit Materialproben in die kleine ehemalige Hugenottengemeinde schickte. Als man sich dort bei den Kirchenvorstandssitzungen für eine Ausführung entschied und einem Filzvorschlag den Vorzug gab, ging der Entwurf weiter an die Filzerin, eine Fachfrau, die ihr Kunsthandwerk in der Nähe von Köln betreibt.

Lokale Schneiderin arbeitet mit

Farbauswahl, Kostenvoranschlag, weitere Ideen – noch viele Male ist der Entwurf zwischen den Auftraggebern und den vielen beteiligten Ausführenden hin- und hergesandt worden. Später kam die Schneiderin aus Pyrbaum ins Spiel, denn der Filz wird noch mit einem anderen Wollstoff kombiniert und dabei müssen bestimmte Vorgaben beachtet werden. Ein halbes Jahr später konnte nun die Übergabe stattfinden, anders als geplant, weil Corona-bedingt ohne große öffentliche Feierlichkeit im Rahmen einer Konfirmation.

Dennoch freute sich Pfarrer Alexander Seidel über die gelungene Ausführung, die den Umständen entsprechend von Andrea Thema mit Mundschutz abgliefert wurde. „Den trage ich aus Vorsicht und als Zeichen der Wertschätzung gegenüber meinen Mitmenschen“, versichert die Künstlerin.

Bei der Gestaltung ihrer Paramente hat sie sich am Pfingst-Geschehen orientiert, so wie sie bereits vor einem Jahr in der Bad Windsheimer Spitalkirche tiefrote „Feuerzungen“ für das kirchliche Pfingstfest als Installation geschaffen und enthüllt hat. Die Farbe Rot sieht sie als Symbol für das Pfingstfeuer, das von oben (Kanzel) nach unten (Altar) wie stilisierte Zungen in verschiedenen Schattierungen der Signalfarbe verläuft.

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren