Siegersdorfer ist seit drei Jahren Kaffeebauer in Brasilien

Mit einer guten Bohne fängt es an

Timo Plötz (Mitte) mit Freunden und Mitarbeitern auf dem 250 Hektar großen Landgut im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais. | Foto: Privat2019/08/Kaffee-Brasilien-Timo-Plotz-Fazenda-Pinheirense.jpg

Lauf — Timo Plötz ist nur für ein paar Wochen in Deutschland, aber als Heimaturlaub kann man den Besuch nicht bezeichnen. Der 38-Jährige stammt aus Siegersdorf und muss in eigener Sache Klinken putzen. Bei deutschen Röstereien möchte er seinen brasilianischen Kaffee an den Mann bringen.

Seit drei Jahren ist Plötz Kaffeebauer in Brasilien. Was wie ein Abenteuer klingt, ist harte Arbeit. Sechs Tage die Woche, „50 Stunden plus x“, sagt Plötz. Vor kurzem stand die Ernte an, da waren es sieben Tage, „da geht man auf dem Zahnfleisch“.

Der 38-Jährige lebt im Bundesstaat Minas Gerais im Landesinneren, nahe des Örtchens Petunia. Rund 9000 Kilometer von seiner Heimat Siegersdorf entfernt.

„Mein Leben war schon immer von Veränderungen geprägt“, sagt Plötz. Sein älterer Bruder führt eine Schreinerei im Heimatort der Familie, doch Timo Plötz zog es schon als junger Mann weg aus dem Schnaittachtal. Nach einer Ausbildung zum Schreiner in Neunhof besuchte er die Möbelfachschule in Köln, arbeitete als Verkäufer in Salzburg und Hamburg, ehe er für ein Jahr nach Neuseeland ging.

250 Hektar großes Landgut

Dort lernte er eine Brasilianerin kennen. Die beiden lebten erst in Deutschland zusammen und heirateten, 2016 ging es nach Brasilien. Dort lebt Plötz mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern auf der „Fazenda Pinheirense“, einem rund 250 Hektar großen Landgut seines Schwiegervaters. Auf acht Hektar baut er Kaffee an, seine Frau kümmert sich um das ganze Drumherum, etwa den Vertrieb.

Plötz schwört auf die selektive Ernte. Die Besonderheit: Per Hand werden „Baum für Baum nur die reifen Kaffeekirschen gepflückt“. Die anderen bleiben hängen und dürfen weiter reifen. Bei der konventionellen Ernte hingegen werden maschinell auch die unreifen und die schon überreifen Kirschen geerntet. Darunter leide natürlich die Qualität.

Plötz’ Vorgehen ist wesentlich aufwändiger und somit teurer, aber er möchte sich damit absetzen von Massenware aus dem Samba-Staat.

Klasse statt Masse

Der Kaffeepreis ist aktuell im Keller. 2,20 Euro bezahlt ein Zwischenhändler in Deutschland für ein Kilo Rohkaffee. Plötz’ Bohnen kosten fast das doppelte. Wer das bezahlt? Kleine Röstereien, die auf Qualität und auf Besonderheiten setzen. Deshalb war Plötz in den vergangenen Wochen bundesweit unterwegs, um seinen Kaffee vorzustellen. Der erste Kunde ist bereits seit vergangenem Jahr die Kaffeewerkstatt in Kucha. Den Offenhausener Betrieb hat Plötz auch diesmal wieder besucht.

Die Welt des Kaffees eröffnete sich dem Siegersdorfer, als er erfuhr, dass sein Schwiegervater die Pflanze nebenher anbaut, um seine beiden Landgüter zu finanzieren. Seit 2014 beschäftigt sich Plötz intensiv mit dem Thema, 2016 arbeitete er ein halbes Jahr bei der Nürnberger Rösttrommel als Verkäufer und Barista. „Anbauen, rösten, zubereiten. Das Thema Kaffee ist riesig“, sagt der 36-Jährige. „Ich wollte möglichst viel von der gesamten Kaffeekette verstehen“.

Timo Plötz mit einer Packung seines „Petunia“-Kaffees, benannt nach dem nächsten Ort. | Foto: Kirchmayer2019/08/Timo-Plotz-Kaffee-Siegersdorf-Brasilien-e1565621094886.jpg

Mittlerweile hat er auf dem Landgut, das er bewirtschaftet, einiges umgebaut. Seine Schreinerlehre kam ihm dabei zugute. „Glernt is glernt“, sagt er in fränkischem Zungenschlag. In Brasilien lebt er ein relativ einfaches Leben, auch wenn das Internet auf der Farm besser ist als in seiner fränkischen Heimat Siegersdorf. Der nächste Ort zählt nur ein paar Hundert Einwohner. Mit den Einheimischen spielt der „alemao“, der Deutsche, freitagabends Fußball – natürlich als Verteidiger im Land der Dribbelkünstler.

Mittlerweile verlässt sich Plötz nicht nur auf den Kaffee seines Schwiegervaters. Auf einem Hektar hat er vor drei Jahren mit den Anbau von sechs für die Region exotischen Arabica-Sorten begonnen. Zwei bis drei könnten etwas werden. Bis die Kaffeesträucher ausgewachsen sind, dauert es rund fünf Jahre. Erst dann lässt sich der Erfolg abschätzen. „Das ist kein Business, das auf Knopfdruck läuft“, sagt Plötz.

Machen andere Farmer mit?

Auch die umliegenden Kaffeebauern will der 38-Jährige davon überzeugen, auf selektive Ernte zu setzen. Bisher arbeiten fast alle Bauern mit Großbetrieben zusammen, die den Rohkaffee vieler Landgüter zusammenschütten und ihn in Deutschland als brasilianische Ernte verkaufen. „Kaffee ohne Seele“, sagt Plötz. Doch aller Anfang ist schwer. „Die Leute müssen dir erstmal vertrauen. Ich bin immer noch der verrückte Deutsche, der alles anders macht als alle anderen“, sagt er und lacht. Immerhin einen Betrieb hat er schon überzeugt und für diesen auch eine Rösterei in Deutschland gefunden.

Mittlerweile ist Plötz wieder zurück in der Wahlheimat. Er hat schließlich immer etwas zu tun. In der eigenen Rösterei stellt er Kaffee für den brasilianischen Markt her. Seine Bohnen für den Export kommen im Herbst bei Röstereien in Bayreuth, Nürnberg oder Stuttgart an.

Beim nächsten Deutschland-Besuch kann Plötz also testen, was aus dem Rohkaffee geworden ist. Bis dahin freut er sich aber auf etwas, was es in Brasilien nicht gibt: „Ein gutes, fränkisches Bier.

N-Land Andreas Kirchmayer
Andreas Kirchmayer