Gutachten im Happurger Gemeinderat

Feuersalamander contra Mensch an Schupfer Quellen

Helmut Herrmann (links, mit Helmut Thäter, Herbert Hofmann, Jürgen Vogel, Peter Weidinger) führt die Bürgerinitiative an. Foto: M. Münster2014/11/5_2_1_2_20141126_QUELLE.jpg

HAPPURG (kb/ap) – Es ist gleich der zweite Punkt auf der Tagesordnung: Die Wasserversorgung von Happurg. Seit 2009 schwelt der Streit um die Schupfer Quelle, denn das Wasser von dort soll alle Haushalte speisen. Am heutigen Mittwoch wird in der Gemeinderatssitzung ein weiteres Gutachten vorgestellt, ob diese Wasserstelle genutzt werden darf oder nicht. Erwartet wird eine heiße Debatte, denn schon jetzt stehen Naturschutz, Wirtschaftlichkeit, Behörden und die Bürgerinitiative miteinander auf Kriegsfuß.

Vor fünf Jahren stimmten neun Räte für die Ertüchtigung der Quellen in Förrenbach und Schupf sowie die Errichtung eines Hochbehälters in Reicheneck, damit die Kommune unabhängig bei der Versorgung mit dem Nass wird. Sieben waren dagegen. Da die Quellen bereits seit Jahrzehnten den Ortsteil Schupf versorgen, obwohl sie in einem FFH-Bereich (spezielles europäisches Schutzgebiet in Natur- und Landschaftsschutz, das dem Schutz von Pflanzen (Flora), Tieren (Fauna) und Habitaten (Lebensraumtypen) dienen soll) liegen, dachte damals niemand daran, dass eine vergrößerte Wasserentnahme für Happurg zum Problem werden könnte.

Der gültige Wasserrechtsbescheid liegt bei maximal 18.000 Kubikmetern pro Jahr, laut Helmut Herrmann von der Bürgerinitiative wären aber für Schupf plus Happurg 50.000 Kubikmeter nötig. Zusammen mit den Förrenbacher Quellen würde – so rechnete Herrmann – die 155.000 Kubikmeter im Jahr den Bedarf von Happurg, Förrenbach, Kainsbach und Schupf (2013: 116.000 Kubikmeter) locker decken. Daher kamen 2013 der Unteren und Höheren Naturschutzbehörde Bedenken, dass diese Mehrentnahme zur Austrocknung der Kalktuffformationen führen könnte.

Im Zuge dieses wasserrechtlichen Verfahrens waren zwei Gutachten eine Auflage vom Landratsamt, erklärt Bürgermeister Bernd Bogner. Das Erste war hydrologisch-ökologisch-geologisch ausgerichtet und gab an, dass es grundsätzlich möglich ist, die Schupfer Bodenöffnung zur Versorgung Happurgs zu nutzen, so lange pro Quelle rund 1,5 Liter zur Verfügung stehen, blickt Bogner auf die Präsentation des Gutachtens im Januar zurück. Herrmann interpretiert das so, dass es „von Vorteil für die Fauna und Flora ist, wenn in dem von uns benötigten Rahmen Wasser entnommen wird, da dadurch die Kalktufformationen und die Ökologie besser erhalten bleiben“.

Daher raubt ihm und seinen Mitstreitern die weitere Expertise, die im Rahmen der FFH-Verträglichskeitsprüfung rund ein Dreivierteljahr lang die Tier- und Pflanzenwelt unter die Lupe nahm, jegliche Hoffnung: „Es enthält zu unserem Schrecken nur Bedenken und Verbote. Der Lebensraum von Feuersalamander, Facettenlibelle und Nervmoos habe Priorität. Doch wir Bürger haben mindestens das gleiche Recht auf einen gesunden Lebensraum mit hervorragendem Wasser.“

