Angst vor der Energiewende

Wenn sich auch rund um Hersbruck Windräder drehen, reicht das aus?2011/09/5_2_1_2_20110924_ENERGIE.jpg

HERSBRUCK (gz) – Der Ausstieg aus der Atomkraft ist nicht mehr aufzuhalten. Aber die Hersbrucker Unternehmer bleiben skeptisch, wie teuer er wird und ob er reibungslos gelingt. Das war der Tenor eines Abends des IHK-Gremiums Hersbruck bei der Création Gross.

Am Ende wiederholte Moderator und IHK-Vorsitzender Norbert Fackelmann seine Eingangsfrage und bekam trotz zahlreicher Experten am Podium und im Publikum keine klare Antwort: „Was ist die richtige Energie?“

Denn der eine Teil des Publikums, unterstützt von Gastgeber Peter Gross und den Experten der IHK Mittelfranken und der N-Ergie, sah den schnellen Ausstieg und die Subvention der erneuerbaren Energien skeptisch. Der andere, munitioniert von Hewa-Vertreter Heinz Kaller, Altbürgermeister Wolfgang Plattmeier oder Architekt Klaus Thiemann, stellte die Unbeherrschbarkeit der Atomtechnologie heraus und setzte Hoffnung auf schnelle Entwicklungen bei den neuen Energieformen. Fackelmann war es trotzdem zufrieden, ein heißes Thema von verschiedenen Seiten beleuchtet und zu Debatten angeregt zu haben.

Zunächst sah es fast nach einer Pro-Atomkraft-Veranstaltung aus. Ronald Künneth, Energieexperte bei der IHK in Nürnberg, stellte die drohenden Preisverteuerungen durch die Energiewende dar. Außerdem bezweifelte er, dass der nötige Bau neuer Kraftwerke und Leitungstrassen in so kurzer Zeit gelingen werde.

Das Stichwort Fukushima (heurige Atomkatastrophe in Japan), von Fackelmann eingangs in die Debatte geworfen, kam bei Künneth nur ganz am Rande vor. Vorteil der Energiewende, meinte er, sei „der gesellschaftliche Konsens, aus der Atomkraft aussteigen zu wollen.“ Die Nachfrage von Peter Gross, ob die Berliner Politik da nicht sehr unvorbereitet agiert habe, „um das Wählervolk zufrieden zu stellen“, kam dem IHK-Mann durchaus gelegen: „Von der Richtung her sind diese Entscheidungen rational, von der Ausgestaltung her nicht.“

Auch N-Ergie-Vertriebsleiter Stefan Lunz stellte die Nachteile der Wende heraus: höhere Kosten, teure Investitionen, schwankendes Stromangebot, veraltete Netze. Gleichwohl will sein Nürnberger Unternehmen künftig ein Viertel des Stromes aus den neuen Quellen anbieten und Berater beim Energiesparen sein.

Einzig sein Kollege Heinz Kaller von der Hewa hob den Vorteil der Energiewende für die kleineren Anbieter hervor: Es gibt wieder erheblich mehr Stadtwerke in Deutschland. Die Hewa setzt auf eine höhere Netzsicherheit, die bei Angebotsschwankungen sofort zu- und abschalten kann. Mit eigenen Windrädern bei Leutzenberg oder Großviehberg sowie mit Photovoltaikanlagen im Neubaugebiet von Altensittenbach und am Lindelberg setzt die Hewa unter ihrem neuen Chef Harald Kiesl stark auf Eigenständigkeit dank der erneuerbaren Energien vor Ort.

Den Einwand von Verbraucherschutzvereins-Sprecher Norbert Deul aus Pommelsbrunn, Wind- und Sonnenkraft rechneten sich dauerhaft nur durch hohe Subventionen, entkräftete Altbürgermeister und Volkswirt Wolfgang Plattmeier damit, dass sich langfristig diese sauberen und unentgeltlichen Energieträger durchsetzen werden: „Da muss man in die Zukunft denken.“ Architekt Klaus Thiemann verwies darauf, dass man bei der hochsubventionierten Atomkraft nie die wirklichen Kosten (samt Unfällen und Entsorgung) gerechnet habe. Er begrüßte die Hersbrucker Marschrichtung hin zu den Erneuerbaren.

Fackelmann und Gross hingegen blieben skeptisch, ob eine Verteuerung der Strompreise nicht den Produktionsstandort Deutschland gefährde. Den Zuhörer, der auf „deutsche Ingenieurskunst“ vertraute, um die aktuellen Probleme dieser Wende zu meistern, überzeugten sie nicht.

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren