Für Conny Ohr ist Laufen ein Genuss

Cornelia Ohr gönnt sich bei ihren Laufrunden Pausen, um die heimische Natur – wie die Leuzenberger Quelle – bewusst zu erleben. | Foto: privat2019/09/68889365_372978523345360_210066184297932.jpeg

HERSBRUCKER SCHWEIZ – Endlich Ferien. Endlich Zeit für sich selbst, für die Familie, für Freunde. Auch wir in der HZ-Redaktion nehmen uns jetzt immer mal wieder eine kleine Auszeit und tun das, was wir am liebsten machen: mit Leuten ins Gespräch kommen und uns ihre Geschichte erzählen lassen. Heute spricht die Reichenschwanderin Conny Ohr über Genuss und Laufsucht.

Der ein oder andere hat Ihren Namen sicher schon in der HZ gelesen – beim Challenge Roth oder diversen Ultra-Läufen. Seit wann laufen Sie schon und wie oft in der Woche?
Conny Ohr: Ich jogge schon mein ganzes Leben lang. Bis ich schwanger wurde, habe ich auch Leichtathletik beim FC Reichenschwand betrieben und Wettkämpfe absolviert. Als meine beiden Kinder klein waren, war ich zwischenzeitlich mit ihnen im Radanhänger unterwegs. Das war damals erst das zweite Exemplar in Deutschland und das Erste im Landkreis. Als sie größer waren, bin ich wieder laufen gegangen. Wenn das ganz normale Leben läuft, dann gehe ich fünf Mal in der Woche laufen und im Sommer noch Rennradfahren.

Puh, das hört sich bei einer 40-Stunden-Arbeitswoche ja fast nach Stress an.
Nein, gar nicht, weil ich mir vor allem keinen psychischen Stress mache. Die Zeit ist mir egal. Auch bei Wettbewerben ist mein Motto „Ankommen ist das Ziel“. Denn mittlerweile kenne ich meinen Körper und höre auf ihn. Beispielsweise bin ich den Jungfraumarathon beim ersten Mal mit Trainingsplan gelaufen; beim zweiten Mal ohne – und war besser. Ja, ich bin schon ein bisserl laufsüchtig und wenn alles passt, komme ich auch erst nach drei oder vier Stunden wieder heim.

Dann wissen Sie gar nicht, welche Strecke und Länge Sie laufen?
Nein, ich weiß nicht, wohin mein Weg genau führen wird. Wenn ich meinen Trinkrucksack auf habe, weiß ich, dass es länger wird. Oder vor einem Marathon ist klar, dass es um die 30 Kilometer werden, aber nicht wo die sein werden. Oft geht es mir so, dass ich beispielsweise am Moritzberg bin und den Glatzenstein sehe und mir denke, da wäre ich etz auch gern. Dann laufe ich da.

Wenn schon keine Lieblingsstrecke, haben Sie Lieblingspunkte, die Sie regelmäßig ablaufen?
Ich mag eine Anhöhe bei Rüblanden besonders, weil ich da eine tolle Sicht auf Moritzberg, Glatzenstein und Hansgörgl hab. An Stau- und Baggersee fühle ich mich wie im Urlaub. Aber auch der Kirchenweg oder Pfade und Trails aus meiner Kindheit laufe ich liebend gern.

Laufen als Genuss also?
Bei mir gibt es Lauffenster – das sind Aussichtspunkte oder Wiesen, auf denen Rehe stehen. Da bleibe ich stehen und mache Fotos oder schaue einfach in die Natur. Diese Pausen finde ich nicht schlimm, im Gegenteil. Ich ziehe da ganz viel positive Energie raus. Ich muss einfach viel draußen sein und nutze das Laufen auch, um Deko für daheim einzusammeln. Wenn ich beide Hände voller Butzelküh‘ hab, hoffe ich, dass ich nicht stürze.

Wie kann man denn bei der Anstrengung noch einen Blick für die Natur haben?
Ich finde, da erlebt man die Umwelt ganz anders: Ich rieche die Erde intensiver, höre mehr die Grillen und das Vogelgezwitscher. Wenn ich im Winter durch den ersten Schnee laufe und es knirscht, das ist toll. Ich liebe es auch, die Osterbrunnen abzulaufen oder die Adventsdeko im Ort. Da kommt die Weihnachtsstimmung schon im Laufen rüber.

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Welche Rolle spielen Wettkämpfe?
Früher bin ich viele gelaufen, heute nicht mehr, aber ich lasse mich da gerne von anderen anstecken. Das sind dann Wettbewerbe hier in der Heimat oder in der Nähe wie im Taubertal. Im Prinzip ist ein Rennen der Lohn fürs Training, wobei ja für mich das Laufen eher eine Meditation ist. Ich hab Musik in einem Ohr und kriege den Kopf frei.

Das geht sicher besser alleine.
Ich bin auch gerne in Gesellschaft unterwegs. Wenn ich mich mit Freundinnen treffe, dann grasen wir das Gebiet dort ab. Allerdings habe ich auch keine Bedenken, alleine morgens um fünf Uhr loszugehen. Man sieht ja immer die gleichen Leute. Einen habe ich schon dazu erzogen, „guten Morgen“ zu sagen. So starte ich schon mit einem Highlight in den Tag.

Gibt es noch einen läuferischen Traum?
Gerade nicht. Nur … ich möchte so lange wie möglich laufen können. Daher jogge ich lieber bewusst und dafür hoffentlich noch für den Rest meines Lebens.

Auch im Urlaub?
Ja, beim Laufen kann man die Gegend am besten erkunden. Aber hier bei uns ist es auch einfach schön – selbst bei Regen oder Nebel. Die Gegend sieht ja immer anders aus. Ich liebe Sonnenauf- und -untergänge. Da ist es mir schon mal passiert, dass ich am Glatzenstein stand und geschaut hab und plötzlich war es dunkel. Jetzt hab ich immer das Handy dabei, denn das hat Licht.

Heimat bedeutet für Sie …
… dass wir eine richtig coole Gegend haben, in der es nie langweilig wird, weil sich vieles verändert. Wir wissen das leider oft nicht zu schätzen. Es gibt Seen, Berge, die Möglichkeit zum Skisport. Und Heimat ist für mich auch da, wo Familie und Freunde sind – also hier.

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch