Roland Schwarz will 2020 nach Tokio

Der Traum von Olympia

Roland Schwarz (links), hier bei einem Bundesligakampf für den ASV Mainz, will zu den olympischen Spielen 2020. | Foto: privat2016/08/Feucht-Ringer-Roland-Schwarz-in-Mainz.jpg

FEUCHT – Andere in seinem Alter starten zum Ferienanfang in eine ziemlich entspannte Zeit. Für Roland Schwarz, 19 Jahre, Ringer, beginnen harte und disziplinierte Wochen. Dieses Wochenende fährt er ins Trainingslager: zwei Wochen Berlin, zwei Wochen Moskau. Gemeinsam mit anderen Spitzensportlern wird der Wahlfeuchter sich dort auf die Weltmeisterschaften der Junioren Ende August in Frankreich vorbereiten. Während die Olympia-Athleten in Rio ringen, trainiert er, um seinem großen Ziel Stück für Stück näher zu kommen: 2020 will auch er bei den Olympischen Spielen in Tokio antreten.

Roland Schwarz ist ein deutscher Nachwuchsringer, den man auf jeden Fall im Blick behalten sollte. Aufgewachsen in Bayreuth, begann Schwarz mit acht Jahren beim ASC Bindlach zu ringen. Seit vier Jahren besucht er die Bertolt-Brecht-Sportschule in Langwasser, seit zwei Jahren wohnt er in Feucht. In der Einzelsaison, von Januar bis Anfang September, tritt er noch immer für den ASC an. Seit 2015 kämpft er zudem für den Bundesligisten ASV Mainz 1888, Titelverteidiger der Staffel Nord und Deutscher Meister, in der ersten Liga. Bei der Ende August in Frankreich anstehenden Junioren-WM ringt er in der Nationalmannschaft.

Juniorenmeister

Sein Aufstieg ist nicht unbegründet. In den letzten Jahren konnte der junge Athlet gute Ergebnisse erzielen: 2013 wurde Schwarz Deutscher A-Jugend-Meister. 2015 belegte er Platz fünf bei den Junioren-Europameisterschaften in Bukarest. Im Kampf um Bronze war er seinem Gegner, dem Rumänen George Vlad Mariea, nur knapp unterlegen – sein bisher größter Erfolg. Dieses Jahr setzte er sich bei den nationalen Meisterschaften in Remseck am Neckar gegen 21 andere Teilnehmer in seiner Gewichtsklasse durch und errang den Titel des Juniorenmeisters.

Greco-Spezialist

Der Feuchter ist Greco-Spezialist in der Gewichtsklasse bis 74 Kilo (Weltergewicht). Beim Griechisch-Römischen Stil (Greco) darf, im Gegensatz zum Freistil, der Körper nur oberhalb der Gürtellinie angegriffen werden. „Es gibt tausend Techniken und Griffe“, so Schwarz. „Vor dem Wettkampf schießen dir all die Möglichkeiten durch den Kopf.“

Im Kampf, der nur zweimal drei Minuten mit 30 Sekunden Pause dauert, denke man nicht mehr nach. Dann gilt es das im Training Gelernte schnell und sauber anzuwenden. Das Körpergedächtnis kommt zum Einsatz. Hauptziel: Den Gegner auf den Rücken, besser noch auf beide Schultern, legen. Wenn das nicht gelingt, werden verschiedene Teilerfolge gewertet.

Klarer Punkt für den Wahlfeuchter Schwarz. Dem 20-Jährigen gelingt es seinen Kontrahenten auf die Schultern zu legen.
Klarer Punkt für den Wahlfeuchter Schwarz. Dem 20-Jährigen gelingt es seinen Kontrahenten auf die Schultern zu legen. | Foto: privat2016/08/Feucht-Ringer-Roland-Schwarz1.jpg

 

Talentschmiede in Nürnberg

Sein Training absolviert der junge Ringer beim SV Johannis 07. Der Verein ist einer der Bundesstützpunkte. Bei den „Grizzlys“ trainieren die besten Ringer aus Bayern. Zweimal am Tag geht Schwarz dort ins Training, etwa alle zwei Wochen fahren sie in ein Trainingslager, in dem die Besten aus Deutschland zusammen kommen.

So viel Sport treiben und trotzdem einen Schulabschluss machen, das funktioniert nur, weil die Bertolt-Brecht eine Sportschule ist, in der man für Trainings und Wettkämpfe freigestellt wird. Dank der Schulzeitstreckung wird dort zudem die Oberstufe von zwei Jahren auf drei Jahre verlängert. „Im letzten Halbjahr hatte ich 12 Wochenstunden, da verpasst man nicht so viel, wenn man fehlt“, sagt Schwarz. Die eine Hälfte des Schuljahres sei er in der Schule, die andere Hälfte unterwegs. Nächstes Jahr macht er sein Abi. Danach möchte er studieren, vielleicht International Business.

Strenge Diät

Neben dem harten Training, bringt das Ringen, wie alle Sportarten mit Gewichtsklassen, noch eine weitere Herausforderung mit sich, die viel Disziplin verlangt: das „Abkochen“. „Eigentlich wiege ich 82 Kilo“, gesteht Schwarz. Für die Wettkämpfe in seiner 74 Kilo-Klasse muss Gewicht runter. Zwei bis drei Wochen vor den Wettkämpfen hält er streng Diät, versucht während der Liga sein Gewicht zu halten. Eigentlich hat es immer geklappt, manches Mal aber sei es „der Horror“ gewesen. „Letztes Jahr im November habe ich für einen Bundesligakampf ziemlich spät Bescheid bekommen. Donnerstagabend wusste ich, dass ich zwei Tage später antreten soll. Ich habe sofort nichts mehr gegessen, mich dick und warm angezogen und Sport gemacht. Am Samstag haben noch ein paar hundert Gramm gefehlt. Da bin ich zum Seilspringen in die Sauna gegangen.“

Für die Weltmeisterschaften im französischen Macon hat Schwarz nun zum Glück noch mehr als drei Wochen Vorbereitungszeit. Wer nach Olympia die Karriere eines ganz heißen Ringer-Kandidaten für die nächsten Spiele verfolgen möchte, der kann am 30. August im Livestream auf www.unitedworldwrestling.org Roland Schwarz im Kampf um den Junioren-WM-Titel sehen.

N-Land Julia Hornung
Julia Hornung