Gastspiel mit Wildtieren in Hersbruck

Zirkus ist im Recht – und die Moral?

Für die fünf Löwen hatte der Zirkus Althoff ein Gehege auf einer Privatwiese im Pegnitzgrund aufgebaut. | Foto: Katja Bub2017/06/loewen-Circus.jpg

HERSBRUCK – Der Auftritt des Zirkus Althoff mit seinen Wildtieren in Hersbruck hatte bereits im Vorfeld zu Diskussionen geführt. Nun hat sich auch der Verband deutscher Circusunternehmen (VDCU) eingeschaltet und in einer Stellungnahme Partei für Althoff ergriffen. Zugleich sprach die Hersbrucker Zeitung mit der Tierethikerin Ursula Wolf von der Uni Mannheim über die moralische Seite. Die Professorin glaubt nicht, dass ein kleiner Zirkus große Wildtiere so transportieren und unterbringen kann, dass sie sich wirklich wohlfühlen.

Der VDCU betont in seinem Schreiben, „dass der Zirkus völlig im Recht ist und sich kein Fehlverhalten vorwerfen lassen muss.“ Der Zirkus Althoff hatte sein Lager auf einer Privatwiese aufgeschlagen. Die Stadt fühlte sich dadurch umgangen. Der VDCU kontert nun: „Schon vor über 30 Jahren hat man den Zirkusunternehmen gesetzlich zugesprochen, auch ohne städtische Genehmigung auf privaten Plätzen Gastspiele geben zu dürfen.“

Und auch dass die Stadtratsfraktionen in Hersbruck einhellig einen Zirkus mit Wildtieren ablehnen, greife nicht. Es gebe „inzwischen mehrere Urteile von Verwaltungsgerichten und auch Oberverwaltungsgerichten, die das kommunale Wildtierverbot klar als rechtswidrig bezeichnen“, so der Verband deutscher Circusunternehmen, dem unter anderem auch der Zirkus Flic Flac und der Zirkus Charles Knie angehören. Außerdem verpflichte sich jedes Mitglied des Verbands, die Auflagen der Tierhaltegenehmigung zu erfüllen. „Nach unseren Unterlagen hatte der Zirkus hier bisher nur positive Eintragungen der kontrollierenden Veterinäre“, so der VDCU. Die Stadt Hersbruck äußerte sich am Montag nicht mehr zu der Sache.

Die Philosophie-Professorin Ursula Wolf meint: „Bei großen Wildtieren ist es enorm schwierig und aufwendig, sie so zu transportieren und am Spielort so unterzubringen, dass sie sich wohlfühlen; und ein kleiner Zirkus wird dazu kaum die Mittel haben. Und auch bei der Dressur werden oft negative Erfahrungen zugefügt, um Verhalten zu ändern.“ Sie fügt aber noch an, dass man immer den Einzelfall betrachten müsse. Es gebe durchaus auch freiwillige Kooperationen zwischen Mensch und Tier, wie der Verhaltensforscher Immanuel Birmelin gezeigt habe. Voraussetzung sei, dass zum Beispiel die Raubtiere in der menschlichen Umgebung geboren seien. Mit „Zeit und Geduld“ und „ohne Zwang und negativen Reizen“ könne man sie „spielerisch zu komplizierten Formen der Zusammenarbeit bringen“. Dann hätte sie keine Einwände gegen Tiere im Zirkus.

Mehr über den ethischen Umgang mit Tieren im kompletten Interview in der gedruckten HZ vom Dienstag, 20. Juni.

N-Land Katja Bub
Katja Bub