Er macht aber zugleich deutlich, dass er deswegen nicht gegen den Naturschutz ist, aber „die Reihenfolge muss bleiben Mensch, Libelle, Farne“. Denn wenn die Quellen oder der Notverbund mangels Wassermenge ausfallen, seien Gesundheit und Sicherheit (Feuerschutz) der Kommune gefährdet. Daher fordert er mehr Tatkraft von Bogner und Landrat Armin Kroder ein, sich für die Sache einzusetzen und nicht parteipolitische Wechselspielchen zu betreiben. Dabei ist Happurgs Bürgermeister in der Hinsicht durchaus auf Herrmanns Seite: „Wenn man den Naturschutz so hoch hängt, dass öffentliche Bedürfnisse nicht mehr erfüllt werden können, dann hört es bei mir auf.“

Wie Herrmann fühlt auch er sich gefangen im Dschungel der Behörden wie Naturschutzbehörden, Wasserwirtschaftsamt oder EU. Und diese geben oder verweigern ja nur ihr Ok. Lösungen suchen und zahlen, das muss die Kommune tun – oder die Bürgerinitiative. Sie hat einen Passus im Bundnaturschutzgesetz entdeckt, nachdem ein Projekt im FFH-Gebiet zugelassen werden kann, wenn es „aus zwingenden Gründen des überwiegenden öffentlichen Interesses, einschließlich sozialer oder wirtschaftlicher Art, notwendig ist“. Aber: Es darf keine „zumutbaren Alternativen“ geben.

Diese wären aber mit einem Anschluss an Alfeld theoretisch vorhanden, wobei die Frage ist, ob dies wirtschaftlich günstiger ist als die Ertüchtigung der eigenen Quelle. Herrmann geht es neben sauberem Wasser und Unabhängigkeit auch ums Geld, wenn er sagt, er wolle das „frische Quellwasser genießen, das innerhalb unsere Gemeinde nahezu geschenkt hervorquillt“. Denn sollte die Schupfer Wasserstelle ganz dicht gemacht werden, müsste Happurg noch mehr Nass zukaufen als jetzt.

Derzeit erfolgt die Versorgung der Gemeinde über die Förrenbacher und Schupfer Quellen sowie – seit der Schließung der Kainsbacher vor rund zwei Jahren – durch einen Notverbund im Gemeindeteil Molsberg mit Alfeld. Doch könnte dieser noch mehr leisten? „Hierzu wurde zwischen den beiden Gemeinden vereinbart, dass eine solche Wasserlieferung einer Überbrückung dient, bis die Ertüchtigung der Schupfquellen abgeschlossen ist. Über weitere Wasserlieferungen wurden bisher weder Gespräche noch Verhandlungen geführt“, erklärt Alfelds Rathauschef Karl-Heinz Niebler.

Bogner war von Beginn an „uneingeschränkt für die Schupfer Quellen“, da eine dauerhafte Ausschüttung von fünf bis sechs Litern prognostiziert wurde. Doch aufgrund „dieser großen Hürden“ muss die Lage neu bewertet werden. Wenn es rechtlich möglich ist, will er aber an Schupf festhalten, vor allem weil dem Projekt der Mehrheitsbeschluss des Gemeinderates zu Grunde liegt.

Diesem werden heute von Dr. Helmut Schlumprecht vom Büro für ökologische Studien Bayreuth die Erhebungen für eine FFH-Verträglichkeitsprüfung und eine spezielle artenschutzrechtlich Prüfung vorgestellt. „Eine Grundsatzentscheidung fällt da nicht. Die Fraktionen werden sich erstmal einlesen und besprechen.“ Eines ist für Bogner aber klar: „Es muss eine Entscheidung her, um unsere Versorgungssicherheit zu gewährleisten.“

Geld für Gemeinden

Wasser ist auch in anderer Hinsicht ein Thema in Happurg: Aufgrund der Steuerausfälle wegen des Stillstandes am Oberbecken fehlt der Gemeinde Geld in der Kasse. Auf Anfrage des Landtagsabgeordneten Norbert Dünkel unterstützt der Freistaat besonders finanzschwache Gemeinden mit einer Stabilisierungshilfe. Laut Schreiben von Finanzminister Markus Söder werden Happurg eine Sonderförderung von 30.000 Euro und Vorra eine Bedarfszuweisung von sogar 470.000 Euro erhalten.

N-Land Hersbrucker Zeitung
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