Kanal, See oder Bad

Ab ins kühle Nass

Ein beherzter Sprung – und Abkühlung folgt. Der Kanal heizt sich nicht so schnell auf und ist ein paar Grad kälter als Freibäder und Seen2015/08/Pfeifferhuette_Kanal_Seilsprung.jpg

NÜRNBERGER LAND – Am Donnerstag stieg das Thermometer auf 36 Grad, am Freitag könnte die 40-Grad-Marke geknackt werden. Ab ins kühle Nass, denken sich viele Menschen im Boten-Gebiet. In den Freibädern wird ein Riesenandrang erwartet.

Das Naturbad in Weißenbrunn hat den Nerv der Zeit getroffen: Bis zu 600 Menschen täglich strömen hierher, um sich im Schwimmteich zwischen Seerosen und Schilf zu erfrischen. „Wo soll man denn sonst hingehen, wenn es so heiß ist?“, ruft Margit Dickas von der Wasserwacht Weißenbrunn aus. Auch unter der Woche wird das Bad gut angenommen: Die ersten kämen bereits um halb sieben, um ihre Bahnen zu ziehen. Um halb neun verließen die letzten die Anlage.

Geheimtipp in Pfeifferhütte

Am angenehmsten sei es bei der Hitze unter den Bäumen an den Quellen, die sich auf dem Schwimmbadgebiet befinden. „Das ist der kühlste Platz in ganz Weißenbrunn“, verrät Dickas. Doch da sprudelt es schon lang nicht mehr: Lediglich mickrige Rinnsale kommen derzeit aus der Erde. „Wir brauchen dringend Regen“, sagt Dickas. Michaela Profoz ist mit ihrer Mutter und ihrem Sohn dreimal in der Woche im Naturbad. Die drei aus Engelthal kommen meist schon am Vormittag nach Weißenbrunn, um sich abzukühlen. Wenn das Thermometer am heutigen Freitag auf 40 Grad steigt, wollen sie den Nachmittag jedoch lieber in der kühlen, abgedunkelten Wohnung verbringen.

In Pfeifferhütte, am Ortsausgang in Richtung Steinbach, gibt es einen Geheimtipp: Am Ludwig-Donau-Main-Kanal baumelt dort ein Seil von einem Ast, am Ufer ist an den Stamm des Baumes ein Sprungturm aus alten Brettern gezimmert. Tim Nemesch (11) ist gerade mit dem Fahrrad aus Oberferrieden gekommen. Der Platz sei unter Kennern sehr beliebt. Wegen der Gaudi mit dem Seil kommt Tim her. Wem der Tarzansprung zu waghalsig ist, kann von einer Brücke oder Schleusenmauer springen. Die Stelle wird schon lange zum Schwimmen genutzt, Tim kennt sie von seinem Vater. Mittlerweile gibt es eine Whatsapp-Gruppe, in der sich die Kids verabreden.

Markus Meyer, Meister für Bäderbetriebe im Freibad Altdorf, freut sich über die vielen Besucher. 1000 Gäste kommen im Schnitt, an heißen Tagen 1500. „Am Freitag werden wir auf 1700 kommen.“ Seit sechs Jahren werden die Besucherzahlen monatlich dokumentiert. „So viele Schwimmgäste wie heuer hatten wir seitdem um diese Zeit noch nicht.“ Was die Leute schätzen? „Die Attraktionen im Wasser – Sprungturm, Sprudelliegen und Wellenrutsche – werden sehr gut angenommen.“ Jonas Bleicher (12) und Moritz Gömmel (11) verbringen in den Ferien fast jeden Tag hier. Die beiden Nachbarn radeln gemeinsam aus Unterrieden her. Ihre Motivation: „Man trifft hier alle, die in Altdorf zur Schule gehen.“

„Die Saison ist bombig“

Auch das Feuchtasia in Feucht schreibt Rekordzahlen: „Die Saison ist bombig. Es läuft sehr gut“, strahlt Betriebsleiter Adrian Fota. Er kommt gerade aus dem Sportbecken, wo er die beiden Vormittags-Schwimmkurse angeleitet hat. „Wenn es so weitergeht, dürfte das der zweitbeste nach dem Jahrhundertsommer 2003 werden.“ Der Tagesrekord stammt aus diesem Jahr: Am 5. Juli kamen 7500 Gäste. Das eingespielte Team konnte auch diesen Tag stemmen. „Wenn die Gäste nach so einem Tag draußen sind, sind wir froh. Toi toi toi – bisher ist nichts Größeres passiert.“ Oberste Priorität: Sicherheit und Wasserqualität aufrechterhalten. Mara Schumacher (50) kommt aus Wendelstein, „weil es da nix gibt.“ Sie mag die schattigen Plätze unter den hoch gewachsenen Kiefern und den schönen Biergarten. Julia Strohmaier (36) ist im Feuchtasia „weil Ferien sind und wegen der Kinder“.

Auch Familie Schönhofer und Schwab ist mit Kind und Kegel unterwegs. Das Kleinste sitzt auf dem voll gepackten Wäschekorb, den Papa schleppt. Es geht zum Jägersee, „weil der Opa dort mit seinem Hund hinkommen kann.“ Rentner Wilfried Kuhl (81) aus Großschwarzenlohe kommt aus gesundheitlichen Gründen zum Trainieren an den Jägersee und wegen der Idylle. „Natur pur“, findet er und deutet auf eine Gruppe kleinerer und drei echt großer Fische, Hechte vielleicht. Der Naturschützer zieht den See dem gechlorten Schwimmbad vor. Zu Beginn des Sommers misst er die Wassertemperatur mit einem Thermometer. „Am Freitag“, schätzt er, „kann sie bis auf 28 Grad raufklettern.“

N-Land Julia Hornung
Julia Hornung/Kai Kappes