Stiller Protest der Alten Nagelschmiede

Wann und wie geht es weiter?

Die Alte Nagelschmiede am Oberen Markt in Altdorf ist weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Chef Hans-Werner Recknagel leitet den Gasthof seit rund 40 Jahren, am gedeckten Tisch vor ihm sitzt Tochter Lena Krist und Enkelsohn Anton. | Foto: Daniel Frasch2021/03/Altdorf-Alte-Nagelschmiede-scaled.jpg

ALTDORF – Mit einem gedeckten Tisch vor dem Gasthof beteiligen sich die Betreiber der Alten Nagelschmiede am landesweiten Protest. Vor dem nächsten Bund-Länder-Gipfel fordern sie ein Ende der anhaltenden Perspektivlosigkeit und hoffen auf Lockerungen.

Gemachte Betten, eingedeckte Tische: Deutschlandweit haben gestern Hoteliers und Gastronomen ihr Inventar als stillen Protest auf öffentliche Plätze gestellt, um im Vorfeld der nächsten Bund-Länder-Gespräche am morgigen Mittwoch, 3. März, auf die verzweifelte Situation der Betriebe und die momentane Perspektivlosigkeit aufmerksam zu machen. Mit Beginn der Pandemie ist die Branche seit März 2020 insgesamt schon sechs Monate geschlossen, nach Angaben der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) haben das Nürnberger Land im vergangenen Jahr nur noch rund 91 000 Gäste besucht – halb so viele wie 2019 (wir berichteten). Die Zahl der Übernachtungen sank um 47 Prozent auf 182 000.

Angela Inselkammer, Präsidentin des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA Bayern, stellt angesichts des aktuellen Corona-Infektionsgeschehens fest: „Die Maßstäbe und Inzidenzwerte, die für Öffnungen in anderen Branchen gelten, wie beispielsweise Einzelhandel oder Baumärkte, müssen auch für das Gastgewerbe gelten. Einen fortgesetzten Teil-Lockdown, also weitgehende Schließungen als Dauerzustand, während andere öffnen dürfen, akzeptieren wir nicht. Wenn vergleichbare Branchen wie der Einzelhandel wieder öffnen dürfen, muss es auch im Gastgewerbe wieder losgehen – und zwar so, dass die Betriebe wirtschaftlich arbeiten können.“ Nach Meinung der DEHOGA-Präsidentin hätten die Betriebe während der Öffnung von Frühjahr bis Herbst 2020 bewiesen, dass ihre Hygienekonzepte funktionieren – in allen Betriebsteilen, innen und außen, während der gesamten betrieblichen Öffnungszeiten.

„Das Hotel hält uns über Wasser“

Aussagen, die auch Lena Krist von der Alten Nagelschmiede in Altdorf bestätigen kann. „Wir hatten selbst keinen einzigen Corona-Fall, weder im Hotel, noch in der Gastronomie“, sagt die Tochter von Chef Hans-Werner Recknagel. Existenzängste plagen die Altdorfer Familie bislang noch nicht. „Über das Hotel können wir uns über Wasser halten und die Ausfälle zumindest etwas abfedern“, verrät Krist. Wie viele andere Hotel- und Gastronomiebetriebe, haben sich auch die Macher der Alten Nagelschmiede gestern am stillen Protest beteiligt und einen eingedeckten Tisch vor ihr Wirtshaus in der Altdorfer Innenstadt gestellt – auch Bürgermeister Martin Tabor schaute auf ein kurzes Gespräch vorbei.

Ein Zeichen, ein Hilferuf an die Politik, in der morgigen Besprechung auch die Gastronomie zu berücksichtigen. „Wir hoffen, dass die Gastronomie endlich wieder Thema wird und man uns nicht vergisst. Wir müssen zur Sprache kommen. Es gibt Hygiene- und Sicherheitskonzepte. Vor allem brauchen wir endlich eine Perspektive. Wir wollen wissen, wie es weitergeht“, lautet Krists Forderung. Startklar wäre der Gasthof innerhalb kürzester Zeit, allein die Erlaubnis zu einer schrittweisen Öffnung fehlt. „Die Konzepte aus dem vergangenen Jahr stehen ja, die müssen wir nur aus der Schublade holen. Und einkaufen natürlich, denn aktuell sind unsere Kühlschränke leer. Ansonsten könnten wir sofort wieder anfangen“, beteuert Lena Krist.

„Zwölf Angestellte in Kurzarbeit“

Wie ernst die Lage auch für das Traditionshaus am Oberen Markt ist, wird deutlich, wenn sie über ihre Angestellten spricht. „Wir haben zwölf Angestellte, die sich mittlerweile seit sechs Monaten in Kurzarbeit befinden und acht Aushilfen, die aktuell gar kein Geld bekommen. Die November-Hilfe lief sehr schleppend und kam nur tröpfchenweise, mittlerweile ist sie aber wenigstens angekommen. Von der beschlossenen Dezember-Hilfe haben wir bislang noch nichts gesehen“, beschreibt sie die träge finanzielle Unterstützung des Bundes und ergänzt: „Es ist jetzt schon eine sehr lange Zeit geschlossen. Wir wollen endlich wieder unserer Arbeit nachgehen dürfen.


Sicherheit an oberster Stelle

Auch Angela Inselkammer spricht sich für eine rasche Öffnung des Gastgewerbes aus: „Die Sicherheit von Mitarbeitern und Gästen steht auch für uns immer an oberster Stelle, der Vorteil dieses Jahr liegt darin, dass wir auf erwiesenermaßen erfolgreiche Schutzkonzepte für das Gastgewerbe zurückgreifen können.“ Nicht nur würden im Gastgewerbe wesentlich größere Abstandsregeln gelten, auch würden hier ständige Gästeregistrierungen durchgeführt. Ganz zu schweigen von der Schaffung geschützter Hygienebereiche. „Die Erfahrung des letzten Lockdowns hat gezeigt: Stehen diese Bereiche nicht zur Verfügung, wird es zu Ausweichbewegungen der Menschen kommen, die dann nur in ungeschützten Bereichen stattfinden können.“ Erschwerte, teilweise nicht mehr mögliche Kontaktnachverfolgungen wären das Resultat.

Ob sich die Hotel- und Gastronomiebetriebe aber tatsächlich Hoffnung auf Lockerungen machen können, ist zumindest fraglich. Immerhin betonte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder noch am vergangenen Sonntag in sozialen Netzwerken: „Wir dürfen mit Deutschland keine Experimente machen, sondern brauchen eine nachhaltige Öffnungsmatrix. Es geht nur Schritt für Schritt, sonst droht ein Blindflug in die dritte Welle hinein.“ Nach Informationen von Business Insider sollen sich die Bundesregierung und die Länderchefs über eine Lockdown-Verlängerung einig sein. Dem Bericht zufolge sollen die geltenden Maßnahmen zwar bis Ende März verlängert werden, es soll aber ebenfalls bereits eine Strategie für Öffnungen geben. Darunter fallen sollen auch Restaurants mit Außenbereich und entsprechenden Hygienekonzepten.

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