Open–Air–Kino von Arteschock verzeichnet über 1000 Zuschauer

Humor und Historie im Sommerkino

Simon Winkler (v.l.) und Thomas Rühl sind mit ihren 25 km/h schnellen Maschinen zum Sommerkino gefahren. Jeder der am Freitag mit dem Mofa kam, durfte kostenlos Popcorn naschen. Anlass war der Film des Abends „25 km/h“. | Foto: Andrea Beck2019/08/Arteschock-Sommerkino-2019-Kunigundenberg-Mofa-25-kmh-1.jpg

LAUF — Eine Hercules Prima Vier aus dem Jahr 1989 und eine Hercules Prima Sechs aus dem Jahr 1979, das sind die blauen Mofas von Thomas Rühl aus Dehnberg und Simon Winkler aus Lauf. Die beiden 15-Jährigen sind mit ihren Mofas am Freitagabend mit „25 km/h“ auf den Laufer Kunigundenberg gefahren, aber nicht, um dort ein Wettrennen zu veranstalten. Sie kommen auf Einladung des Kulturvereins „Arteschock“, der seine Sommerkino-Reihe veranstaltet und an diesem Abend den gleichnamigen Roadmovie zeigt.

Sieben vom Verein ausgesuchte und geliehene Filme „abseits des Mainstreams“ wie „Bohemian Rapsody“, „Captain Fantastic“ und „Ballon“, präsentiert an den Standorten Laufer Industriemuseum, Dehnberger Hoftheater und Reigenplatz, waren in diesem Jahr meist in kurzer Zeit ausgebucht. Die Kinoreihe hat sich seit ihrer Gründung vor rund zehn Jahren einen Namen gemacht. Einst noch von der Stadt organisiert, hat Arteschock die Reihe seit drei Jahren übernommen.

Mitorganisator Rainer Turba hat eine derart große Nachfrage nicht erwartet. „Wir haben uns vorher gedacht, dass Bohemian Rapsody gut laufen wird, aber es kamen tatsächlich bei jedem Film rund 200 Zuschauer“, sagt Turba.

Sommerkino soll noch größer werden

Im kommenden Jahr soll der Reigenplatz alleiniger Standort werden. „Wir planen, noch eine Schippe drauf zu legen, aber wählen den Reigenplatz als festen Standort, um das schwere Material nicht mehr zwischen so vielen Orten transportieren zu müssen“, so Turba.

Ein Zuschuss der Stadt, die Unterstützung von Sponsoren und die eigene Tasche des Kulturvereins machen die Finanzierung der Veranstaltung möglich. Rund 10 000 Euro kostet das Material, die Filmverleihe wollen meist 40 Prozent des Gewinns pro Abend.

Der Verein zeigt in seiner Reihe nicht nur Filme, sondern hat auch eine Vorband und Aktionen im Programm. Deswegen haben Thomas und Simon am Freitag ihre Mofas dabei. Anlässlich des Films „25 km/h“ mit den Darstellern Bjarne Mädel und Lars Eidinger erhält jeder Zuschauer, der mit seinem kleinen Moped anfährt, zwei kostenlose Getränke und eine Tüte Popcorn am Pavillon des Vereins, der die Zuschauer auch mit Longdrinks und Wein versorgt.

„25 km/h“ sorgt für gute Laune

Mit ihrem Popcorn setzen sich die beiden Jungs auf die Zuschauertribüne am Reigenplatz. Die aufgestellten Stühle waren schon gegen 19 Uhr mit Handtüchern und Taschen belegt. Zuschauer die kurz vor Filmbeginn um 21.30 Uhr kommen, haben teils ihre eigenen Stühle dabei.

Die Reservierungen und vollen Plätze sorgen nicht für schlechte Stimmung. Stattdessen ist das Lachen der Menge über die humorvollen Momente im Roadmovie „25 km/h“ wahrscheinlich bis zum Laufer Krankenhaus zu hören. Zwei Brüder sehen sich nach langer Trennung erst zur Beerdigung des Vaters wieder und erfüllen sich spontan einen Jugendtraum. Mit ihren alten Mofas fahren die beiden vom Schwarzwald an die Ostsee und machen auf ihrem Weg die seltsamsten Begegnungen.

Ein empfehlenswerter Film, findet die Lauferin Monique Maar. „Der Verein hat eine gute Auswahl getroffen.“ Laut der 49-Jährigen bietet die vergleichsweise kleine Stadt Lauf erfreulich viele kulturelle Veranstaltungen. „Nächstes Jahr sehe ich mir auf jeden Fall wieder Filme der Open-Air-Reihe an“, sagt Maar.

„Wackersdorf“ weckt Erinnerungen

Auf dem siebentägigen Programm stehen nicht nur Komödien, sondern auch Politdramen nach realen Begebenheiten. Der Film „Wackersdorf“ schildert den erfolgreichen Widerstand der Bevölkerung gegen eine atomare Wiederaufbereitungsanlage in der oberpfälzischen Gemeinde Wackersdorf Mitte der 80er Jahre.

Der Film beschreibt Gegenwartsgeschichte sehr eindringlich auch für jüngere Menschen, aber am Montagabend sitzt vor allem eine andere Zielgruppe auf dem Reigenplatz: Es sind Zuschauer aus Lauf und Umgebung, die 1986 bis 1989 an den Demonstrationen in Wackersdorf teilgenommen haben.

„Die Gewalt der Einsatzkräfte war schockierend. Manche sind traumatisiert von den Demos heim gekommen“, erzählt Heike Hoffmann aus Großengsee und ihr Mann Karl Seel nickt. „Sie sind wenige Meter über die Menschenmasse mit dem Flugzeug geflogen und haben Tränengas versprüht und wir haben uns auf den Boden geworfen“, so Seel.

Während der real aufgezeichneten Protestszenen im Film wischt sich so mancher Zuschauer Tränen vom Gesicht. Gutes Kino schafft nicht nur Erinnerungen, sondern auch starke Emotionen.

N-Land Andrea Beck
Andrea Beck