Entwürfe von TH-Studenten

Junge Visionen für die Burg

Bürgermeister Meyer (links) und Professor Dittrich mit drei der ersten Preisträgerinnen (v.l.): Anja Lausser, Manuela Haubner und Rebekka Babesch. Im Vordergrund die beiden Sieger-Modelle. | Foto: Spandler2017/08/burgthann-archiwettbewerb2-online.jpg

BURGTHANN – Die altehrwürdige Burg Burgthann als „Burgkristall“ oder zukünftig versehen mit „Segeln der Sehnsucht“? Oder doch lieber mit einer zusätzlichen Ebene als Aussichtsplattform? Architektur-Studierende der Georg-Simon-Ohm-Hochschule in Nürnberg unter der Leitung von Professor Horst Dittrich hatten viele Ideen zur Umgestaltung und Aufwertung des alten Bauwerks.

Im Rathaus wurden die teils kühnen Entwürfe vorgestellt. Doch Traditionalisten seien beruhigt: Es handelte sich nur um eine Semester-Arbeit, die Umsetzung einer der Planungen ist nicht vorgesehen. Als Anregung für zukünftiges Gestalten werden sie jedoch mit Sicherheit dienen.

Noch vier Wochen lang können die prämierten Modelle zu den üblichen Öffnungszeiten im Sitzungssaal des Rathauses besichtigt werden.

Schlicht „klasse“ findet Bürgermeister Heinz Meyer das Ergebnis der Studienarbeiten. Er sei froh,“dass wir‘s gewagt haben“, gestand er in seiner Begrüßung und schob hinterher, dass man aber ja mit Professor Horst Dittrich, Burgthanner Gemeindebürger, schon so einiges gemeinsam zuwege gebracht habe. Kurz stellte er die Jury vor, die unter den eingesandten Entwürfen zwei erste, einen zweiten, einen dritten und einen Sonderpreis ausgewählt hatte: Neben dem Bürgermeister waren dies Prof. M. Jostmeier (Designer), Dipl.-Ing. Reinhard Graf (Architekt), Prof. Christian Rösner (Bildhauer), MA Marian Wild (Kunstgeschichtler) und Prof. Horst Dittrich (Architekt). Bei der Begutachtung der einzelnen Modelle werden die Gäste, darunter etliche Gemeinderäte und Verwaltungsmitarbeiter, sicher unterschiedlicher Meinung sein, glaubte Meyer und wies darauf hin, dass auch seine Favoriten nicht unbedingt die der gesamten Jury waren.

Die Bestandsaufnahme

Professor Dittrich erklärte zunächst die Aufgabenstellung, bevor er die ausgezeichneten Modelle charakterisierte. Die Fragestellung habe gelautet: „Was kann man mit der Burg noch anfangen?“ Dies musste im Detail erarbeitet werden. Mit großer Vorsicht habe man zunächst eine Bestandsaufnahme gemacht. Im zweiten Schritt ging es dann darum, schlüssige Konzepte zu erarbeiten, die bei jedem anders ausgefallen sind. Wichtig sei allen ein gewisser Verzicht auf ein Zuviel gewesen, so der Professor, was auch an den verschiedenen ausgestellten Modellen erkennbar ist.

Ein weiterer Teil der Aufgabe der Studenten war die Darstellung ihres Entwurfs, was durch die mittlerweile stark verbesserten technischen Möglichkeiten sehr anspruchsvoll geriet. Alle digitalen Möglichkeiten zur kompakten Präsentation ihrer Ideen haben die jungen Leute genutzt, so Dittrich. An ausgeleuchteten Stellwänden sind die computer-unterstützten Aufnahmen mit Beschriftungen und Erklärungen zu sehen und erwecken teils erstaunliche Eindrücke.

Anschaulich erläuterte er, dass es bei diesen Arbeiten nicht darum ging, Ausbesserungen an der beschädigten Burg vorzunehmen oder einfach etwas dranzufügen, sondern dass das Ziel eine Erneuerung und die Schaffung eines eigenständigen, unabhängigen Entwurfs gewesen sei. In den beiden ersten Preisen erkannte er daher ein gewisses Sendungsbewusstsein. Die Studierenden hätten ein Landmark entworfen, das weit über die Region Burgthanns hinausweise und sicher „intelligente Menschen“ nach Burgthann locken würde. Der zweite Preis lasse eine gegenüberliegende Position erkennen, der den Burghof annehme und zu einem schutzbietenden Element verarbeite. Der dritte Preis vermittle ein ästhetisches Stimmungsbild und löse die Frage „Wie komme ich über die Brücke?“ auf besondere Weise.

In seiner Rede konnte sich der erfahrene Professor einen Seitenhieb auf die Denkmalschutzbehörden nicht verkneifen, die er als Bauverhinderungsbehörden bezeichnete, wenn sich Vorstellungen von Architekten auf eine Ebene begeben, „die die nicht mehr verstehen“. Dies sei aber nicht die Aufgabe der Protagonisten moderner Architektur: „Wir wollen helfen, mutig weiterzuarbeiten, hier in Burgthann und ab heute“, versicherte er.

Bürgermeister Meyer schließlich schwärmte auch vom Sonderpreis, den Dittrich als „geistvolle und starke Tat“ bezeichnete. Hier habe der Planer über die Grenzen Burgthanns hinausgedacht.

Als Anerkennung von der Gemeinde für die umfangreichen und sensiblen Arbeiten erhielten alle Preisträger einen Geldpreis vom Bürgermeister überreicht. Der Entwurf „Burgkristall“, einer der ersten Preise, enthält einen neuen leichten, luftig wirkenden Baukörper, der nach Dittrich alle Problemstellen löst und tolle Eingangsmöglichkeiten in die Burg aufweist, während der andere erste Sieger, „Segel der Sehnsucht“ ein aufragendes Segel vorsieht, das höher als der Turm ist und ein flaches, regendichtes, das ideal für Open-Air-Veranstaltungen ist.

Die Preisträger

Erster Preis: Manuela Haubner und Rebekka Babesch bzw. Astrid Pümmerlein und Anja Lausser. Zweiter Preis: Maria Keilbach und Anna Maria Sachers. Dritter Preis: Julia Hölzl und Frank Zimmermann. Sonderpreis mit Ankauf: Junlong Song.

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler