Interview mit La Brass Banda

„Jedes Konzert bei Euch ist brutal!“

Stefan Dettl (links), Bandgründer von „LaBrassBanda“, stellte sich den Fragen der Hersbrucker Zeitung. | Foto: PR2017/04/7983038.jpeg

HARTMANNSHOF – Keine Geringeren als die Band „LaBrassBanda“ konnten die Verantwortlichen für einen Auftritt bei der Kirwa Hartmannshof am 14. Juni gewinnen. Die HZ sprach mit dem Bandgründer Stefan Dettl (Gesang, Trompete) über Dialekte und stinkende Lederschuhe.

Welchen Beruf wolltest du ursprünglich erlernen?

Mit 16 hat mir Chemie total gut gefallen und mit 18 war ich dann vom Beruf meines Vaters begeistert, der im Bauhof gearbeitet hat und in einem orangen Auto rumgefahren ist, in der Natur draußen war. Agrarchemiker wäre mein Traum gewesen, glaube ich.

Wann kam der Umschwung, weg von Chemie und Natur und hin zur Musik?

Je mehr ich Musik gespielt habe in der Musikschule oder in Ensembles, desto klarer war es, dass Musik mein Leben sein wird und dass ich das jeden Tag brauche.

Was heißt „jeden Tag brauche“? Wenn du keine Bandprobe oder keinen Auftritt hast, singst oder spielst du dann zu Hause?

Das ist schon fast klischeehaft bei mir, aber ob ich einen stressigen oder einen schönen Tag hatte: Ich brauche jeden Tag ein bis zwei Stunden Musik.

Wie viele Instrumente spielst du?

Schlagzeug zum Abreagieren, Ziehharmonika spiel ich total gern zum Melodien machen und Klavier ist schee zum Auschecken von Harmonien.

Zehn Jahre gibt es „La Brass Banda“ dein Fazit?

Demütig sammer scho. Das ist kein normaler Job, sondern da steckt die ganze Persönlichkeit drinnen. Und wenn die Leute das honorieren und mit dir mitleben und dir auch mal ehrlich sagen, „des Liadl hat mir ned so guat gfoin, aber des is supa“, das ist schon was Besonderes.

„Das Lied ist nicht so gut“ wer darf das sagen?

Wenn ich meiner Freundin das neue Album vorspiele und sie nur rummosert, dann bin ich schon beleidigt. Sie ist wirklich meine härteste Kritikerin, aber das darf sie auch und oft hilft mir das richtig weiter. Auch in der Band diskutieren wir offen.

Ihr tretet immer alle barfuß auf. Wer von euch hat diesen Fuß-Fetisch?

Das war eine einstimmige Entscheidung. Im Tourbus sind immer die Lederschuhe umeinander gflackt und die haben so gestunken. Da war sehr schnell klar: Das funktioniert nicht. Wir müssen barfuß spielen. Und danach werden die Füße gewaschen. Und seitdem hat es nicht mehr gestunken.

Was macht eure Band eigentlich? Ska, Funk, Rock, Dub, Punk, Techno, Reggae, Brass?

Alles. Unsere Besetzung ist ziemlich einzigartig, weil wir keine Gitarre und kein Keyboard dabei haben. Wir probieren einfach jede Stilrichtung aus – das, was vor uns noch keiner gemacht hat. Mal ein klassisches Stück, mal ein Jodler, mal der Hardcore-Metal-Punk. Wir kennen keine Grenzen.

Welche Entwicklung siehst du in der Musik, seit du so intensiv mittendrin bist?

Da tut sich viel. Als wir angefangen haben, haben wir zum Beispiel oft im Hofbräuhaus gespielt, unsere Vorbilder waren der Fredl Fesl, Hans Söllner oder die Biermösl Blosn. Heute sind viele Bands experimentierfreudig und es passiert so viel in der bayerischen Musiklandschaft.

Wie oft lagst du selbst schon nackert am See, wie in eurem Lied „Nackert“?

Oft. Wenn ich nicht auf der Bühne bin, bin ich sehr menschenscheu. Und in der Nacht kann das schon sein, dass ich mal nackert an den See gehe.

Kann man jemandem trauen, der keinen Dialekt spricht?

Ja. Nur künstlich ist furchtbar. Wenn zum Beispiel einer in München aufwächst und dann mit Gewalt versucht, boarisch zu reden (das Bayerisch in München ist anders als Oberbayerisch, Anmerkung der Redaktion), des rentiert sich dann auch ned. Da ist doch viel sympathischer, wenn er red‘, wie er red‘.

Ihr tretet in der ganzen Welt auf, hattet ein gigantisches Jubiläumskonzert vor einigen Tagen in München mit knapp 10 000 Besuchern und bleibt den Bierzelten dennoch treu. Warum?

Da kimma her aus den Bierzelten. Die Bayerntour ist sonst München, Augsburg, Regensburg, Nürnberg, fertig. Und in den kleinen Orten zu spielen, ist die perfekte Ergänzung zu den Großstädten. Da hilft jeder zusammen, es sind richtig herzliche Menschen, man sitzt danach zusammen – ohne Bierzelt geht es bei uns gar nicht.

Lass uns über euren Auftritt am 14. Juni in Hartmannshof sprechen. Was führt euch dahin?

Die Hartmannshofer haben uns so eine kreative Bewerbung geschickt, da wollten wir unbedingt hin. Ich glaub, das wird lustig.

Das heißt, ihr wählt nicht nur rational aus nach dem Motto „da können wir Geld verdienen und da auch“, sondern ihr achtet auch auf das Menschliche?

Es spielt schon zusammen, die kleineren Veranstalter müssen wirklich viel machen, aber mit Vereinen ist es oft schöner als mit großen Profi-Veranstaltern, weil bei den Vereinen oft mehr Herzblut dahintersteckt. Wir fahren kaum noch über die Autobahn, sondern fast nur noch Landstraße und da kommst du da vorbei, da kennst du einen, und da kennst du einen …

Echt? Ich habe von so vielen anderen Musikern gehört, wie nervig es ist, stundenlang „in diesem blöden Bus“ zu sitzen. Und ihr mögt das?

Die haben den falschen Bus. Wir haben ein altes Feuerwehrauto, das fährt 80 Kilometer pro Stunde. Da ist sonnenklar, dass wir keine Autobahn fahren. Da hast du viel Platz, wir sind nicht angeschnallt, weil das Auto schon so alt ist (Für Fahrer und Mitfahrern von Oldtimern, die älter als 30 Jahre sind, gilt keine Anschnallpflicht, Anm. d. Red.) das ist wie ein Klassenausflug; wir zelebrieren das richtig. Da freuen wir uns alle immer drauf, wenn es endlich wieder auf Tour geht.

Was möchtest du den Hartmannshofern vorab unbedingt noch sagen, bevor ihr im Juni dort spielt?

Ich war schon öfters in der Gegend und jedes Konzert bei euch ist brutal. Wir wollen den Hartmannshofern ein richtig fettes Konzert geben!

N-Land Stefanie Camin
Stefanie Camin
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