Europawahl

Finanzspritzen aus der EU für den Landkreis

Könnte die Burg Hohenstein nicht in gutem Zustand gehalten werden, wäre beispielsweise das Musikfest nicht möglich, das viele anlockt. | Foto: M. Ermer2019/05/Bericht.jpg

HERSBRUCKER SCHWEIZ – Die EU ist weit weg von den Bürgern – von wegen: Über die Leader-Förderung wird die Europäische Union direkt vor Ort greifbar. „Die Bürger können ihre eigene Heimat gestalten“, findet Katharina Schenk von der LAG Nürnberger Land.

Seit mindestens 20 Jahren profitiere die Region von den Fördermitteln aus dem europäischen Fonds für Entwicklung des ländlichen Raums, genannt Eler, und des Freistaats Bayern, erklärt Schenk. Bekannt ist dieses Konstrukt als „Leader“ – „Liaison entre actions de développement de l’économie rurale“, also Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft.

Doch warum brauchte es das? „Der EU-Haushalt war stets von der Landwirtschaft geprägt“, ergänzt Bernd Hölzel von der Kreisentwicklung. Das heißt, es wurden in erster Linie landwirtschaftliche Betriebe gefördert. „Dann hat man aber erkannt, das ländliches Leben mehr als Landwirtschaft ist.“ Weil aber die Behörden in der EU nicht wüssten, was die Menschen vor Ort zur Entwicklung des ländlichen Raums und zur Steigerung der Lebensqualität der Einwohner brauchen, setze sie den Rahmen – „aktiv müssen die Experten vor Ort werden“, so Hölzel.

Zeitraum von sechs Jahren

Der Rahmen, das sei die lokale Entwicklungsstrategie. „Die ist sehr offen gestaltet, weil sie ja sechs Jahre im Voraus festgeschrieben wird“, erläutert Hölzel. Nickt der Freistaat als Vertreter der EU diese ab, können Projekte, die Tourismus, Natur- und Kulturlandschaftsschutz, dem Aufschwung der regionalen Wirtschaftskraft und dem demografischen Wandel nachhaltig dienen, für die jeweils sechsjährige Förderperiode eingereicht werden. Und zwar bei der LAG Nürnberger Land.

„Da müssen dann viele Papiere abgegeben werden“, sagt er. Bis ein Projekt umgesetzt wird, kann es laut Schenk sechs Monate bis ein Jahr dauern. Auch wenn die Abrechnung noch zwei Jahre nach Ende der Förderperiode läuft, der Antrag muss bis dahin genehmigt sein. „Wer drei Wochen vor Schluss kommt, hat keine Chance“, weiß Hölzel.

Kritischer Blick

Zu viel Bürokratie, der alte Vorwurf an die EU? „Natürlich steckt die drin, aber das liegt auch am Bürger“, meint Hölzel, „der fordert Transparenz und dann müssen Förderregeln einem kritischen Blick standhalten“.

Weniger bürokratischen Aufwand sehen die beiden bei der Unterstützung Bürgerengagement. Dabei handelt es sich um eine Art Kleinprojektefonds über jährlich 5555 Euro, mit dem Vereine, Schulen oder Jugendgruppen mit maximal 2000 Euro gefördert werden können. „Da haben wir einen guten Rücklauf“, berichtet Schenk. Eine Finanzspritze erhielten so der offene Bücherschrank Leinburg oder „Kunst im Fluss“

Stattliche Fördersumme

Wie viel Geld insgesamt schon in die Hersbrucker Schweiz geflossen ist, das kann Schenk nicht sagen: „Zwei Millionen waren es in der letzten Phase. Für die aktuelle Förderperiode von 2014 bis 2020 können wir über 1,5 Millionen Euro verfügen.“ Dazu kämen nun nochmals 58 000 Euro zusätzlich vom Freistaat für Einzel- und 400 000 Euro für Kooperationsprojekte. „In Bayern gibt es ein Gesamtbudget für alle LAGs. Wer nicht so viel braucht, der gibt Geld ab“, klärt Hölzel auf.

Auch wenn die beiden keine genaue Summe nennen können, eines wird anhand einiger Beispiele klar: Viele Projekte wären ohne Leader „nicht in der Form möglich gewesen“. Beispiele: DAV-Kletterhalle oder Burg Hohenstein.

„Für solche Pläne von Vereinen wäre es sonst äußerst schwierig, Förderungen in dieser Größenordnung zu bekommen“, weiß Hölzel. Die Burg, „die Stein gewordene Identität für den Landkreis“, wäre ohne EU-Gelder wohl dem Verfall preisgegeben. Hölzel findet toll, dass Leader die Möglichkeit bietet, etwas passgenau aus der Region heraus für die Region zu entwickeln; das sei auf dieser politischen Ebene im Rest der Welt die Ausnahme: „Europa und die Menschen aus der Region geben sich hierbei die Hand.“ Die EU komme sozusagen in die Heimat. Und: „Sie macht die Region erlebbar.“

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch