Firmensitz bleibt aber in der Kreisstadt

Altdorf statt Lauf: ABL will Produktion auslagern

Die ABL-Firmenzentrale bleibt am Albert-Büttner-Ring in Lauf (Bild), die Produktion wird nach Altdorf ausgelagert. Der Umzug des kompletten eMobility-Unternehmens auf ein Areal entlang der A9 hat sich damit erledigt, der dortige Bannwald wird also vorerst stehen bleiben. | Foto: Buchner-Freiberger2021/10/ABL-Lauf-Unternehmen2-scaled.jpg

Lauf/Altdorf – Noch im Sommer stellte ABL den Umzug des kompletten Unternehmens auf ein Waldstück entlang der A9 beim Letten als beinahe alternativlos dar. Nun hat sich die Laufer Firma für eine Alternative entschieden: Die Produktion wird nach Altdorf ausgelagert. Im Gewerbegebiet „Im Erlet“ an der A6 entsteht auf rund sechs Hektar Fläche ein zweiter Firmenstandort. Die Zentrale bleibt weiter in Lauf.


Das Unternehmen informierte am Montag seine Belegschaft über die Pläne und veröffentlichte am Dienstagvormittag eine Pressemitteilung. „Damit ABL das weitere Wachstum bewältigen kann, ist eine zeitnahe und signifikante Kapazitätssteigerung in allen Geschäftsbereichen notwendig“, heißt es in dem Schreiben. Der bestehende ABL-Standort in Lauf soll Verwaltung, Entwicklung sowie ein neues Kunden-Center beheimaten. In Altdorf sollen Produktion, Montage, Logistik und Schnittstellenfunktionen verortet sein.


Wir sind ein Laufer Unternehmen und unser ausdrücklicher Wunsch war immer, dass wir das auch zukünftig bleiben können. Dass wir unseren Ergänzungsstandort in Altdorf und damit in unmittelbarer Nähe entwickeln können, freut uns sehr“, wird Geschäftsführer Stefan Schlutius in der Pressemitteilung zitiert. Für Rückfragen war er gestern telefonisch nicht erreichbar.


Kompletter Umzug kein Thema


Schriftlich teilte das Unternehmen mit, man wolle an beiden Standorten wachsen. Die Mitarbeiterzahl werde sich in den kommenden Jahren voraussichtlich verdoppeln. In den Bereichen, die nach Altdorf ausgelagert werden, sind laut Unternehmen aktuell rund 250 Mitarbeiter beschäftigt. ABL schloss gestern aus, langfristig komplett nach Altdorf umzuziehen.


Die geplante Rodung von etwa acht Hektar Bannwald entlang der A9 ist damit vorerst vom Tisch. „Eine Rodung kommt nur infrage, wenn damit eine konkrete Planung verbunden ist“, betonte Laufs Bürgermeister Thomas Lang gestern im Gespräch mit der Pegnitz-Zeitung. Er bekräftigte aber, dass die Fläche weiterhin eingemeindet werden soll. Die Entscheidung darüber liegt bei der Regierung von Mittelfranken, dieser Prozess geht unabhängig von den Plänen von ABL weiter.


Klar ist für den Bürgermeister, dass die Waldfläche nach wie vor für Gewerbe infrage kommt. „Die Eingliederung ist im Sinne einer strategischen Ausrichtung für die Stadt Lauf weiter zentrales Thema.“ Bei allen Abwägungen sei sie als bestmögliche Entwicklungsfläche ausgewählt worden. Sollte also wieder eine Laufer Firma expandieren wollen, wäre das Areal erneut im Fokus.

Laufer Bürgermeister betont das Positive


Die Auslagerung der Produktion von ABL nach Altdorf versucht Lang, positiv darzustellen. „Für mich ist die Botschaft Nummer eins, dass ABL ein Laufer Unternehmen bleibt.“


Der Bürgermeister spricht von einem Bekenntnis zur Stadt Lauf, „ein Großteil der Arbeitsplätze in Lauf wird erhalten bleiben“. Man habe „mehr als nur einen Teilerfolg erreicht“. Von den neuen Plänen des Unternehmens hat der Bürgermeister vor ein paar Tagen erfahren.


Lang sagt, Stadt und ABL hätten sich darauf verständigt, eine gemeinsame Pressemitteilung zu verfassen, wenn die Belegschaft informiert worden sei. Das war am Montag der Fall.


Lang äußert Verständnis


Er findet es nachvollziehbar, dass ABL nicht alles auf eine Karte gesetzt hat und sich nach Alternativen umgeschaut hat. Schließlich sei die Fläche an der A9 nach wie vor nicht ins Stadtgebiet eingegliedert. „ABL hat aufgrund der rasanten Entwicklungen der Branche Handlungsbedarf.“ Dafür sei die Bürokratie auf Bezirksebene zu langsam gewesen. Ob auch die Proteste gegen die Rodung des Bannwaldes eine Rolle gespielt haben, blieb gestern offen.


Nachdem der Standort von ABL am Albert-Büttner-Ring erhalten bleibt, sind auch die Pläne der Stadt, dort ein neues Wohnviertel zu entwickeln, vom Tisch.


Seit wann die Stadt Altdorf im Gespräch mit ABL ist, wollte Bürgermeister Martin Tabor gestern nicht sagen. Er bewirbt den künftigen zweiten Standort von ABL als „ideal gelegen für Laufer Arbeitnehmer“. Erreichbar ist das Areal über die Ausfahrt Altdorf/Leinburg der A6 oder die Staatsstraße 2240, die von Lauf am ursprünglich geplanten Standort am Letten über Leinburg in den südlichen Landkreis führt.


Laut ABL hat die Stadt Altdorf der Firma die Fläche angeboten. „Wir waren froh, dass wir ein Angebot machen konnten, damit ABL immerhin in der Region bleibt“, so Tabor. Die Firma plane mit enormem Wachstum in den nächsten Jahren. Die Stadt Altdorf will jetzt den Bebauungsplan auf den Weg bringen, der SPD-Politiker hofft auf einen Baubeginn in eineinhalb Jahren.

Emuge stellt Immobilie zur Miete zur Verfügung


Übergangsweise wird ABL ein ehemaliges Möbelhaus an der Pegnitzstraße in Lauf zur Verfügung stehen. Das Unternehmen hat die Immobilie mit insgesamt rund 2000 Quadratmetern auf zwei Geschossen von Emuge gemietet.


„Das Wachstum in der eMobility ist enorm und wir mussten uns schon jetzt vergrößern, um die hohe Nachfrage bedienen zu können“, so ABL dazu. Eine Nutzungsänderung für das Gebäude wurde gestern im Laufer Bauausschuss beschlossen.

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