Abgespeckt, familienfreundlich, interaktiv und schlüssig

Museumskonzept für Burgthann

Hier soll es bald heller und einladender werden. Während noch Handwerker und Restaurator mit der Renovierung der Räumlichkeiten beschäftigt sind, plant die Fördergemeinschaft einen moderneren Museumsauftritt. Foto: Spandler2015/10/burgmuseum_New_1444916702.jpg

BURGTHANN – Ohne Beschluss, aber mit großem Interesse quittierte der Gemeinderat die Vorstellung eines neuen Museumskonzepts für die Burg. Die Bitte, die die Räte auf der September-Sitzung ausgesprochen hatten, ausführlich über die Pläne informiert zu werden, bevor man seine Zustimmung zu einer vorläufigen Kostenübernahme geben wolle, nahmen die Mitglieder des Burgfördervereins sehr ernst.

Wie berichtet, musste das Heimat- und Kanalmuseum im Zuge der Sanierungsarbeiten auf dem Burggelände ausgeräumt werden. Diese Gelegenheit wolle man nutzen, so Betty Püntzner, die erste Vorsitzende der Fördergemeinschaft Burg Burgthann, um die mittlerweile 20 Jahre alte Einrichtung der Ausstellungsräume neu und zeitgerechter zu gestalten. Bei Bürgermeister Heinz Meyer war man bereits vorstellig geworden, hatte ihm eine Summe von 23.000 Euro für den ersten Sanierungsabschnitt genannt – für die es eventuell staatliche Zuschüsse gibt –, nun sollte auch der Gemeinderat informiert werden. Wert legten die Mitglieder des Fördervereins darauf, dass sie bei der Erstellung des Konzepts eng mit der Landesstelle für Nichtstaatliche Museen in München zusammengearbeitet haben.

Platz für Keramik

Bevor sie das Wort an Thorsten Reinhard übergab, wollte Püntzner noch wissen, wann denn die Arbeiten am Turmbau beendet sein werden, schließlich wolle man auch wieder Veranstaltungen planen. Außerdem informierte sie, dass der bekannte Burgthanner Keramik-Künstler Willy Kuch fast seine gesamte Sammlung der Gemeinde für einen öffentlichen Raum zur Ausstellung zur Verfügung stellen möchte und dafür sehr gern einen Platz in der Burg hätte. In den Reihen des Vereins habe man schon an eine Präsentationsmöglichkeit im Kapellenbau gedacht, der Künstler selber ginge auch gern in das ehemalige Bogner-Haus, das von der Gemeinde kürzlich erworben wurde. In ihren einführenden Worten streifte Püntzner auch kurz das neue Vereinshaus in der Schwarzachstraße, das nun fast fertig ist und als Depot für die Gegenstände dient, die nicht in einer Ausstellung zu sehen sind.

Kein verbindlicher Termin

Bürgermeister Meyer versicherte, dass es bereits einen Gemeinderatsbeschluss gebe, der festlegt, dass man in den nächsten Jahren Räume für die Kuch-Ausstellung zur Verfügung stellen werde. Zum Wiedereinzugstermin in den Museumsbau konnte er allerdings keine verbindliche Auskunft geben. Dort ist derzeit ein Restaurator am Werk, der der Gemeinde vorschreibt, wann und wie man weiter vorgehen wird. Hier habe es Probleme mit der verwendeten Farbe gegeben, außerdem werde man auch noch den Erker Richtung Rittersaal entfernen müssen, so der Rathauschef. Den gewünschten Windfang allerdings wolle man verwirklichen. Was allerdings die Nutzung des Bogner-Hauses angeht, sehe er derzeit keine Möglichkeit. Wenn man hier Nägel mit Köpfen machen wolle, ergäben sich die gleichen Probleme wie im Museumsbau und das würde teuer werden.

Thorsten Reinhard, Geschichtslehrer und bei zahlreichen historischen Projekten auch in Nürnberg aktiv, übernahm die Präsentation der Neukonzeption, an der er als ehemaliges Fördervereinsvorstandsmitglied maßgeblich beteiligt war.

