Kinderbuch über Karl IV. in Nürnberg

Herrscher mit viel Licht und tiefen Schatten

Bei der Buchvorstellung in der Laufer Stadtbibliothek sorgte Ina Schönwald für ein volles Haus. Auch Kinder waren unter den interessierten Zuhörern und wurden von der Leiterin des Laufer Stadtarchivs mit historischen Fragen gelöchert. | Foto: Kirchmayer2016/09/pz-125286_InaSchoenwaldKarlinNuernbergBuchvorstellung.jpg

LAUF — „Kaiser Karl IV. in Nürnberg“, das neue Kinderbuch von Ina Schönwald, Leiterin des Laufer Stadtarchivs, beleuchtet den Aufenthalt des Herrschers in der Noris. Die Fortsetzung des Buches über Karls Wirken in Lauf spart auch die Judenverfolgung nicht aus.

Ein Kinderbuch über einen mittelalterlichen Herrscher zu schreiben, ist eine gewagte Aufgabe. Vor allem dann, wenn dieser Herrscher für den Tod von hunderten von Juden mitverantwortlich ist und man den jungen Lesern diesen Fakt nicht vorenthalten will. Ina Schönwald hat es trotzdem getan. „Kaiser Karl IV. in Nürnberg“, ihr bereits zweites Buch über den Regenten, stellte sie am Mittwoch in der Laufer Stadtbibliothek vor.

Schönwald bedankte sich überschwänglich bei allen Freunden und Helfern, die sie bei der Arbeit auch moralisch unterstützt hatten. Und die Leiterin des Laufer Stadtarchivs verschwieg nicht, dass sie zwischenzeitlich ans Aufgeben dachte. „Ich schaffe das nicht“, sei ihr Gefühl gewesen. Grund für die Verzweiflung: Der Anspruch der promovierten Kunsthistorikerin, auch schwierige (kunst)historische Themen, etwa den Baustil der Gotik oder die Rolle der Kurfürsten, kindgerecht zu erklären.

Erzählung und Begleittexte

Freundinnen und auch ihre eigenen Kinder ließ Schönwald ihre ersten Entwürfe Probe lesen. Alle sagten höflich, wie interessant es sei. Aber als ihr 15-jähriger Sohn Paul beim Vorlesen einschlief, war Schönwald klar: So geht es nicht weiter.

Schönwald entschied bei einem Treffen mit Sebastian Linstädt, einem befreundeten Redakteur der Nürnberger Zeitung, das Buch zu teilen: In einen erzählenden Teil in Form von kurzweiligen Geschichten, die so oder so ähnlich passiert sein könnten. Und einem beschreibenden Text, der als „Karls kleine Kladde“ auf gesonderten Seiten steht. „Kinder können mit ihrer Aufmerksamkeit nicht dabei bleiben“, sah sie ein. „Kleine Kinder können nur die Erzählung lesen, alle anderen können mehr erfahren.“

Eine weitere Herausforderung für ein Kinderbuch brockte sich die Autorin durch das Thema selbst ein: Eng mit Nürnberg verknüpft ist auch das dunkelste Kapitel von Karls Herrschaft. Die Patrizier der Stadt wollten unbedingt einen großen, freien Marktplatz im Zentrum. Am auserkorenenen Ort befand sich aber das Judenviertel.

Als Kaiser war Karl dazu verpflichtet, die religiöse Minderheit zu schützen. Doch die Gunst der aufstrebenden Stadt wog schwerer. Karl erlaubte, das Viertel dem Erdboden gleich zu machen. An dieser Stelle entstanden die Frauenkirche und der Hauptmarkt. Hunderte von Juden ließen dabei ihr Leben, alle anderen wurden vertrieben. Schwere Kost für Kinder. Aber die Autorin sah keine Alternative. „Man kann über Karl in Nürnberg nicht schreiben, ohne auch die Schattenseiten zu erwähnen“, sagt Schönwald. „Dieses Kapitel habe ich als erstes geschrieben, weil ich wusste, dass es das schwerste ist.“

Für Illustrator Klaus Martin Grebe bedeutete der Umgang mit der Judenverfolgung eine neue Herangehensweise: „Die Comic-Form verbietet sich“, sagt der Künstler, der bereits für das Ende 2014 erschienene „Was machte Kaiser Karl IV. in Lauf?“ mit Schönwald und der Grafikerin Anne Rückert zusammengearbeitet hatte. Die Bilder mussten düsterer sein als im Vorgänger. „Das war eine Herausforderung“, so Grebe.

Der Preis der Auseinandersetzung mit dem Thema: Das Buch richtet sich nur an Leser, die mindestens acht Jahre alt sind. Aber nicht nur Kinder soll es ansprechen. Schönwald habe festgestellt, dass viele Menschen historische Zusammenhänge einfach erklärt haben möchten und keine dicken Wälzer lesen möchten. „Das Buch ist auch für Erwachsene gedacht, die einen Überblick gewinnen wollen.“

Als Einführung in Architektur, Gesellschaft und Herrschaftsstrukturen des mittelalterlichen Nürnberg eignet sich „Kaiser Karl IV. in Nürnberg“ tatsächlich auch für Leser, die die Schulzeit schon hinter sich haben. An der kindgerechten Ausdrucksweise sollte man sich dann aber nicht stören.

„Kaiser Karl IV. in Nürnberg. Geschichten von Gut und Böse“ von Ina Schönwald, ISBN 978-3-942251-31-0, ist ab sofort im Service-Center der Pegnitz-Zeitung und im Buchhandel erhältlich.

Das Buch richtet sich an Leser ab acht Jahren.
Das Buch richtet sich an Leser ab acht Jahren.2016/09/pz-125266_KaiserKarlIV.BuchInaSchoenwald.jpg
Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren