Klimakrise ist Auslöser für Lamprechts Austritt

„Ich kann das nicht mittragen“

„Wie es ist, darf es nicht bleiben.“ So in etwa hat sich das auch Christian Lamprecht gedacht und der FDP den Rücken gekehrt. | Foto: FDP2021/09/NEU-FDP-Wie-es-ist-darf-es-nicht-bleiben.jpg

ALTDORF – 2018 hat Christian Lamprecht den FDP-Ortsverband in Altdorf mitgegründet, wurde Vorsitzender
der Liberalen in der Wallensteinstadt und kam auf dem FDP-Ticket in den Stadtrat. Jetzt ist er aus der Partei ausgetreten.

Christian Lamprecht ist nicht mehr Vorsitzender der FDP in Altdorf. Am vergangenen Sonntag ist das Mitglied des Altdorfer Stadtrats aus der Partei ausgetreten. Er begründet seinen Schritt mit dem aus seiner Sicht falschen Umgang der Liberalen mit dem Thema Klima. Mit der Partei geht der Altdorfer dabei hart ins Gericht: Freiheit heiße für die meisten Mitglieder der FDP immer noch, „mit 250 Stundenkilometern im Verbrenner über die Autobahn rasen zu dürfen“.

Vor drei Jahren hat Christian Lamprecht den Altdorfer FDP-Ortsverein mitgegründet. Jetzt ist er aus der Partei ausgetreten. Foto: FDP Altdorf2021/09/Christian-Lamprecht-1.jpg

Die Klimakrise sei eine globale Bedrohung für die Menschheit, „konkret bedroht sie auch unseren Wohlstand und unsere Freiheit, besonders unserer Kinder“, stellt Lamprecht in einem schriftlichen Statement fest. Und das habe die FDP nicht „annähernd ausreichend“ erkannt. „Angesichts der enormen Bedrohungen durch die Klimakrise, die inzwischen selbst in Deutschland unübersehbar sind, kann ich die Haltung der FDP einfach nicht länger mittragen.

Lamprecht will Stadtrat bleiben

Sein Stadtratsmandat will der Ex-FDP-Mann allerdings behalten und will als Bürgervertreter für die Wahlgemeinschaft „FDP Team Altdorf“ weiter arbeiten. Ob und wie das gelingen kann, ist noch nicht geklärt. „Die Gespräche dazu laufen noch“, so Lamprecht in einer Mail an den Boten. Der FDP Altdorf, das betont der ausgeschiedene Vorsitzende, bleibe er aber verbunden. Den Ortsverband hat Lamprecht vor drei Jahren mitgegründet. Er sei für die Stadt „definitiv ein Gewinn“.

Deutliche Kritik übt er am Telefon dagegen an der Kreis-FDP, deren Performance deutlich zu wünschen übrig lasse, auch wenn Kristine Lütke den Sprung in den Bundestag schaffte. Wie geht es jetzt bei den Liberalen in der Wallensteinstadt weiter? Aus heiterem Himmel kam der Rückzug Lamprechts für einige sicher nicht. Dass sich da etwas anbahnte, schwante Altdorfer FDP-Mitgliedern bereits seit Monaten, weil der Vorsitzende sich komplett aus dem Wahlkampf heraushielt.

Lüling kündigt Prüfung an

Markus Lüling hat als Kreisvorsitzender der FDP am Sonntag von Lamprechts Parteiaustritt erfahren. Bis zu den turnusmäßigen Vorstandswahlen im November habe nun Professor Alexander von Hoffmann das Amt des Ortsvorsitzenden inne. Zu den Austrittsgründen von Lamprecht will sich Lüling gegenüber dem Boten nicht äußern, hierzu gebe es zwar einen Schriftwechsel mit dem Altdorfer, der sei aber intern. Lüling äußert sich aber zum Stadtratsmandat von Lamprecht: Man werde prüfen lassen, ob der Ex-Vorsitzende das als Vertreter einer Wahlgemeinschaft FDP Team Altdorf weiter ausüben kann.

Der Kreisvorsitzende ist in seinen Auskünften zum Parteiaustritt des ehemaligen Altdorfer FDP-Chefs zwar sehr zurückhaltend, deutet aber an, dass die Arbeit mit Lamprecht „nicht immer ganz einfach“ gewesen sei.
Bleibt noch die Frage, warum Lamprecht seinen Rückzug ausgerechnet am Wahltag seinen Parteifreunden präsentierte. Eine Änderung ihrer Position in Sachen Klimakrise erwarte er in nächster Zukunft nicht, sagt er in diesem Zusammenhang. Deshalb sei er noch vor Bekanntgabe des Wahlergebnisses aus der Partei ausgetreten.

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren