Radelnder Protest in Ochenbruck

Nase voll von Feinstaub und Stickoxiden

Der Zuspruch zum Radl-Korso auf der B8, mit dem die BI auf ihr Anliegen aufmerksam machte, war viel größer, als von den Organisatoren erwartet. | Foto: Blinten2018/03/Radl-Demo-B8.jpg

SCHWARZENBRUCK – 24.000 Fahrzeuge rollen täglich über die B8 durch Ochenbruck, Tag und Nacht. Das will die Bürgerinitiative „Albtraum B8“ jetzt ändern. Mit einem Fahrradkorso und einer anschließenden Informationsveranstaltung in der Bürgerhalle machten die Aktivisten nun eine breite Öffentlichkeit auf ihre Anliegen aufmerksam.

Belastungen durch Feinstaub und Stickoxide wurden in den vergangenen Monaten immer wieder im Zusammenhang mit dem Diesel-Skandal diskutiert. Ochenbruck ist nach Überzeugung der Bürgerinitiative besonders belastet mit Abrieben von Kupplungen und Bremsscheiben, die als feinste Staubpartikel die Luft verschmutzen, ebenso von den von Diesel-Fahrzeugen ausgestoßenen Stickoxiden – ganz zu schweigen von der Lärmbelastung.

Dr. Peter Schleicher wohnt seit 59 Jahren in Schwarzenbruck und hat beobachtet, wie der Verkehr über die Jahre immer weiter zunahm. Als Umweltmediziner erläuterte er in der Bürgerhalle, welche Gefahren Feinstaub, Stickoxide und Lärm für die menschliche Gesundheit darstellen.

Erhöhtes Krebs-Risiko

Feinstaub erzeugt Allergien und wird für Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems verantwortlich gemacht. Er gilt wie Stickoxide als krebsauslösend und erhöht das Risiko, an Alzheimer zu erkranken. Außerdem verursacht er Entzündungen in den Lungenbläschen.

Stickoxide erhöhen das Risiko, an Asthma zu erkranken. 16.000 Menschen, so rechnete Schleicher vor, sterben in Deutschland vorzeitig an Feinstaub, 6000 bis 8000 vorzeitig an Stickoxiden.

„Wir müssen deshalb alle umdenken“, appellierte der Mediziner an sein Publikum. Umdenken heißt unter anderem: Die Automobilindustrie muss mit technischen Maßnahmen die Fahrzeuge sauberer machen und die Verkehrspolitik muss so umsteuern, dass der öffentliche Nahverkehr attraktiver wird.

Gerhard Humplmair forderte, die Durchfahrt durch Ochenbruck durch bauliche Maßnahmen zu erschweren, das gebe es in anderen Bundesländern auch (links) | Foto: Blinten2018/03/BI-Albtraum-B8.jpg

 

„Lärm macht ebenfalls krank“, betonte Markus Ganserer, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion im Landtag. Die jährlichen durch Lärm verursachten Gesundheitskosten in Deutschland bezifferte er auf 9,1 Milliarden Euro. Deshalb seine Forderung: „Die Lärmschutzgesetze müssen geändert werden.“

Derzeit gilt für Menschen, die an bestehenden Straßen wohnen, ein viel geringerer Lärmschutz als für diejenigen, die an neu ausgebauten Verkehrswegen leben. Zum Schutz der Menschen dient nach Überzeugung der Grünen auch Tempo 30, das sie flächendeckend einführen wollen. Jede Kommune sollte dann entscheiden können, ob die Geschwindigkeitsbegrenzung etwa auf einer durch ihr Gebiet verlaufenden Bundesstraße gelten soll.

Für nächtliches Tempo 30

Ganserer ist auch in Sachen Tempo 30 für Lkw in der Nacht auf der Seite der Bürgerinitiative. Allerdings vermisst er bei den Aktivisten die Forderung nach einer Alternative: „Das Schienenangebot müsste doch deutlich verbessert werden.“ Deshalb macht Ganserer sich für einen dreigleisigen Ausbau der Bahnstrecke Richtung Regensburg stark.

Das unterstreicht auch der SPD-Landtagsabgeordnete Stefan Schuster, der darüberhinaus den Vorschlag aus Schwarzenbruck lobt, die künftig an Bundesstraßen erhobene Maut für Lkw höher zu veranschlagen als auf Autobahnen, damit die Laster auch so lange wie möglich auf den Autobahnen bleiben.

Am Podium (v.l.) Markus Ganserer, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen im Landtag, MdL Stefan Schuster (SPD), Bürgermeister Bernd Ernstberger und am Pult BI-Sprecher Christoph Saddey. | Foto: Blinten2018/03/BI-Albtraum-B8-a.jpg

Einigen Bürgern waren die Aussagen dann doch zu unkonkret. Tempo 30? Dann gebe es ja noch mehr Emissionen. Die Durchfahrt durch Ochenbruck müsse man erschweren, in anderen Bundesländern gehe das doch auch. Und was ist mit dem Industriegebiet in Ochenbruck? Da wird mit den neuen Logistikzentren zusätzlicher Verkehr durch den Ort rollen.

Bürgermeister Bernd Ernstberger versicherte, dass die Kommune eng mit der Bürgerinitiative zusammenarbeite. So wurde der Antrag Schwarzenbrucks für eine Feinstaubmessung an der B8 zwar abgelehnt, jetzt will die Gemeinde aber eigene Daten erheben.

Den Mitgliedern der Bürgerinitiative ist wichtig, dass Temposünder in Ochenbruck ertappt werden. Deshalb ihre Forderung: Im Ort sollten stationäre Blitzer installiert werden.

Kritik an Logistikzentrum

Bis heute können die Aktivisten von „Albtraum B8“ nicht nachvollziehen, warum der Gemeinderat im vergangenen Jahr grünes Licht für die neuen Logistikzentren im Industriegebiet gab. Sie fordern deshalb, Möglichkeiten für ein juristisches Vorgehen gegen den Beschluss auszuloten und haben zwischenzeitlich eine Fachanwältin kontaktiert.

Für Dr. Bernd Albert, der die Veranstaltung in der Bürgerhalle moderierte, war es deshalb kein Wunder, dass nur wenige Gemeinderäte anwesend waren.

Was wäre aber die Alternative zur Genehmigung des Logistikzentrums? Ernstberger erläuterte, dass die Gemeinde schadensersatzpflichtig wäre, wenn sie etwa das Industriegebiet zum Gewerbegebiet zurückstufen würde. Er rechnet in einem solchen Fall mit rund zehn Millionen Euro an Forderungen, die auf die Kommune zukämen.

Die Gemeinde hätte zum Antrag für das Logistikzentrum zwar nein sagen können, so der Bürgermeister, er wäre dann aber auf jeden Fall vom Landratsamt genehmigt worden.

Egal, hielten ihm die Mitglieder der Bürgerinitiative entgegen, die Gemeinde hätte mit einem Nein zumindest ein Zeichen setzen können. Fachbehörden würden jetzt immer wieder darauf verweisen, dass es in Schwarzenbruck ja den politischen Willen für die Logistikzentren gebe.

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N-Land Alex Blinten
Alex Blinten