Corona-Shutdown

Karatetrainerin Maria Weiß setzt auf Online-Trainingsangebote

Die „neue Normalität“ für Maria Weiß: Statt mit ihnen in der großen Halle zu trainieren, hält sie ihre Karateschüler via Zoom fit. | Foto: privat2021/02/DSC01851.jpg

HERSBRUCK – Die erneute Verlängerung des Shutdowns bis 7. März bedeutet auch für Amateur- und Freizeitsportler mindestens drei zusätzliche Wochen ohne Training und Wettkampf. Für Maria Weiß heißt das: Sieben der letzten zwölf Monate musste ihre Karateschule zu bleiben. Trübsal bläst die Hersbruckerin dennoch nicht, sie versucht das Beste aus der vertrackten Situation zu machen – mit Onlinetrainingsangeboten.

Aus einem macht die frühere Ausnahmeathletin und Teamweltmeisterin von 2008 keinen Hehl: So sehr ihr Jammern über die gegenwärtige Situation auch gegen den Strich geht, eines sorgt – im Unterschied zu manch anderen Gewerbetreibenden – trotz allem für eine gewisse wirtschaftliche Sicherheit: dass ihr Mann Andreas als Berufsschullehrer tätig ist. Und natürlich, dass die große Mehrzahl der Mitglieder seit Beginn der Pandemie und allen daraus folgenden Einschränkungen zum Trotz ihrer 2013 eröffneten Karateschule weiter die Treue hält.

Mitglieder machen Mut

Im ersten Shutdown drehten Maria und Andreas Weiß eine Reihe von Videos, die sie ihren Mitgliedern unter einem exklusiven Link für das Heimtraining zur Verfügung stellten, buchten ab April sogar nur noch den halben Monatsbeitrag ab. Das Feedback sei durch die Bank positiv gewesen, viele „haben mir damals geschrieben, das sei okay – Hauptsache euch gibt es weiter“, berichtete Maria Weiß damals der HZ. Und auch die staatlichen Soforthilfen für Kleinunternehmen hätten geholfen, das Karatecentrum „KaKenko“ durch die erste Zwangspause zu bringen.

Mitte Mai gehörten die beiden dann zu den ersten, die die „neue Normalität“ im Freizeit- und Breitensport wieder möglich machten: mit abendlichen Trainingseinheiten im Rosengarten – ob „Sandsack-Workouts“, Qi Gong, Tai Chi oder Bogu-Kumite. Ab Anfang Juni gingen dann auch wieder die gewohnten Kurse in der 200 Quadratmeter großen Halle los – bis es am 2. November wieder hieß: „Schicht im Schacht“, gemeinsames Training nicht mehr erlaubt.

Doch da hatten Maria und Andreas Weiß die Lektion aus dem ersten Shutdown längst gelernt: Nur wenige Tage nach dem neuerlichen Zwangsstopp boten sie fast alle Kurse als Onlinetraining an, hatten sich dafür eigens eine hochwertigere Kamera und schnelleres Internet zugelegt und alle Mitglieder, deren E-Mail-Adresse sie haben, darüber informiert. „Das ist eine schöne Alternative“, sagt Maria Weiß, „und es gibt ja keine andere Lösung.“

Schwarzer Schirm

Das Training vor dem PC-Bildschirm dagegen lässt Corona keine Chance – und macht vielen Mitgliedern auch großen Spaß. Das jedenfalls ist Tenor vieler Rückmeldungen. „Sogar die Teilnehmer unseres Seniorenkurses finden das super“, freut sich Maria Weiß, obwohl gerade ihnen der persönliche Kontakt zu den anderen aus der Gruppe besonders fehle, weil sie neben Karate vor allem die Geselligkeit schätzen.

Auch an anderer Stelle macht sich der fehlende direkte Kontakt mitunter negativ bemerkbar: Konnte die erfahrene Trainerin in den „Live“-Trainingsstunden in der Halle ihren Schützlingen sofort Tipps und Hilfestellung geben, ist das via Zoom-Galerieansicht nur bedingt möglich. „Manche schalten die Kamerafunktion sogar ab, da wird’s für mich dann schon schwierig“, erzählt Maria Weiß.

Um das Angebot nicht nur auf das reine Training zu beschränken und stattdessen zusätzliche Anreize zu setzen und die Motivation zu steigern, nehmen die beiden Vollblut-Karateka online inzwischen auch Gürtelprüfungen ab. Selbst die Selbstverteidigungskurse sind jetzt digital verfügbar – weil die aber nur zu zweit funktionieren, müssten die Teilnehmer dafür eben ihren Lebenspartner „einspannen“, empfiehlt Weiß.

Nicht ganz so gravierende Auswirkungen hatte der Shutdown lange für die Leistungssportler des „KaKenko“ – sie dürfen analog zu Profisportlern weiter trainieren, sofern sie wie Charlotte Rühlmann dem Bundeskader oder wie acht andere Hersbrucker dem bayerischen Landeskader angehören. Bis Mitte Dezember hielten sie sich vor Ort fit, auch in direkten Kämpfen mit Körperkontakt. Vor kurzem aber stoppte selbst Bundestrainer Klaus Bitsch das Präsenztraining und stieg auf die Onlinevariante um.

Perspektiven fehlen

Dabei spielte sicher auch der Umstand ein Rolle. dass den Kaderathleten derzeit jegliche sportliche Perspektive fehlt: „Wozu sollen sie auf höchstem Niveau trainieren?“, fragt Maria Weiß, Wettkämpfe fänden derzeit ohnehin nicht statt.

Alle Infos zu den Onlineangeboten des Karate- und Gesundheitszentrums gibt es im Internet unter www.karate-hersbruck.de

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