Folge der Digitalisierung

Raiffeisenbank schließt vier Filialen

Die Raiffeisenbank-Filiale in Kirchensittenbach wird auf SB-Geräte reduziert. | Foto: M. Gundel2021/09/DSC-2348.jpg

HERSBRUCK – Dass Vorra seinen Raiffeisenbank-Standort verlieren wird, ist bereits seit ein paar Wochen bekannt. Das gleiche Schicksal wird noch weitere drei Gemeinden ereilen. „Das hat aber nichts mit unserer Fusion zu tun“, betont Swen Heckel, Chef der Hersbrucker Raiffeisenbank. Die Zeitpunkte fielen nur jetzt zufälligerweise zusammen, der Prozess gehe schon länger.

Jährlich analysiere die Genossenschaftsbank, wie sich Kundenerwartung und Nutzung von Filialgeschäft, Telefonberatung sowie digitalen Möglichkeiten verändern und entwickeln. „Vor allem beim Bargeldgeschäft sowie bei Auszügen und Überweisungen verzeichnen wir einen dramatischen Rückgang“, erklärt Heckel. Im Bargeldbereich handle es sich in erster Linie um Geschäftseinzahlungen. Ansonsten verlagere sich immer mehr auf Online.

Hier habe Corona natürlich für eine Intensivierung gesorgt, macht Heckel klar. Viele hätten das bargeldlose Zahlen ausprobiert und würden nun dabei bleiben. Auch um sich zu informieren hätten viele die digitalen Medien genutzt. „Obwohl nun wieder mehr Begegnung möglich ist, bleibt davon was zurück“, ist Heckel überzeugt. Daher sei die Bank gezwungen, Geld in die Digitalisierung zu stecken. „Die Kosten müssen wir daher anders austarieren.“

Nicht mal zum Automat

Denn Mieten, Unterhalt der Schalter und SB-Geräte – „ein solches entspricht im Wert einem Mittelklasse-Wagen“, verrät Heckel – würden einen „gewissen Schwung an Investitionen“ bedeuten. Zumal das SB-Netz Heckels Ansicht nach sehr breit aufgestellt ist – mit sogar jeweils mehreren Geräten in Hersbruck und Hohenstadt. Allerdings würden selbst die Automaten in einigen Ortschaften nicht mehr entsprechend frequentiert. „In Vorra, Pommelsbrunn, Hartmannshof und Kirchensittenbach spüren wir einen deutlichen Rückgang bei den Dienstleistungen.“

Ab in die Stadt

Daher werden diese vier Standorte bis zum Jahresende wegfallen. In Kirchensittenbach jedoch nicht ganz: „Auszugsdrucker und Geldautomat werden vorerst in einer Art Übergangsphase bleiben.“ Die Mitarbeiter sind dann aber künftig in Hersbruck angesiedelt. „Wir wollen die Kunden aus Kirchensittenbach von hier aus bedienen“, sagt Heckel, wobei Reichenschwand ebenfalls eine beliebte Anlaufstelle für die Bewohner aus dem Tal sei.

Woher Heckel das weiß? Daten zeigen an, wer aus welchem Ort sich an welchem Gerät Geld oder Auszüge holt. „Deswegen wissen wir, dass es in Hohenstadt eine starke Kundenbewegung gibt“ – auch von Menschen aus Vorra, Pommelsbrunn und Hartmannshof. „Sie nutzen Filiale und Geräte viel.“ Daher wird Hohenstadt laut Heckel zu einer Art Zentrum ausgebaut: Bis zum Jahresende entstehen dort drei neue Beratungsräume und ein Sozialraum.

Bargeld bleibt

Die Dienstleistungen würden durch einen neuen zusätzlichen Automaten, an dem man sein Sparschwein leeren kann oder sich Gewerbetreibende rund um die Uhr Münzrollen holen können, erweitert, blickt Heckel voraus: „Wir denken, dass Bargeld in Deutschland noch eine längere Lebensdauer hat und nicht in den nächsten zwei, drei Jahren verschwinden wird.“ Neben den Räumlichkeiten verdoppeln sich auch die Mitarbeiter, und zwar von drei auf sechs. Denn die Berater aus Vorra, Hartmannshof und Pommelsbrunn ziehen sozusagen nach Hohenstadt um, beschreibt es Heckel.

Auf diese Weise blieben die Ansprechpartner gleich, sagt er. „Wir bitten unsere Kunden sozusagen, mit den Mitarbeitern mitumzuziehen.“ Heckel versteht, wenn sich Leute fragen, was das für die Älteren bedeutet: „Diese Bedenken haben wir auf den Vertreterversammlungen diskutiert.“ Letztlich hätten aber alle die Notwendigkeit dieses Schrittes erkannt. Welche dieser Art noch folgen werden oder müssen, das kann Heckel nicht einschätzen: „Am 
Ende bestimmt der Kunde das selbst.“

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