Erneute Messungen im Birkensee

Schadstoffwerte sind gesunken

Taucher entnahmen Ende November 2015 im Auftrag des Wasserwirtschaftsamts Proben aus dem Birkensee. Diesmal wurde nur Oberflächenwasser getestet.
Taucher entnahmen Ende November 2015 im Auftrag des Wasserwirtschaftsamts Proben aus dem Birkensee. Diesmal wurde nur Oberflächenwasser getestet. | Foto: PZ-Archiv/Sichelstiel2016/09/pz-125081_tauchgangbirkenseetaucherprobebootpftneu.jpg

RÖTHENBACH — Die Schadstoffwerte an der Oberfläche des Birkensees sind im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Dennoch bleibt es bei einer Badewarnung.

Nur an zwei Stellen des Sees war bei Messungen im März dieses Jahres die Marke von drei Mikrogramm pro Liter Wasser überschritten. Dies teilte das Landratsamt in Lauf am Donnerstag mit. Die höchsten Belastungen wurden am Südufer gemessen und nahe des Platzes, an dem zuletzt der Container der Wasserwacht stand.

Kein ausdrückliches Badeverbot

Laut Behördensprecher Rolf List können gesundheitliche Auswirkungen trotzdem „nicht mit letzter Sicherheit ausgeschlossen werden“. Daher bleibe es bei der Empfehlung des Landratsamts, nicht in dem Gewässer im Reichswald zwischen Diepersdorf und Schwaig zu baden. Ein Verbot, so List zur Pegnitz-Zeitung, sei dies ausdrücklich nicht.

Zum Vergleich: Der höchste an der Seeoberfläche gemessene Wert lag vergangenes Jahr bei über sieben Mikrogramm pro Liter. Solche Messungen stellen aber immer nur Momentaufnahmen dar. Als im Sommer 2015 erstmals deutlich erhöhte Schadstoffwerte öffentlich bekannt wurden, war der Wasserspiegel infolge anhaltender Trockenheit ausgesprochen niedrig. Derzeit liegt er höher.

Keine Proben vom Seeboden

Vom Seeboden, so Sprecher List, seien diesmal keine Proben genommen worden – „uns interessiert vor allem, was an der Oberfläche ist, weil dort die Schwimmer unterwegs sind“. Durchgeführt hat die Analyse das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen

Noch immer läuft die Suche nach dem Verursacher. Nach wie vor konnte dieser trotz einer aufwändigen Ermittlung (die Pegnitz-Zeitung berichtete) nicht ausfindig gemacht werden. Bleibt es dabei, müssen die Staatsforsten als Grundstückseigentümer für die Sanierung aufkommen.

Schadstoff löst im Tierversuch Krebs aus

Bei dem im Birkensee gefundenen Schadstoff handelt es sich um Perfluoroctansulfonat (PFOS), eine Chemikalie, die im Tierversuch krebsauslösende Wirkung gezeigt hat. Sie darf zwar eigentlich weder hergestellt noch verwendet werden, doch gab und gibt es Ausnahmeregelungen. Der Stoff ist beliebt, denn er sorgt dafür, dass Flüssigkeiten leicht von Oberflächen abperlen und verhindert Sprühnebel.

Laut Umweltbundesamt war der galvanischen Industrie die Verwendung bis 2015 gestattet. Nach Angaben des Nürnberger Wasserwirtschaftsamts stammt die Schadstoffkonzentration im See höchstwahrscheinlich aus einem Galvanikbetrieb. Dies hätte eine Analyse des Stoffspektrums ergeben. Im benachbarten Finstergraben, in den über die Kläranlage das Abwasser der Diepersdorfer Bolta-Werke gelangt, sei das Spektrum allerdings ein ganz anderes. Das PFOS im See kommt demzufolge nicht aus dem ebenfalls belasteten Finstergraben. Bolta verwendet nach eigener Aussage bereits seit 2012 PFOS-Alternativen.

Das Wasserwirtschaftsamt geht außerdem davon aus, dass das PFOS eher nicht über das Grundwasser in den Birkensee gelangt ist. Wahrscheinlicher sei ein punktueller Eintrag. „Es reicht schon eine Schubkarre mit belasteter Erde“, so Behördenleiter Ulrich Fitzthum im November 2016 zur Pegnitz-Zeitung.

Es gibt keinen Grenzwert

Ein gesetzlicher Grenzwert für PFOS existiert nicht. Für Trinkwasser hat eine Kommission des Umweltbundesamts im September 2016 einen neuen Leitwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter festgelegt. Er benennt die aus wissenschaftlicher Sicht bei lebenslanger Aufnahme „gesundheitlich duldbare Konzentration“. An der Oberfläche des Birkensees ist sie teilweise um den Faktor 30 überschritten.

N-Land Andreas Sichelstiel
Andreas Sichelstiel