Handwerksbetrieben droht das Aus

Baumärkte dicht, Arbeit stockt

Auf vielen Baustellen gibt es derzeit Probleme, sagt Architekt Werner Fischer, weil Handwerker bei Baumärkten vor verschlossenen Türen stehen, wenn sie Material einkaufen wollen. | Foto: Adobe Stock2020/03/NL-Arbeit-am-Bau-scaled.jpg

FEUCHT/SCHWARZENBRUCK – Architekt schlägt wegen Materialmangels auf Baustellen Alarm. Große Märkte haben zwar
 die Genehmigung, für Handwerksfirmen zu öffnen, nehmen diese aber nicht wahr.

In der Corona-Krise gibt es nur noch wenige Bereiche, die im „Normalbetrieb“ laufen. Das gilt im Großen und Ganzen für den Bau und das Bauhandwerk. Auf den Baustellen wird weiter gearbeitet, Kurzarbeit ist in den Betrieben des Baugewerbes die große Ausnahme. Und jetzt das: Seit Schließung aller Baumärkte stehen Handwerker vor verschlossenen Türen, wenn sie Material brauchen und einkaufen wollen. Das hat unmittelbare Konsequenzen für den Fortgang der Arbeiten auf den Baustellen.

Architekt Werner Fischer vom Feuchter Architekturbüro Fischer Planen und Bauen schlägt Alarm: „Bitte sorgen Sie schnellstmöglich dafür, dass Bauhandwerker trotz Corona-Krise sofort wieder mit dringend notwendigem Baumaterial versorgt werden,“ schreibt er an die Industrie- und Handelskammer (IHK) und an die Wirtschaftsförderung im Landkreis Nürnberger Land.

Appell an IHK

Fischer erfährt täglich von den Handwerkerfirmen, mit denen er zusammen arbeitet, dass sie wegen der Schließung der Baumärkte nicht mehr das Material kaufen können, das sie auf den Baustellen dringend brauchen. Baumärkte bedienen ja nicht nur Endverbraucher und Hobbyhandwerker. Sie sind vielmehr Zwischenhändler für Firmen und professionelle Handwerksbetriebe. Und als solche fallen sie jetzt komplett aus, der Betrieb am Bau gerät ins Stocken. „Handwerksbetriebe müssen die Arbeiten an den von uns betreuten Baumaßnahmen zum Teil einstellen und ihr Personal nach Hause schicken“, schildert Fischer die Situation.

Aus für gesunde Betriebe?

Anlass für die Schließung der Baumärkte war der große Zulauf in den Märkten noch vor Verschärfung der Ausgangsregeln. Fischer und seine Architekten-Kollegen haben für die Schließung der Märkte für Privatkunden deshalb durchaus Verständnis, können aber nicht nachvollziehen, warum jetzt Handwerker auch keine Möglichkeit mehr zum Einkaufen haben.

Es mache doch keinen Sinn, sagt Fischer, jetzt gesunde Betriebe zugrunde zu richten, um ihnen dann Soforthilfen und Schutzschirme anzubieten, die dann durch Steuergelder finanziert werden müssen.

Die Folgen für seine Kunden beschreibt Fischer als katastrophal: Zig Wohnungen könnten nicht termingerecht fertig gestellt werden. Mieter, die ihre alte Wohnung gekündigt hätten oder Hausbesitzer, die ihre Immobilie verkauft hätten, liefen Gefahr, mit ihren Möbeln auf der Straße zu stehen.

Fischer macht auch Gewerbebau. Deshalb verweist er darauf, dass aufwändig vorbereitete Betriebsverlagerungen von Gewerbebetrieben in neue Betriebsstätten nicht termingerecht durchgezogen werden können. „Das kann zu Millionenschäden führen.“

Bei alledem ist sich der Feuchter Architekt sicher, dass es doch leicht organisierbar wäre, Lieferungen an Baustellen ebenso wie Einkäufe und Abholungen durch Handwerksbetriebe bei Baumärkten zu gestatten, ohne dass Gefahr entsteht.

So sieht man das auch beim bayerischen Wirtschaftsministerium. Minister Hubert Aiwanger hat festschreiben lassen, dass Baumärkte und Baustoffhandel für Handwerker mit Handwerkerausweis geöffnet sein dürfen. Baumärkte seien notwendig zur Versorgung von Handwerkern, der Baustoffhandel notwendig zur Belieferung von Baustellen und Handwerkern, heißt es ausdrücklich in Aiwangers Erläuterungen zu Beschränkungen für Firmen und Freiberufler.

Baumärkte und Baustoffhandel können für Handwerker geöffnet sein, sie müssen aber nicht offen sein. In der Praxis sieht das so aus, dass Obi in Schwarzenbruck ebenso wie Hagebau in Feucht geschlossen sind, der Baustoffhandel von Hagebau aber geöffnet ist.

Beim Schwarzenbrucker Obi-Markt gehen täglich bis zu 50 Telefonanrufe von Handwerkern ein, die einkaufen wollen, erzählt ein Mitarbeiter des Markts im Gespräch mit dem Boten. Und beim Hagebaumarkt in Feucht ist der Baustoffhandel zwar auf, wenn Handwerker dann aber etwas aus dem Baumarkt kaufen wollen, geht das nicht.

Das kann doch nicht sein“, stellt Frank Richartz von der Wirtschaftsförderung Nürnberger Land fest. Der Diplom-Kaufmann und Abteilungsleiter am Landratsamt will mit den Verantwortlichen beim Hagebaumarkt Kontakt aufnehmen und nachfragen, ob sich nicht eine Lösung für Handwerker findet, die Material im Baumarkt kaufen wollen.

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