Bezirksliga

Reichenschwander Fußballfrauen starten in die Saison

Am heutigen Samstag geht es für die FCR-Damen (links) wieder los. | Foto: M. Keilholz2019/09/DSC06290-1.jpeg

REICHENSCHWAND – „Ängste haben wir keine“, sagt Johanna Linnert und lacht. Selbstbewusst starten die Fußball-Damen in ihre erste Bezirksliga-Saison seit rund zehn Jahren. Der Grund ist nicht nur der Aufstieg und der neue Trainer, sondern auch ein gewachsenes Teamgefühl.

„Unsere große Veränderung im Kader hatten wir vor einem Jahr, als nach der Auflösung des SV Offenhausen viele Mädels zu uns kamen“, erzählt Johanna Linnert. Aus Gegnern wurden Kameraden, der Erfolg mit Rang zwei in der Kreisliga und dem Aufstieg beflügelte die junge Truppe. „Mittlerweile ist es unwichtig, wer aus Reichenschwand und wer aus Offenhausen kommt“, bestätigt Lea Wölfel.

Daher ist es um so positiver, dass der Stamm auch in der neuen Saison erhalten bleibt, finden die beiden. Lediglich drei Mädels aus der eigenen Jugend sowie eine Torfrau ergänzen den Kader. Zwei Damen kehren laut Linnert nach Kreuzbandriss und einem Jahr Pause wieder ins Team zurück.

Doch nicht nur das Sportliche hat die Reichenschwander Frauen zusammengeschweißt – auch unschöne Vorfälle neben dem Platz: Wie sie nun per Facebook publik machten, wurden sie im Februar und März von einem Unbekannten in der Kabine beobachtet, vermutlich gefilmt und die Person hat Unterwäsche gestohlen. „Wir haben damals eine Anzeige gestellt und mussten mit einer Veröffentlichung der Geschehnisse abwarten, bis die Ermittlungen eingestellt wurden“, berichtet Linnert.

Mit ihrem Artikel im sozialen Netzwerk wollen sie generell für das Thema sensibilisieren, die Gegner informieren und vor allem „aus der Opferhaltung herauskommen“ (Wölfel). Auch die anderen Mannschaften des FCR sollen Bescheid wissen, schließlich habe der Verein sofort sichtbare Gegenmaßnahmen wie Bewegungsmelder mit Licht oder Milchglasscheiben ergriffen. „Wir selbst sperren jetzt während des Trainings die Kabine immer zu, sind aufmerksamer und schauen, dass keine allein geht“, sagt Linnert. Das habe den Zusammenhalt der Truppe enorm gestärkt.

Die Lust der Euphorie

Das ist auch dem neuen Coach Bernd Forster sofort aufgefallen: „Das ist eine hungrige Mannschaft, die Bock hat auf Spielen und noch getragen wird von der Aufstiegseuphorie.“ Seit Juli leitet Forster die Damen an und nicht nur Spielleiter Jürgen Schreimel betont: „Das passt einfach.“ Rasch waren Forster, Verantwortliche und Spielerinnen auf einer Wellenlänge, weshalb er sein Engagement „bislang nicht bereut“ hat, sagt er lachend.

Als Forster beim SV Auerbach aufgehört hat, stand er vor der Wahl: sportlicher Leiter oder die Trainerlaufbahn weiter gestalten. „Der Platz liegt mir aber mehr, als das Organisatorische im Hintergrund.“ Da kam der Anruf aus Reichenschwand gerade recht. Er ist sich nach den ersten Wochen mit den Mädels sicher, dass sie sich schnell in der Bezirksliga zurechtfinden werden. „Sie sind jung und wollen was lernen und daher auch immer beim Training dabei“, lobt Forster.

Ist die Jugend vielleicht ein Nachteil? „Wenn sich die Damen zu sehr unter Druck setzen, weil sie mehr von sich erwarten, dann ja.“ Forster hofft aber eher auf den Faktor der Unbekümmertheit. Denn die Grundmischung im offensiv ausgerichteten Kader stimme. „Wir wollen die Klasse halten“, blickt Forster voraus, „und je nachdem, wie sich die Liga entwickelt, stecken wir die Ziele neu“.

Über die Flügel

Denn die Konkurrenz sei schwer einzuschätzen. Einige Vereine – wie Schnaittach oder Zirndorf – seien aus der Vorbereitung bekannt, bei den anderen wird sich Forster des Internets bedienen: „Ich hole mir Infos aus dem Netz und stelle mein Team dann entsprechend ein.“ Grundidee seines Spiels ist ein Vier-vier-zwei: „Wir müssen sicher stehen, bei Ballbesitz schnell umschalten und über die Flügel nach vorne stürmen.“ Auch das Gegenpressen über eine Überzahl im Mittelfeld bei Ballverlust hat Forster mit seinen Damen intensiv trainiert.

„Wenn wir uns konsequent an die Taktik halten, dann kann es funktionieren“, denkt Linnert. Das hätten die bisherigen Testspiele gezeigt. In Sachen Ergebnisse war alles dabei. Aber: „Die Mannschaft hat Wille und Charakter bewiesen. Auch als sie zwei Mal hinten lag, hat sie nicht aufgegeben“, hebt Forster hervor. Bei der Niederlage gegen den Post SV Nürnberg habe sein Team gut mitgehalten; es mangle halt noch an der Cleverness. Doch an der kann Bernd Forster mit seinen Mädels ja noch feilen.

Erste Partie der FCR-Damen ist am heutigen Samstag, 7. September, um 17 Uhr beim FC Schnaittach.

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch