Andere Sorgen belasten Branche

2G statt 2G plus: Wirte im Nürnberger Land bewerten Bayerns Entscheidung

NÜRNBERGER LAND – Obwohl sich Bund und Länder darauf verständigt hatten, in der Gastronomie 2g-plus einzuführen, beschreitet Bayern einen Sonderweg und belässt es bis auf Weiteres bei 2G. Die Entscheidung, in Bayern von der Einführung der 2G-plus-Regel abzusehen, bewerten Wirte aus dem Nürnberger Land recht positiv. Allerdings sehen sie andere Probleme.

Aktuell bleibt es damit ungeboosterten Restaurantbesuchern erspart, neben ihrem Impfnachweis künftig auch einen negativen Test an der Wirtshaustür vorzeigen zu müssen. Wer allerdings mit Johnson & Johnson geimpft wurde, der schaut jetzt in die Röhre, denn er gilt nicht mehr als vollständig geimpft und hat keinen Zutritt bei 2G mehr.

Für Hans-Peter Bauer, den Dehoga-Kreisvorsitzenden, der in Hersbruck das Restaurant „Café Bauer“ führt, ist die Kabinettsentscheidung, bei der 2G-Regel zu bleiben, ein „kleiner Lichtblick in der dunklen Zeit“. Wenigstens könne die Branche nun für die nächsten Wochen einigermaßen vorausschauen, auch wenn das gerade aus Sicht der Speisegastronomie immer noch keine vernünftige Planung ermögliche. Immerhin könne der Betrieb weiterlaufen, denn falls 2G-plus gelte, würden viele Lokale wieder schließen, „weil es sich einfach nicht lohnt“, weiß Bauer.

„Gute Entscheidung“

Auch Achim Stötzner vom Hotel Lindenhof in Hubmersberg bewertet den bayerischen Sonderweg positiv. „Aus Sicht der Gastronomie eine gute Entscheidung“, sagt er. Denn 2G-plus hätte spontane Restaurantbesuche schier unmöglich gemacht, schließlich muss sich der Gast vorher erst um einen Testtermin bemühen.

So sehr sich Hans-Peter Bauer auch über die Beibehaltung der 2G-Regel freut, eines kritisiert der Dehoga-Kreisvorsitzende dennoch: die geltende Sperrstunde um 22 Uhr. „Bars und Schankwirtschaften haben ja ohnehin zu, wer wechselt denn da am späten Abend noch die Gaststätte?“, fragt er. Das bringe aus seiner Sicht nichts, hindere die offenen Lokale aber daran, ihre Tische am Abend zweimal zu besetzen und so entsprechenden Umsatz zu generieren.

Sperrstunde belastet Branche

Bauer glaubt, dass das vorgeschriebene frühe „Aus“ am Abend der Branche zahlreiche Veranstaltungen kostet. Denn wer feiert schon Geburtstag oder Taufe, wenn um zehn Uhr alle Gäste vor die Tür gesetzt werden müssen? Die Folge sei außerdem, dass solche Feiern dann wieder vermehrt im privaten Bereich stattfinden – „und da wird dann nicht so kontrolliert wie bei uns“, meint der Wirt.

Mehr als die Sperrstunde treffe das Hotel Lindenhof die abgesagten Messen, erklärt Stötzner. Gerade zur Spielwarenmesse sei das Hotel in der Regel ausgebucht gewesen. Gäste, die nun fehlen. Und noch etwas beobachtet Stötzner: Wann immer neue Corona-Maßnahmen im Raum stehen, reagierten die Leute bei Tischreservierungen äußerst zögerlich.

Wenn die Pacht fällig ist

Den größten Druck haben laut Bauer Betriebe, die in Pacht geführt werden. Diese müsse Monat für Monat erwirtschaftet werden. Dabei weiß er von verschiedenen Kollegen, dass gerade Privatvermieter eher bereit seien, den Wirten entgegenzukommen und Pacht nachzulassen. Dagegen würde von Pächtern, deren Wirtsstuben größeren Firmen gehören, oft der reguläre Pachtzins gefordert.

Ein weiterer Faktor, der der Branche aktuell zusetze, auch wenn nach Kenntnis des Dehoga-Kreischefs coronabedingte Geschäftsaufgaben im Landkreis bisher noch die Ausnahme sind. „Aber das alles zusammen macht die Kollegen einfach mürbe“, so Bauer.

Autoren: ap, pb

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