Kreativer Protest

Wirte fordern Öffnung der Gastronomiebetriebe

Die Köche des „Grünen Baums“ in Kühnhofen haben am Sonntag kurz ihre Töpfe verlassen, um gemeinsam mit den Wirtsleuten Hans-Peter und Anita Eberhard und dem Servicepersonal für die Wiederöffnung der Gastronomie „auf die Straße zu gehen“. | Foto: U. Scharrer2021/02/ute-neu.jpg

KÜHNHOFEN – „Gastronomie öffnen: Jetzt! Hier! Heute!“, „Märchenstunde beenden: Versprochene Hilfen auszahlen!“, „Gleiche Chancen für Friseure und Gastronomie!“: Dass die Nerven in der Gastronomie blank liegen, ist bekannt. Das Landhotel „Grüner Baum“ bot am Sonntag den Kunden, die vorbestelltes Essen abholten und den Spaziergängern und Autofahrern, die durch Kühnhofen kommen, einen Blickfang. Mit hübsch eingedeckten Tischen und großen Bannern machen sie auf die verzweifelte Lage der Gastwirte kreativ aufmerksam.

„Kunden haben uns angesprochen, dass wir aufstehen und sichtbar werden sollen“, erklärt Wirtin Anita Eberhard. „Wir wollen zeigen, dass eben nicht alles in Ordnung ist, dass es uns nicht gut geht und dass wir unsere Gäste und unsere Arbeit vermissen!“ Es gehe dabei nicht nur ums Geld, auch wenn die Novemberhilfen auch in Kühnhofen noch auf sich warten lassen. „Das Geld verringert nur das Minus auf dem Konto“, betont das Gastwirtsehepaar. „Existenzen hängen am seidenen Faden!“

Größter Arbeitgeber

Für die Wirte führt der fehlende Kontakt zu den Gästen, die fehlende tägliche Arbeit und die Anerkennung, die damit einhergeht zu existenziellen Ängsten und in die Schwermut. Die fehlenden Perspektiven machten mutlos. Die Petition „Gastgewerbe: Die Türen müssen offen bleiben!“, die vom Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband im Herbst angestoßen worden ist und sich an den Bayerischen Landtag gerichtet hätte, wurde von über 28 000 Unterstützern unterzeichnet.


Seitdem hat sich nicht viel bewegt, obwohl, wie auf den Plakaten im Hof des Gasthauses zu lesen ist, die Gastronomie der größte Arbeitgeber in Bayern ist und in 40 000 Betrieben 447 000 Erwerbstätige und 10 000 Auszubildende beschäftigt.

„Unsere Mitarbeiter sollen wieder vollen Lohn erhalten“, wünschen sich die Wirte. Einstweilen lassen sie sich das Gastgebersein nicht ganz verderben: auf Wunsch wird dem Essen beim Abholen auch noch ein „Cocktail to go“ zur Seite gestellt.

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