Nightliner fährt über 2019 hinaus in den Landkreis

Angebot für Nachtschwärmer wird teurer

Gerade junge Menschen, die am Wochenende in Nürnberg unterwegs sind, nutzen die Nachtbusse, um wieder sicher heim zu kommen. | Foto: Privat2018/03/Nightliner-nurnb-grand-hote.jpg

NÜRNBERGER LAND — Ab 2019 zahlen die Städte und Gemeinden im Landkreis erheblich mehr dafür, dass sie ans Nürnberger Nightliner-Netz angebunden sind. Trotz der Kostensteigerung von etwa 75 Prozent will keine der 15 beteiligten Kommunen auf die Nachtbusse verzichten.

Kneipentour in Gostenhof, bis in die Puppen tanzen in der „Rakete“, im „Hirsch“ oder im „Gemein und Gefährlich“ – Nürnberg ist zum Ausgehen ein beliebtes Ziel für junge Erwachsene aus dem Nürnberger Land. Dafür, dass sie auch nach ein paar Gin Tonic mitten in der Nacht sicher nach Hause kommen, sorgt der Nightliner der Verkehrs-Aktiengesellschaft Nürnberg (VAG). Zwischen ein Uhr und fünf Uhr morgens fahren die Busse im Stundentakt bis in das Schnaittachtal, die Hersbrucker Schweiz und den südlichen Landkreis.

Daran wird sich auch ab Dezember 2019 nichts ändern. Denn die 15 Kommunen im Nürnberger Land, die von den Nachtbussen angefahren werden, haben sich dazu bereit erklärt, einen neuen Vertrag zu unterschreiben. Und das trotz erheblicher Kostensteigerungen. Basis des neuen Vertrags ist eine EU-Verordnung, die nach Ablauf der bisherigen Übereinkunft des Nürnberger Landes mit der Stadt Nürnberg und dem VAG in Kraft tritt.

„Wir müssen EU-weit bekannt geben, dass wir die VAG beauftragen wollen“, sagt Michael Ruf vom Bürgermeisteramt in Nürnberg. Die VAG ist ein Tochterunternehmen der Städtischen Werke Nürnberg, die wiederum zu 100 Prozent der Stadt Nürnberg gehören. Da die Leistungen von S-Bahnen, Bussen, U-Bahnen und Straßenbahnen als Paket ausgeschrieben werden, ist es laut Ruf „unwahrscheinlich“, dass Privatanbieter der VAG Konkurrenz machen. Passiert ist das beispielsweise in Pforzheim, wo das städtische Verkehrsunternehmen von DB Bus ausgestochen wurde.

Was bedeutet das für die Kommunen im Nürnberger Land? Während bisher das Landratsamt direkt die VAG beauftragt hat und die Stadt Nürnberg damit außen vor war, erteilt künftig der Landkreis Nürnberger Land der Stadt Nürnberg auf öffentlich-rechtlicher Grundlage den Auftrag, für Gemeinden des Landkreises die Anbindung an das NightLiner-Netz sicherzustellen. Nürnberg beauftragt wiederum einen Verkehrsbetrieb mit der konkreten Anbindung, erklärt Elisabeth Seitzinger, Pressesprecherin der VAG.

Nürnberg legt Kosten um

Die Preise, die die 15 Kommunen im Landkreis bisher für die Nachtbusse zahlen mussten, waren „deutlich günstiger als die Vollkosten“, sagt Michael Ruf. „Das dürfen wir in Zukunft nicht mehr so machen.“ Sprich: Viele sogenannte Querschnittskosten wie Fahrpersonalkosten, Laufleistungs- und Instandhaltungskosten oder Verwaltungskosten wurden bisher auf Lauf, Hersbruck oder Altdorf nicht umgewälzt. Nach der neuen EU-Verordnung muss das aber geschehen.

