European Masters Games

Bronze für Karateka Lothar Fink

Mit schnellen Faustangriffen kam Lothar Fink (links) in Turin zum Erfolg in den einzelnen Begegnungen. | Foto: Brigitte Kraußer2019/08/Karate.jpg

HERSBRUCK – Lothar Fink wirkt verunsichert: Warum ist beim normalen Karate-Training die Presse da? Was hält Coach Andreas Weiß da bloß in Händen?

Auch wenn der Reichenschwander Karateka versucht, sich weiterhin konzentriert zu dehnen, man sieht seine Gedanken förmlich rattern. Da erlöst ihn Andreas Weiß, versammelt alle anwesenden Sportler in einem großen Rund – um Lothar Fink „zu seinem wohl größten Erfolg seiner Karriere“ zu gratulieren.

Der 55-jährige drahtige Athlet hat nämlich bei den „European Masters Games“ in Turin in seiner Altersklasse M5 -84 Kilo im Kumite Bronze abgeräumt. „Das hat er im Alleingang geschafft, weil wir hier im Karatecentrum vor allem jüngere Wettkämpfer im Blick haben“, erklärt Weiß. Stolz auf die Leistung seines Schützlings lobt er dessen Disziplin und Ehrgeiz und überreicht ein Erinnerungsstück aus Turin.

Kurz auf die Matte

Applaus der Sportkameraden brandet auf. „Ich bin echt geplättet“, bringt Fink überrascht hervor. Und gibt zu: Er habe ja schon was geahnt und vorsichtshalber mal seine Bronzemedaille in die Trainingstasche gepackt. Die zieht er zur kleinen Feier nach dem verkürzten Training – ohne geht es für Fink nicht – auch heraus.

Erarbeitet hat er die glänzende, schwere Scheibe um seinen Hals streng genommen über rund eineinhalb Jahre hinweg. Seit diesem Zeitpunkt läuft die Vorbereitung. „Es ist schon schwer, sich so lange zu fokussieren“, gibt er unumwunden zu. Schließlich wollen Arbeitsleben, Lehrgänge, wöchentliches Training und Familie unter einen Hut gebracht werden. „Da musste ich mir oft Zeit freischaufeln.“

Bei Andreas und Maria Weiß habe er die perfekte Unterstützung sowie „optimale Bedingungen“ gefunden, betont er. Und das nicht nur, weil die erfahrene Athletin Maria Weiß Tipps für Fink parat hatte. Sie hat ihm auch einen Trainingsplan für die letzten sechs Wochen vor Turin auf den Leib geschneidert – mit Kraft-, Ausdauer- und Wettkampftraining.

An den fünf Tagen in Turin war Fink dann auf sich allein gestellt – mehr oder weniger. „Es waren etwa zehn Wettkämpfer aus Mittelfranken dabei, die ich von speziellen Trainings in Hersbruck her kenne.“ Und nicht nur deshalb fühlte sich Fink in der 76 Mann starken Truppe aus Deutschland – der Älteste war laut Fink übrigens über 70 Jahre alt – gleich wohl: „Wir waren ein echtes Team, haben uns gegenseitig gecoacht, aufgebaut und getröstet.“ Für einen Nicht-Profi sei das ein ganz tolles Gefühl, etwas, das man selten erlebt, schwärmt der Reichenschwander.

Ohne Unterschied

Vor vier Jahren bei seiner Masters-Premiere in Nizza war die Medaille sogar noch Gold. „Aber damals wurde noch zwischen Profi und Hobby-Athlet unterschieden. Diese Klassifizierung fiel diesmal weg“, erläutert Fink. Kader-Athleten machten daher einen Großteil von Finks Konkurrenz aus. „Ich habe vorher die Namen gegoogelt.“ Aufgeploppt seien lauter italienische Hochkaräter mit eigenen Karateschulen oder erfahrene Wettkämpfer. Das ließ den Respekt bei Fink noch mehr wachsen: „Man sollte so was manchmal halt nicht machen“, schmunzelt er. Aber anderen gehe es umgekehrt sicher genauso.

Fink war auf den Punkt fit, startete einen Durchmarsch bis ins Halbfinale. Seine Stärke: „Schnelle Angriffe mit Faust und Fuß.“ Nach dieser Serie sei es schon schade, den Endkampf verpasst zu haben, aber man müsse da eben selbstkritisch sein, analysiert Fink nüchtern.

Zwei Minuten Einsamkeit

Wie er das meine? Naja, die Taktik, die man sich vorher zurechtgelegt habe, gehe nicht immer auf. „Eine Begegnung dauert nur zwei Minuten und da bist du ganz auf dich gestellt – trotz Betreuer und Trainer am Mattenrand.“
Trotzdem ist der Reichenschwander „sehr zufrieden“: „Ich wollte aufs Podest und das habe ich erreicht.“ Der 55-Jährige hat schon die nächsten Ziele: „Nächstes Jahr deutscher Meister und den ein oder anderen internationalen Titel.“

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