WINKELHAID – Bei der Landestagung des Bayerischen Volkshochschulverbandes sind mehrere langjährige Leiterinnen und Leiter bayerischer Volkshochschulen offiziell gewürdigt worden. Zu ihnen gehörte auch Ulrike Scheske, die ihre Tätigkeit als Geschäftsleiterin der Vhs Schwarzachtal zum 31. Januar 2026 beendet hatte. Mit ihrem Abschied endet zugleich ein prägender Abschnitt regionaler Bildungs- und Kulturgeschichte.
Scheske begann ihren Weg an der Volkshochschule Schwarzachtal 1983 als Dozentin, wurde später Fachbereichsleiterin und übernahm 2001 die geschäftsführende Leitung des Zweckverbandes. „In dieser Zeit führte sie die Vhs Schwarzachtal zu einer modernen Bildungseinrichtung mit weit überregionaler Ausstrahlung“, heißt es in einer Pressemitteilung des Bayerischen Volkshochschulverbands. In einer Zeit, in der Volkshochschulen vielerorts noch vor allem als klassische Weiterbildungseinrichtungen verstanden wurden, habe sie früh erkannt, dass Erwachsenenbildung weit mehr sein würde: gesellschaftlicher Auftrag, kultureller Begegnungsraum, kommunale Zukunftsaufgabe und Motor für Teilhabe.
Ansporn und Inspiration
„Die Arbeit der Vhs Schwarzachtal war auch Ansporn und Inspiration für viele Kolleginnen und Kollegen anderer Volkshochschulen“, betont Regine Sgodda, Vorständin des Bayerischen Volkshochschulverbandes. Unter Scheskes Leitung entwickelte sich die Einrichtung weit über das klassische Kursgeschäft hinaus: Integrationsarbeit wurde aufgebaut, Digitalisierung wurde begonnen, Qualitätsmanagement, moderne Arbeitsstrukturen, neue Unterrichtsformen und innovative Angebotskonzepte wurden eingeführt – immer mit dem Ziel, Bildung zugänglich, hochwertig und nah an den Menschen zu gestalten. „Ulrike hat nie gewartet, bis andere sagen, was Sache ist. Sie setzte die Maßstäbe selbst und stellte die Vhs dabei krisensicher und innovativ auf“, ergänzt Petra Winterstein, Aufsichtsrätin des Bayerischen Volkshochschulverbandes und langjährige Wegbegleiterin.
„So visionär ihr Denken war, so stark blieb ihre Verbundenheit mit der Region“, heißt es in der Mitteilung des Verbands weiter. Scheske habe nie in großen Schlagworten gedacht, sondern in konkreten Möglichkeiten: Wie erreicht man Menschen in allen Verbandsgemeinden? Wie schafft man Lernorte, die offen und zeitgemäß sind? Wie macht man Kultur erlebbar?
Mit der 2019 eröffneten Vhs am Markt verwirklichte sie einen Meilenstein. Der moderne Standort im Herzen Altdorfs steht beispielhaft für ihr Verständnis von Erwachsenenbildung: sichtbar, niederschwellig und einladend. Die Volkshochschule wurde damit nicht nur Lernort, sondern auch ein lebendiger Treffpunkt für Bildung, Kultur und Begegnung. „Mein Ziel war immer eine Volkshochschule, die mitten im Leben der Menschen verankert ist – offen, zugänglich und als selbstverständlicher Teil des öffentlichen Raums“, so Scheske.
Lob für Zusammenarbeit
Neben der Bildungsarbeit prägte Scheske über viele Jahre auch das kulturelle Leben der Region. Lesungen, Vorträge und Veranstaltungsreihen mit renommierten Persönlichkeiten machten die Vhs Schwarzachtal bekannt. Der Feuchter Buchhändler Karl Kuhn erinnert sich: „Die Zusammenarbeit mit Ulrike Scheske hat immer wahnsinnig viel Spaß gemacht. Mit ihren Kontakten wurden Lesungen möglich, die sonst schwer zu organisieren gewesen wären.“
„Teilhabe am kulturellen Leben ist eine soziale Notwendigkeit. Sie stiftet Sinn, verbindet Menschen und stärkt letztlich Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt“, betont Scheske. Viele der von ihr initiierten Projekte und Veranstaltungsreihen haben das gesellschaftliche und kulturelle Leben der Region bereichert. Auch innerhalb der bayerischen Volkshochschulfamilie galt Scheske vielen als Vorbild und Mentorin. Fabienne Geißdörfer, Vorständin des Bezirks Mittelfranken, hebt hervor: „Ulrike hat mit ihrem Team bewiesen, dass innovative Ideen und zukunftsweisende Entwicklungen nicht von der Größe einer Einrichtung abhängen.“
„Fachliche Kompetenz, Innovationskraft und eine klare Werteorientierung prägten das Wirken von Ulrike Scheske über Jahrzehnte. Integrität, Professionalität und Verantwortung gegenüber dem Gemeinwohl waren feste Maßstäbe ihres Handelns“, urteilt der Verband. Viele Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter verbinden Scheskes Namen deshalb ebenso mit Haltung wie mit erfolgreicher Bildungsarbeit. Wo Transparenz, Verantwortungsbewusstsein und professionelles Handeln gefordert waren, habe sie ihre Überzeugungen konsequent vertreten – auch wenn dies nicht der bequemste Weg war. Nach dem Ende ihrer Tätigkeit bei der Vhs will Scheske ihre Erfahrung und Expertise künftig in neuen Aufgabenfeldern sowie freiberuflich in den Bereichen Bildung und Kultur einbringen.