Folgende Vorüberlegungen spielten bei der Ausarbeitung eine Rolle: Das neue Museum solle familien- und kinderfreundlicher werden, sich nicht zu überladen darstellen, die Exponate in einem deutlicheren Zusammenhang zeigen und mehr „Mitmachaktionen“ anbieten.

Roter Faden

Reinhard veranschaulichte, was damit gemeint ist: Nicht den alten Besuchern, die sich sowieso noch in der Lebens- und Arbeitswelt des frühen vergangenen Jahrhunderts auskennen, wolle man das Museum besonders ans Herz legen, sondern den jungen. Zuletzt sei das Museum zu voll gewesen. „Man muss nicht zehn Schnabeltassen zeigen, eine genügt“, so der Historiker.

Die Gäste sollen zudem von einem roten Faden durch die Schau geleitet werden. Das bisherige System – unten Heimat, im ersten Stock Kanal, dann wieder Heimat – erscheint zu wenig zusammenhängend. Das ganze Gebäude solle auch viel einladender aufgemacht werden und das schon im Eingangsbereich.

Der ist gegenwärtig zu dunkel und könnte durch einen hellen Glasbereich aufgewertet werden. Und letztendlich ist geplant, wie beim „Lebendigen Museum“, mehr Aktionen anzubieten, bei denen vorwiegend junge Museumsbesucher selbst aktiv werden können.

Anhand von Folien, Bildern und Skizzen ging Reinhard ins Detail. Der Eingangsbereich solle rein zur Begrüßung der Gäste genutzt werden. Eine Info-Theke und Sitzgelegenheiten sollten durch ein großes Video-Gerät ergänzt werden, das Menschen mit Behinderung, die nicht die Stufen erklimmen könnten, zeigt, was in den oberen Stockwerken ausgestellt ist. Der zweite Raum im Erdgeschoss soll keine Dauer-Exponate enthalten, lediglich Bilder und Fotos. Später könnte man dort Sonderausstellungen unterbringen.

Kanalmuseum soll umziehen

Das Kanalmuseum hätte der Förderverein gern aus dem ersten Stock verbannt, um den Zusammenhang mit den heimatkundlichen Exponaten nicht zu unterbrechen. Hier sollen der Themenbereich „Leben (um 1920)“ einziehen. Zu den Punkten Wohnküche, Vorratshaltung, Schlafzimmer, Kleider, Wäschepflege könnte ein Rundgang entwickelt werden. Der zweite Stock würde dann unter dem Motto „Arbeiten (um 1920)“ stehen und in etwa zeigen, was bisher in den gegenüberliegenden Handwerkerstuben zu sehen war, also Bäckerei, Schuhmacherei, Schule, Schneiderei, Landwirtschaft. Das Klassenzimmer soll bleiben, aber etwas abgespeckt werden.

Das Kanalmuseum könne im Kapellenbau einquartiert werden, so die Vorstellungen des Fördervereins. Im zweiten Stock sei eine Darstellung von „Burgthanner Geschichte(n)“ angedacht, etwa in einer chronologischen Charakterisierung der Burgthanner Historie durch prägende Persönlichkeiten von der Goldhut-Zeit bis zur Gegenwart.

Die Gemeinderäte fanden das Konzept durchweg stimmig, doch der Bürgermeister musste darauf hinweisen, dass manche Pläne in Kürze wohl nicht realisierbar seien. Der zweite Stock im Kapellenbau müsste erst noch untersucht werden, aber da sich dann wohl sofortiger Handlungsbedarf abzeichnen dürfte, müsse man zunächst darauf verzichten. Nun sei erst einmal der Gemeinderat am Zug, der in der nächsten Sitzung über die Vorschläge diskutieren werde.

Am Sonntag öffnet das neue Vereinshaus der Burgfördergemeinschaft in der Schwarzachstraße 6 zwischen 14 und 17 Uhr seine Türen.

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler