Was das neue Fahrzeug alles kann

Neue Drehleiter für die Feuerwehr Feucht

16 Tonnen schwer und vollgepackt mit Technik: Das neue Magirus M32L-AT SC (links) löst das Fahrzeug aus dem Jahr 1999 ab. Dieses bleibt bis August im Dienst. Was danach damit geschieht, ist noch nicht entschieden.
16 Tonnen schwer und vollgepackt mit Technik: Das neue Magirus M32L-AT SC (links) löst das Fahrzeug aus dem Jahr 1999 ab. Dieses bleibt bis August im Dienst. Was danach damit geschieht, ist noch nicht entschieden. | Foto: Christian Manneschmidt2026/07/q40-f409x255-1024x473-1.webp

FEUCHT – Mit der offiziellen Indienststellung ihrer neuen Drehleiter am 1. Juli beginnt für die Freiwillige Feuerwehr Markt Feucht ein neues Kapitel in der Menschenrettung und technischen Hilfeleistung.

Nach mehr als einem Vierteljahrhundert wird ihre Vorgängerin aus dem Jahr 1999 durch ein modernes Fahrzeug ersetzt. Nach Auskunft der Marktgemeinde belaufen sich die Kosten auf knapp über eine Million Euro – jedoch gab es neben einem Zuschuss der Regierung von Mittelfranken von knapp über 300.000 Euro auch eine Finanzspritze vom Landkreis Nürnberger Land von ebenfalls knapp über 300.000 Euro.

Dabei hatte die Marktgemeinde vor nunmehr 27 Jahren in ein Fahrzeug investiert, das nach Einschätzung der Feuerwehrleute „unumstritten Maßstäbe setzte“, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Unter anderem konnten die Stützen des Hubrettungsfahrzeugs einzeln ausgefahren werden. Zudem verfügte es über einen fest installierten Rettungskorb für drei Personen, mit dem Patienten erstmals liegend aus höheren Stockwerken gerettet werden konnten. „Revolutionär und einmalig im Landkreis“ aber machte das Fahrzeug ein Gelenk am Ende der Leiter, dank dessen Hindernisse wie Gauben oder Dachvorsprünge überwunden werden konnten.

„Optimal zugeschnitten“

Nun aber war es an der Zeit für etwas Neues. Bereits 2022 begannen die Planungen für die Anschaffung des neuen Gefährts. „Ziel war ein Fahrzeug, das optimal auf die örtlichen Anforderungen zugeschnitten ist und die Erfahrungen aus Jahrzehnten Drehleiterbetrieb berücksichtigt“, heißt es seitens der Feuerwehr. Mehrfach reisten Feuchter Feuerwehrleute zum Hersteller Magirus nach Ulm. Dort wurden Beladung, Geräteanordnung, Beklebung und technische Details abgestimmt. Später fanden Abnahme, Tests und Einweisung statt. Zu den technischen Neuerungen zählt ein Videosystem für den Abstützbereich. Bereits während der Anfahrt kann der Maschinist die voraussichtliche Lage der Stützteller auf dem Bildschirm im Fahrerhaus sehen und die Eignung des Untergrundes beurteilen, um das Fahrzeug auf Anhieb richtig zu positionieren.

Eine leistungsfähigere Hydraulikanlage ermöglicht eine wesentlich schnellere Abstützung und Inbetriebnahme sowie gleichzeitige Leiterbewegungen in alle Richtungen. Der neue Rettungskorb ist für vier Personen ausgelegt, die Nutzlast beträgt 400 statt bisher 270 Kilogramm. Das ausfahrbare Gelenkteil sowie 32 Meter Gesamtleiterlänge ermöglichen zudem eine größere und Rettungshöhe. Daneben gibt es diverse Funktionen, die den Feuerwehrleuten das Handling im Einsatz erleichtern und dieses auch sicherer machen sollen.

Der Haupteinsatzzweck jeder Drehleiter ist das Retten von Menschen. In Feucht verfügen die meisten Mehrfamilienhäuser lediglich über ein Treppenhaus. Sollte es durch Rauch oder Feuer unbenutzbar sein, bildet insbesondere die Drehleiter den zweiten Rettungsweg. Damit ist sie „im wahrsten Sinne des Wortes eine Lebensversicherung für die Bevölkerung“, wie die Feuerwehr mitteilt.

Eine weitere zentrale Aufgabe ist die Unterstützung des Rettungsdienstes. In der Vergangenheit wurden nach Angaben der Feuchter Wehr jedes Jahr Dutzende Patienten mithilfe der Drehleiter aus Fenstern gerettet. Darunter befanden sich Patienten nach Reanimation, verletzte Personen, die nicht durch das Treppenhaus transportiert werden konnten, oder Schwangere, die nur liegend bewegt werden durften.

15 Stunden zusätzliches Training

Mit der Fahrzeugübergabe bei einem Festakt Ende März war die Arbeit jedoch lange nicht abgeschlossen. Denn jeder der 20 Drehleitermaschinisten und die zukünftigen Korbbesatzungen mussten, zusätzlich zur bereits vorhandenen Ausbildung zum Drehleitermaschinisten, mindestens 15 Stunden praktische Ausbildung durchlaufen, in denen sämtliche Funktionen und Geräte kennengelernt, Übungsfahrten absolviert und Übungen durchgeführt wurden. „Die Einsatzkräfte der Feuerwehr Markt Feucht sind mit diesem hochmodernen Hubrettungsfahrzeug für die kommenden Jahrzehnte bestens gerüstet, um den vielfältigen Gefahren und Herausforderungen des modernen Alltags effektiv zu begegnen“, hält die Feuerwehr fest.

Info: Wer mehr zur Technik des Fahrzeugs erfahren möchte, findet eine umfangreiche Beschreibung und Detailansichten unter feuerwehr-feucht.de.

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