Infostand am Samstagvormittag

Einsatz für Veldener „Bürgerladen“

Bürgermeister Herbert Seitz und Michael Taubmann sind von dem Konzept eines „Bürgerladens“ überzeugt. | Foto: P. Meyer2019/02/IMG_2506.jpeg

VELDEN – Weil der Lebensmittelladen im Veldener Ortskern bekanntlich Ende April seine Pforten schließt, haben sich – unterstützt durch die Stadt Velden – über 30 Bürger zusammengefunden, um die Grundversorgung in Velden auch in Zukunft zu erhalten. Die Gründerversammlung für einen Bürgerladen mit dem Namen „Mittendrin“ lief erfolgreich, doch die notwendige Zeichnungssumme ist noch nicht erreicht. Die HZ sprach mit Veldens Bürgermeister Herbert Seitz und Michael Taubmann, einem der Gesellschafter des Bürgerladens, über den aktuellen Stand und weitere geplante Aktionen.

Warum ist der Erhalt der Grundversorgung in Velden eigentlich so wichtig?
Michael Taubmann: Velden hat aktuell noch eine vergleichsweise gute Infrastruktur und die gilt es zu erhalten. Denn jeder Laden, der schließt, bedeutet Umsatzeinbußen für die Läden drum herum.
Herbert Seitz: Genau. Wir wollen verhindern, dass Velden zur „Schlafstadt“ wird. So etwas ist ein schleichender Prozess und irgendwann entwickelt sich eine Dynamik, die dann nicht mehr zu stoppen ist. Jetzt haben wir die Möglichkeit, aktiv dagegen zu wirken. Wir als Stadt können einen solchen Laden nicht betreiben, aber wir können einen Anstoß geben und Leute motivieren, sich zu engagieren. Abgesehen davon geht es auch darum, das soziale Leben im Ort zu stärken, Arbeitsplätze zu erhalten und den nicht mobilen Menschen eine Grundversorgung zu ermöglichen, sprich die Attraktivität des Ortes zu bewahren.

Warum glauben Sie, dass das Konzept „Bürgerladen“ in Velden Erfolg haben könnte?
Taubmann: Zum einen wird die Angebotspalette etwas verändert. Aus der Umfrage Mitte Dezember ist hervorgegangen, dass ein Großteil der Bevölkerung Wert auf regionale, verpackungsarme und biologisch angebaute Produkte legt. Das soll bei der Neueröffnung berücksichtigt werden. Zum anderen bin ich absolut begeistert, wie sich in kürzester Zeit an die 30 unterschiedliche Menschen von 25 bis 75 Jahren in den Arbeitskreisen zusammengefunden haben, um den Laden zu eröffnen. Und natürlich hoffen wir, dass sich die Veldener Bürger auch durch ihre finanzielle Beteiligung dem Laden zugehörig fühlen.

Wie hoch ist die Beteiligung für einen Bürger und was hat es mit der Unternehmensform der UG-Still (Unternehmergesellschaft haftungsbeschränkt und still) auf sich?
Seitz: Ein Anteil kostet 300 Euro. Man kann diesen Betrag aber beliebig aufstocken, übrigens auch noch in vielen Jahren, so lange wie die Gesellschaft besteht. Jeder hat aber – nach dem Genossenschaftsprinzip – nur eine Stimme, egal ob er 300 oder 30 000 Euro gezeichnet hat. Und die UG-Still hat die Vorteile, dass man sie sehr schnell gründen kann, sie wenig Verwaltungsaufwand bedeutet und sie haftungsbeschränkt ist. Das heißt, wenn der Laden – was wir nicht hoffen – insolvent geht, ist im schlimmsten Fall nur die Einlage weg. Weitere Forderungen dürfen an die stillen Gesellschafter nicht gestellt werden.

Wie viele Menschen haben denn schon gezeichnet?
Taubmann: Momentan sind 109 Anteile gezeichnet, das sind zirka 60 Prozent von unserer Zielvorgabe. Wir sind zuversichtlich, dass wir die 100 Prozent erreichen. Zudem sind wir dran, Leader-Fördermittel der EU zu beantragen. Allerdings haben solche Projekte normalerweise längere Vorlaufzeiten. Weil wir zum 31. Mai 2019 gerne eröffnen würden, wird das zwar sportlich, aber hoffentlich nicht unmöglich.

Können die Bürger den Laden noch anderweitig unterstützen?
Taubmann: Wir freuen uns über jede Zeichnung und über jeden, der uns in den Arbeitskreisen Marketing, Sortiment oder Ladenausbau hilft. Wichtig wird aber vor allem sein, dass die Leute nach der Eröffnung in den Laden gehen und dort einkaufen.

Wie wollen sie die Veldener von dem Projekt überzeugen?
Seitz: Wir haben bemerkt, dass das persönliche Gespräch am allerwichtigsten ist. Deshalb wollen wir am Samstagvormittag am Marktplatz einen Infostand machen, wo alle offenen Fragen beantwortet werden können. Und am Faschingssonntag sind wir am Nachmittag in der Musikhalle vor Ort.

N-Land Petra Meyer
Petra Meyer