Die betroffenen Städte, Märkte und Gemeinden, die von den Linien N2 und N13 (nördlicher Landkreis) sowie N15, N55 und N59 (südlicher Landkreis) angesteuert werden, zahlen also ab 2019 kräftig drauf für den Nachtbus. Ruf geht von einer Kostensteigerung von 1,60 Euro pro Kilometer auf rund 2,70 bis 2,90 Euro pro Kilometer aus. Das wären etwa 75 Prozent.

Umgerechnet werden die Kosten für die Kommunen pro Einwohner. Innerhalb der Linien durch den nördlichen Landkreis hat Lauf mit rund 31 Prozent den größten Anteil. Die Kreisstadt bezahlt jährlich bisher rund 25 000 Euro, ab Dezember 2019 dürften es etwa 45 000 Euro sein. Großen Jubel hat das im Laufer Rathaus nicht ausgelöst – vor allem, weil die Stadt, als den Kommunen das neue Modell im September 2017 im Landratsamt vorgestellt wurde, „unter Zugzwang gesetzt“ worden sei, wie es der Laufer Hauptamtsleiter Benjamin Wallner ausdrückt.

Lauf, das bereits seit 2001 Teil des Nachtbus-Netzes ist, trägt die größten Kosten aller Kommunen. Und da die Gesamtkosten für alle Teilnehmer im Landkreis gleich bleiben, wenn einer nicht mitmacht, wäre das Nightliner-Netz im nördlichen Nürnberger Land ohne die Kreisstadt sicherlich zusammengebrochen. „Friss oder stirb“, bilanziert Wallner. „Wir haben uns geärgert“.

Landkreis zahlt nichts

Er hätte sich aufgrund der Mehrkosten eine Beteiligung des Landkreises gewünscht. Doch das hieße, dass auch Kommunen wie Leinburg oder Vorra, die nicht ans Nachtbusnetz angebunden sind, anteilig für den Service bezahlt hätten. Der Laufer Stadtrat hat sich für die Beibehaltung der Nightliner-Linien ausgesprochen. Zur Freude von Wallner – trotz der Kosten. „Wir brauchen den Nightliner, er ist sehr gut.“ Bei einer Erhebung der VAG im Herbst 2016 zeigte sich, dass über 300 Personen die Nachtbusse nutzen, um am Wochenende von Nürnberg mit den Linien N2 oder N13 in den nördlichen Landkreis zu kommen. Im Abrechnungsjahr 2016 haben Schwaig, Rückersdorf, Röthenbach, Lauf, Ottensoos, Neunkirchen, Schnaittach, Simmelsdorf, Reichenschwand und Hersbruck, die an das nördliche Nightliner-Netz mit den Linien N2 und N13 sind angeschlossen sind, 75 000 Euro für die Busse bezahlt. Der Wert dürfte sich auf rund 130 000 Euro erhöhen. Die Linien N15, N55 und N59 im südlichen Landkreis steuern Feucht, Altdorf, Schwarzenbruck, Winkelhaid und Burgthann an. Diese fünf Kommunen haben für das Jahr 2016 61 500 Euro gezahlt. Auf sie kommen Kosten von rund 108 000 Euro zu.

„Nightliner hat sich bewährt“

Große Diskussionen scheint es in keiner der 15 Gemeinde-, Marktgemeinde- oder Stadtratssitzungen zum Thema gegeben zu haben, wie Nachfragen der PZ zeigten. Trotz der happigen Mehrkosten – die Nachtbusse seien „eine gute Möglichkeit, dass junge Leute sicher nach Hause kommen“, so die Neunkirchener Bürgermeisterin Martina Baumann. „Der Nightliner ist eine gute Alternative zur S-Bahn, er hat sich bewährt“, drückt es ihr Röthenbacher Kollege Klaus Hacker aus. So sehen es offenbar auch die Verantwortlichen in Ottensoos, Schwaig oder Simmelsdorf.

N-Land Andreas Kirchmayer
Andreas Kirchmayer