Vermächtnis

Erinnerungskultur: Geschwister folgen Paul Kornmayers Mission in Hersbruck

Besuch an der Sinti-Stele im Hersbrucker Rosengarten: Roswitha, Paul und Manfred (von links) aus der Familie Kornmayer.
Besuch an der Sinti-Stele im Hersbrucker Rosengarten: Roswitha, Paul und Manfred (von links) aus der Familie Kornmayer. | Foto: Thomas Wrensch2026/06/Besuch_an_der_SintiStele_im_Rosengarten_vli_n.jpg

HERSBRUCK – Die Familie ehrt Paul Kornmayers Vermächtnis durch Besuche an Dokumentationsorten des Konzentrationslagers Hersbruck.

Drei Geschwister aus dem Raum Ravensburg haben am 18. Juni das Grab ihres älteren Bruders Paul Kornmayer auf dem Alten Friedhof in Hersbruck besucht. Kornmayer war langjähriger Mitarbeiter der Dokumentationsstätte KZ Hersbruck, ehemaliges Mitglied des Hersbrucker Stadtrats und Betriebsrat eines Hersbrucker Bekleidungsherstellers. Er starb im Januar 2023. Über 40 Jahre lang hatten schwierige Familienverhältnisse, wie sie in der Nachkriegszeit häufig waren, Paul von seinen Angehörigen Karl, Paul, Roswitha und Manfred getrennt. Sein Grab liegt nicht weit entfernt von den Grabstätten der Familien Höllenreiner und Lehmann.

Renate Heimbucher und Thomas Wrensch vom Verein „Dokumentationsstätte KZ Hersbruck“ begleiteten die Besucher rings um den Bauzaun am brachliegenden Teil des ehemaligen KZ-Geländes. Plakate und erklärende Schilder informieren über die Zeit von August 1944 bis zur Räumung in sechs Todesmärschen im April 1945. Das Lager war das drittgrößte Konzentrationslager im süddeutschen Raum nach Dachau und Flossenbürg.

Verfolgung und Deportation der Hersbrucker Sinti

Kornmayer hatte die Deportation von vier Sinti-Familien aus Hersbruck nach Auschwitz erforscht und dokumentiert. Seine Erkenntnisse veröffentlichte er im Buch „Verfolgt, deportiert, ermordet. Die Geschichte der Sinti in Hersbruck 1939–1945“. Mit Unterstützung der Helga und Bruno Schnell Stiftung wurde eine steinerne Stele mit Transportwaggon im Rosengarten errichtet. Sie dient dem öffentlichen Gedenken an die deportierten Sinti.

Die Geschwister informierten sich am Dokuort in Happurg über den Bau des Doggerwerks unter dem Dach der Houbirg. In der Rückschau der Familienmitglieder war der Einblick in die Mission ihres älteren Bruders ein Beitrag zur späten, aber wichtigen Verständigung über ihre Familiengeschichte. Pauls Anliegen war es, die Hersbrucker Stadtgesellschaft vor dem Vergessen der schrecklichen Folgen der totalitären Naziherrschaft für Leben und Tod der Zwangsinhaftierten zu bewahren.

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