Feuchter Schützin ist Vize-Europameisterin

„Innerlich haben wir gewonnen“

Die Enttäuschung ist der Freude über die Silbermedaille gewichen: Michelle Kroppen, Lisa Unruh und Charline Schwarz (von links) freuen sich über ihr Abschneiden. | Foto: DSB2021/06/Feucht-Charline-Schwarz-Antalya.jpg

FEUCHT/ANTALYA – Nach einer fragwürdigen Entscheidung der Kampfrichter reicht es für die Feuchter Bogenschützin Charline Schwarz im Teamwettbewerb der Europameisterschaft in der Türkei zu Silber. Jetzt richtet sie ihren Blick auf die olympischen Spiele in Tokio.

Für Charline Schwarz geht es aktuell Schlag auf Schlag: Nachdem die 20-jährige Schützin der BS Feucht noch vor wenigen Tagen beim European Youth Cup in Slowenien zwei Goldmedaillen einheimste und erfolgreichste Athletin des Turniers wurde, ging sie nun bei den Europameisterschaften der Erwachsenen für Deutschland an den Start. In Antalya lief es zu Beginn jedoch nicht sonderlich rund, sowohl im Einzel als auch im Mixed ging die deutsche Auswahl leer aus.

Deutlich besser verlief dagegen der Mannschaftswettbewerb der Frauen: Zusammen mit Michelle Kroppen und Vize-Olympiasiegerin Lisa Unruh setzte sich Charline Schwarz gegen Österreich (6:0), Tschechien (5:4 mit 28-26 im Stechen) und Dänemark (6:2) durch und qualifizierte sich verdient für das Goldfinale. Dort traf das deutsche Trio vergangenen Sonntag auf Russland, das nach einem Weltrekord in der Qualifikation als klarer Favorit ins Finale startete. Kroppen legte vor, Schwarz folgte, ehe Routinier Unruh die Passe beendete. Auffällig war die Harmonie innerhalb der Mannschaft, nach jedem Schuss tauschten sich die Athleten kurz aus und gaben sich Tipps, wie der Wind einberechnet werden muss.

Den Favoriten geärgert

Die deutsche Auswahl gestaltete das Finale lange Zeit ausgeglichen, Satz eins ging mit 52:51 an Russland, Satz zwei sicherte sich das deutsche Team mit 53:51. Im dritten Satz nutzten die Russinnen eine windbedingte Schwäche von Michelle Kroppen und sicherten sich mit dem 54:53 die 4:2-Führung – somit reichte Russland im vierten Durchgang bereits ein Unentschieden für die Goldmedaille. Nachdem die deutschen Frauen 55 Ringe in der vierten Passe vorgelegt hatten, mussten die Russinnen nachziehen. Der letzte Pfeil flog augenscheinlich in die Acht, ein Stechen hätte schließlich die Entscheidung bringen müssen.

Die Kampfrichter werteten den Pfeil jedoch als Neun, auch die Beschwerden von Deutschlands Co-Trainer Marc Dellenbach änderten nichts an der Entscheidung. Somit kamen die Russinnen ebenfalls auf 55 Ringe und durften sich als glückliche Gewinner über die Goldmedaille freuen – zum Ärger von Bundestrainer Oliver Haidn. Auf der Homepage des Deutschen Schützenbundes bilanzierte er: „Unsere Damen haben richtig gut geschossen. Ein Stechen wäre der gerechte Lohn gewesen. Wir sind nicht glücklich über diese Fehlentscheidung, aber wir fahren stolz nach Hause. Innerlich haben wir gewonnen.

Eine Meinung, die Michelle Kroppen teilte: „Wir sind stolz auf unsere Medaille, aber leider wurde uns die Möglichkeit zu einem Sieg aufgrund einer Kampfrichterentscheidung verwehrt. Das macht uns traurig, aber wir schauen positiv auf die nächsten Wettkämpfe.

Das Ziel sind die olympischen Spiele

Trotz der unglücklichen Finalniederlage kann Schwarz positiv auf ihre erste Teilnahme im Erwachsenenbereich zurückblicken. „Es war ein sehr schönes Gefühl, Deutschland bei der EM vertreten zu dürfen. Durch den Teamerfolg blicke ich zuversichtlich auf die kommenden Wettkämpfe“, sagt sie. Ihr großes Ziel ist nach wie vor die Teilnahme an den olympischen Spielen in Tokio. Um die Chance auf einen der drei begehrten Startplätze zu wahren, muss sie beim letzten Qualifikationsturnier am kommenden Wochenende ihre starken Leistungen der vergangenen Monate bestätigen. „Ich werde natürlich mein Bestes geben“, verspricht die Feuchterin selbstbewusst.

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