Video über LSG Hersbrucker Alb

Warum macht Fliegen so viel Spaß?

Matthias Lösch, selbst passionierter Segelflieger, hat ein aufwendiges Video über die LSG Hersbrucker Alb gedreht. | Foto: M. Lösch2019/12/FB_IMG_1575625521491.jpeg

HERSBRUCK – „Fliegen ist mein Lebenselixier – bis heute“, sagt Günter Lorenz. Warum das so ist und wie er sich diesen Menschheitstraum seit Jahrzehnten bei der Luftsportgemeinschaft Hersbruck erfüllt, hat er seinem Vereinskollegen Matthias Lösch verraten – für dessen Video „Erzähl doch mal“.

Nach der Uraufführung seines knapp 22-minütigen Films beim traditionellen „Almabtrieb“ der Luftsportgemeinschaft wollte der Applaus gar nicht mehr aufhören, erzählt der 22-jährige Moorenbrunner. Er lebt seit 2011 in Hersbruck seinen großen Traum vom Fliegen und aus schöpft der grenzenlosen Freiheit über den Wolken „viel Kraft“. Von Kindesbeinen an faszinierten ihn „Flugzeuge weit mehr als Autos“. So sehr, dass er daraus sogar seinen Broterwerb machte: Erst als Flugzeugmechaniker, heute in einem Büro am Nürnberger Airport.

Die Leidenschaft fürs Abheben und das schwerelose Gleiten durch die Lüfte teilt er mit seinen Vereinskollegen bei der Luftsportgemeinschaft. Irgendwann entstand dann die Idee, deren Erinnerungen für die Nachwelt zu erhalten. „Modern aufbereitet, auf einem angesagten Kanal“, sagt er. Sprich: als Video auf Youtube, wo er auch schon einige Erklärvideos einstellte.

Zeitgeschichte von oben

Also packte Lösch seine Kamera und unterhielt sich mit Reinhard Wild, Günter Lorenz, Peter Bohne und Robert Lindner und dem langjährigen Vorsitzenden Manfred Blaurock über die Anfänge der Fliegerei in der Cittaslow. Herausgekommen ist ein informatives, mit vielen Bilddokumenten von Karl Rauenbusch aufgepepptes Stück Hersbrucker Zeitgeschichte – quasi aus der Vogelperspektive.

Und die fünf Urgesteine, die zum Teil heute noch an den Wochenenden zwischen April und September auf langen, schnellen Wertungsflügen wertvolle Punkte für die Zweite Bundesliga einsegeln, präsentieren sich in bester Erzähllaune. Etwa wenn Reinhard Wild, dessen Vater schon Segelflieger war und in dessen Elternhaus alle nötigen Reparaturen an den Luftfahrzeugen erledigt wurden, sehr anschaulich von den ersten Flugversuchen mit der „Hersbruck“ anno 1953 spricht: Nach dessen Taufe durch den damaligen Bürgermeister Georg Landgraf sorgten die „Gummihunde“ an ihren Seilen dafür, dass der Gleiter genügend Tempo aufnahm und – unter dem Beifall einer großen Zuschauermenge – die „15 bis 20 Männer und eine Frau“ nacheinander den Nordhang des Michelsbergs hinunter in Richtung Hopfgartenmühle oder Kühnhofen segelten.

Umzug nach Traunfeld

Oder wenn Wild und Lorenz (nicht nur ein begeisterter Flieger, sondern immer auch tatkräftiger und solventer Unterstützer des Vereins) sich daran erinnern, wie die Söhne von Dädalus und Ikarus ihren Flugplatz in den Hersbrucker Pegnitzwiesen verlassen mussten („weil die Landwirte dort jeden Grashalm brauchten“). Und dank eines findigen Vereinskollegen bei Traunfeld vorübergehend eine neue Heimat fanden: Dort waren 1957 die Erdarbeiten für die geplante Autobahn schon abgeschlossen und bildeten ein ideales Startgelände. Bis in die 60er Jahre hinein gingen die Hersbrucker Segelflieger von dort in die Lüfte.

Damals entstand auch der Begriff „Almabtrieb“, unter dem die Piloten der LSG noch heute bei einer großen Feier ihre Saison ausklingen lassen. Wer wissen will, was es damit auf sich hat und welche Rolle dabei die Winde, „Emil“ und der „Specht“ spielten, findet die Antwort in dem von Matthias Lösch mit viel Leidenschaft und Zeitaufwand (ein, zwei Stunden pro Interview und „bestimmt 30 Stunden“ im Schneideraum) produzierten Video.

Widrige Umstände

Und erfährt dort auch, warum und unter welch widrigen Umständen die einst auf dem Plärrer stehende Flugzeughalle an ihren heutigen Platz umziehen musste. Oder durch was das VW-Zeichen auf dem mobilen Sitz des Flugleiters – einem von Klaus Kuppke organisierten „Bully“ – ersetzt wurde.

Ein echtes Highlight: Welchen „Blödsinn und Schabernack“ die Piloten – die, kaum im Cockpit festgeschnallt, dafür keinen Sinn mehr haben (dürfen) – so alles trieben. Er habe keine Sekunde bereut, die er in das schon länger angedachte Projekt investiert hat, verrät Matthias Lösch. Ganz im Gegenteil: „Ich habe so viel über meinen Verein erfahren und gelernt, das hätte ich nie erwartet. Vor allem, was die Leute früher für einen Spaß hatten und wie glücklich sie alle das Fliegen macht.“

Hier ist das Video von Matthias Lösch zu sehen.

N-Land Klaus Porta
Klaus Porta