Bayerisches Musik-Kabarett mit den Schwestern der Biermösl Blosn

Volksmusik und Frauenpower

Trocken, hinterfotzig und herzerfrischend – die Multiinstrumentalistinnen Bärbi, Burgi und Moni (v. l. ) begeisterten mit ihrem Programm „Herz sticht“. Foto: Spieß2015/03/schwarzenbruck_Wellkueren_spiess.jpg

SCHWARZENBRUCK – Am Freitag gastierten die Wellküren in der nahezu ausverkauften Bürgerhalle: „Herz sticht“, heißt ihr neues Programm, das sie in Schwarzenbruck präsentierten. Moni, Burgi und Bärbi sind die Schwestern der legendären Gebrüder Well (Biermösl Blosn) aus der kabarettistisch-musikalischen Großfamilie.

Genau wie ihre Brüder garantieren auch sie seit nun fast 30 Jahren bayerisches Musik-Kabarett auf hohem Niveau und verbinden Stubenmusik mit scharfzüngigen und vor allem bissigen Texten. Darin nehmen sie das Leben im Freistaat und natürlich die weiß-blaue Politprominenz und deren Politik herrlich böse und hinterfotzig aufs Korn – besonders unterhaltsam in Form ihres vollendeten G’stanzl-Gesanges. Das war so richtig was für alle, die gehobene satirische Unterhaltung mit Biss, Witz und Köpfchen, amtliche bayerische Volksmusik und Frauenpower mögen.

Eigentlich hatten sie mit ihrer „Schwestern-Partei“ ja Bayern retten wollen – das hat aber leider nicht geklappt: „Bayern ist noch nicht reif für einen Wechsel“, erklärt Moni, die während des Konzertes die Wortführerin spielt, und das mit einem Mundwerk, das in puncto Bissigkeit und Geschwindigkeit seinesgleichen sucht.

Dieser Wahlkampf hatte Konsequenzen, denn nun stehen sie ohne Männer da. Ihre Erkenntnis lautet: „Die Menschen und insbesondere die Bayern erreicht man nicht über das Hirn. Es kann also nur über das Herz funktionieren.“ Und dabei hilft besonders die „Stubenmusik“. Laut Bärbi, die eigentlich auf Homöopathie steht, sogar als Empfängnisverhütung.

Bekennend gesteht die leicht einfältig gespielte Diplompädagogin, dass der Grund für den Verlust ihres Ehemannes nicht nur im Wahlkampf zu finden ist. Schon vorher gab es eindeutige Anzeichen: Er hatte einfach aufgehört Globuli einzunehmen …

Jede der drei nutzt alle sich bietenden Gelegenheiten, den Männern eins auszuwischen, denn die „hormonelle Demenz“ schwebt drohend leider über jedem. Erstaunlich, wie freudig und genussvoll auch viele Männer im Saal den Refrain mitsangen.

Für sich hingegen stellt Bärbi anschließend fest: „Was macht schon ein bisschen Cellulitis, wenn der Rest wie Dynamit ist.“

Objektiv gesehen wird bei den Wellküren nichts, denn das passt so gar nicht ins kabarettistische Geschäft. Schon eher Monis Verbalattacken gegen das bayerische Kabinett und die politischen Gegenwartskatastrophen. Doch auch die Klugscheißer und Wichtigtuer bekommen ihren Teil ab: „Jeder Depp schreibt heutzutage seine Autobiographie oder zumindest ein Kochbuch …“

Das Hackbrett qualmt

Doch auch sich selber nehmen sie aufs Korn, etwa wenn Burgi über ihren Gasherd ins Schwärmen gerät, vom Thema Kochen kaum mehr abzubringen, sowieso der perfekte Verlierer ist und dabei, bereits mit dementiellen Vorboten kämpfend, ihren Einsatz verpasst.

Immer überraschend der musikalische Einsatz der drei, die sich nicht scheuen, nach einem perfekten, dreistimmigen Jodler ihre Version von „Highway to Hell“ zu präsentieren, und zwar mit Harfe, Gitarre und Hackbrett! Bei ihnen wird daraus „Der Teifi soll nern hulln“ – und am Ende qualmt das Hackbrett.

Wenn sie gegen Ende des Konzertes endlich auspacken und das Hinscheiden ihrer Ehegatten besingen, stellen sie unerschütterlich fest: „Ich tat es nur aus Liebe.“ Bärbi mit Arsen im Weißbier, Moni mit einem Schürhaken und Burgi half ihr über alles geschätzter Gasherd.

Denn: „Ganz ehrlich“, fragt Moni, „für was braucht man sie denn eigentlich? Sie machen Dreck, liegen vorm Fernseher und werden am Ende gar noch zum Pflegefall.“

Ernster dann ihr „Stubenmusical“ zum Schluss über das Früher, Jetzt und Morgen mit „Spiel mir das Lied vom Tod“-Zitaten: Da kommt so etwas wie Endzeitstimmung auf, wenn auch noch der Kauz ruft …

Drei Zugaben forderte das begeisterte Publikum, das von den drei Wellküren von Anfang an ins Geschehen einbezogen wurde: Sticheleien gegen den Nachbarn Feucht gehörten genauso dazu wie Insider-Informationen zu Schwarzenbrucker Kommunalthemen. Und Peter in der ersten Reihe bekam von Moni mit ihrem „Wishing-Well-Tuch“ sogar seine Brille geputzt.Erich W. Spieß

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