Diskussion in Schwarzenbruck eskaliert fast

Stunk um die Kläranlage

Im Mittelpunkt des Streits: die alte Kläranlage in Schwarzenbruck. Bei Bürgerversammlung in Schwarzenbruck droht die Diskussion erneut zu eskalieren | Foto: Mock2019/02/Schwarzenbruck-klaeranlage-nah-1.jpg

SCHWARZENBRUCK – Der Bau der neuen Kläranlage in Schwarzenbruck ist schon lange Streitpunkt zwischen einigen Bürgern und dem Kanalisations-Zweckverband Schwarzachgruppe (KZV). Um die Anwohner darüber zu informieren, welche Kosten auf sie zukommen, hatte der KZV zu einer Bürgerversammlungen eingeladen. Die Diskussion wurde größtenteils sachlich geführt, drohte aber zwischenzeitlich zu eskalieren.

Zu klein, zu hoher Stromverbrauch, zu wenig modern: Die Kläranlage in Schwarzenbruck kann nicht so bleiben, wie sie ist. Darin sind sich alle einig. In der Diskussion zwischen Bürgern und KZV bei der Schwarzenbrucker Informationsveranstaltung zeigte sich erneut, dass es immer noch Uneinigkeit darüber gibt, wie das Problem behoben werden soll.

Geruchsbelästigung wird verringert

Das von der Gemeinde beauftragte Ingenieurbüro Resch spielte vier Varianten durch, mit verschiedenen Standorten sowie mit Um- oder Neubau. Die Planer kamen zu dem Schluss, dass der Neubau am effektivsten wäre. Diplom-Ingenieurin Regine Schatz präsentierte der voll besetzten Bürgerhalle ihre Ergebnisse und Einzelheiten zum Bau der neuen Kläranlage.

Der Neubau koste zwar mehr, doch würden die Mehrkosten sich bereits nach neun Jahren auszahlen. Im Gegensatz dazu habe die Überleitung nach Nürnberg wesentlich höhere Betriebskosten und sei auf lange Sicht deutlich teurer.

Durch die Verlegung der Anlage nach Westen werde der Abstand zu privaten Grundstücken auf 130 Meter vergrößert und die Geruchsbelästigung verringert. Schwarzenbruck werde zudem die erste energieintelligente Kläranlage Deutschlands besitzen, die in der Jahresbilanz nahezu energieautark sei. Das Bundesministerium für Umwelt fördert das Vorhaben deshalb mit 3,9 Millionen Euro, sodass von den Gesamtkosten von 24,6 Millionen noch 20,7 investiert werden müssen.

Gebühren erhöhen sich

Kommunalberater Arno Bitterwolf erklärte, was das für den einzelnen Haushalt bedeutet: Die Kommunen übernehmen 25 Prozent der Kosten. Die verbleibende Summe soll zur einen Hälfte über Gebühren, zur anderen Hälfte über Beiträge gedeckt werden.

Bitterwolf veranschaulicht die Beitragskosten an einem Beispiel: Besitzt ein Hauseigentümer etwa eine Grundstücksfläche von 1000 Quadratmetern und eine Geschossfläche von 450 Quadratmetern, kommen Gesamtkosten in Höhe von rund 1202 Euro auf ihn zu, die er in zwei Raten bezahlen muss.

Alle betroffenen Bürger erhalten 2020/2021 einen Vorauszahlungsbescheid mit der ersten Rate. Die zweite Rate wird nach Fertigstellung der Kläranlage mit dem Endbescheid 2023/2024 fällig. Zudem werden ab dem Jahr 2024/2025 die Gebühren für Niederschlagswasser um fünf Cent und die für Schmutzwassergebühr um 60 Cent pro Kubikmeter steigen.

„Wer soll denn das glauben?“

Anders als in der Diskussion in Burgthann, bei der die Kosten und deren Umlegung im Mittelpunkt des Interesses standen, drehte sich die anschließende Fragerunde in Schwarzenbruck wieder um die alternative Überleitung nach Nürnberg. Peter Rädsch von der Interessensgemeinschaft KZV Schwarzenbruck plädiert vehement für mehr Transparenz.

Er warf den Verantwortlichen Dokumentenfälschung vor: Die Kostenvergleichsrechnung des KZV von 2016 enthielte bereits die echten Jahresabwassermengen aus den Jahren 2016 und 2017. „Wer soll denn das glauben?“, entgegnete er hitzig auf die Rechtfertigung Schatz´, das Dokument sei aus Versehen überschrieben worden.

Es sei außerdem nicht seriös, dass das gleiche Ingenieurbüro die Vergleichsrechnung erstellte, dass auch die Anlage plane, fiel Jürgen Hannewald mit ein. Schwarzenbrucks Bürgermeister konnte den Vorwurf entkräften. Der Prüfungsverband in München habe die Kostenvergleichsrechnung gesichtet und für schlüssig befunden, ein unabhängiger Prüfer werde außerdem ein zusätzliches Gutachten erstellen, erklärte er.

Hannewald schlug außerdem vor, das Geld für die geplante Kläranlage lieber in die Sanierung des Kanalsystems zu investieren und so die hohe Menge an Fremdwasser zu reduzieren.

Horst Wagner, technischer Leiter des KZV, erklärte jedoch, dass der größte Teil über das Drainagensystem älterer Häuser ins Kanalnetz eingeschleust werde. Deswegen lasse sich die Menge an Fremdwasser durch eine Sanierung nur geringfügig verbessern.

Einen ganzen Fragenkatalog hatte Peter Ißmayer mitgebracht. Ohne auf die deswegen zunehmend ungehalten werdenden Zuhörer zu achten, lieferte er sich einen für die Veranstaltung nicht besonders zielführenden Schlagabtausch mit KZV-Vorsitzendem Heinz Meyer. Wortmeldungen wurden laut, „dem Herrn doch bitte endlich das Wort zu entziehen. Das ist doch absurd.“

Versöhnliche Worte

Andere Bürger bewegte der Umweltaspekt der Anlage. Ebenso wie in der ersten Versammlung in Burgthann kam die Frage nach einer vierten Reinigungsstufe auf, die Mikroplastik und Medikamente aus dem Abwasser filtert. Momentan seien noch keine Nachrüstungen diesbezüglich geplant, erläuterte Stefan Bertelmann vom Wasserwirtschaftsamt. Noch seien mehr Forschungen dazu nötig.

Andere Bürger trieb die Sorge um, die erhöhten Gebühren könnten zum normalen Sockelbedarf werden, lange nachdem die Investition abbezahlt sei. Davon sei nicht auszugehen, beruhigte Bitterwolf.

Versöhnliche Worte fand gegen Ende der Schwarzenbrucker Wolfgang Willner. Der KZV passe die Gebühren jedes Jahr an, arbeite kostendeckend und zuverlässig, lobte er. „Sie machen ihre Arbeit da sehr gut. Um jetzt auch mal was Positives zu sagen.“

N-Land Magdalena Mock
Magdalena Mock