Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Günther Felßner

Bauernpräsident als Umweltsünder?

Der Landwirt und seine Kühe: Günther Felßners Hof befindet sich im Laufer Ortsteil Günthersbühl.
Der Landwirt und seine Kühe: Günther Felßners Hof befindet sich im Laufer Ortsteil Günthersbühl. | Foto: PZ-Archiv/Krieger2016/11/Felssner1.jpg

GÜNTHERSBÜHL — Gegen Günther Felßner, den mittelfränkischen Bezirkspräsidenten und Vize des Bayerischen Bauernverbands, wird wegen des Verdachts des unerlaubten Ableitens von Abwässern in ein Wasserschutzgebiet ermittelt. Vergangene Woche hat die Kripo den Hof und das Privathaus des 50-Jährigen in Günthersbühl durchsucht.

Es besteht laut Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth der Verdacht, dass der Bauer, der in seinem Stall in dem Laufer Ortsteil 120 Milchkühe hält, über Jahre hinweg über ein unterirdisches Rohrsystem mit landwirtschaftlichen Abwässern vermischtes Oberflächenwasser in ein benachbartes Waldgrundstück abgeleitet hat. Im Zuge dessen sollen möglicherweise Baumbestände geschädigt worden sein. Ein Sachverständiger ist beauftragt, festzustellen, ob ein Zusammenhang besteht. Außerdem befindet sich das Areal in einem Wasserschutzgebiet, weshalb auch Untersuchungen über eine Schädigung des Grundwassers  laufen. Die Staatsanwaltschaft spricht von einem „begründeten Anfangsverdacht“: „Wir gehen von Vorsatz aus.“ Ins Rollen gebracht hat die Ermittlungen eine anonyme Anzeige bereits Anfang Oktober.

„Ich weiß, dass das so nicht in Ordnung ist“

Gegenüber der Pegnitz-Zeitung bestätigte Günther Felßner, dass es Ermittlungen gegen ihn gibt. „Das ist so“, sagte der 50-jährige Laufer CSU-Stadtrat. Er räumte auch ein, dass ein Rohrsystem existiert, mit dem er in den vergangenen Jahren Wasser von seinem Grundstück ins Nachbargrundstück abgeleitet hat. Dabei handele es sich aber nicht um belastete Abwässer wie Gülle, betont der Landwirt, sondern um Oberflächen- und Regenwasser. Der Hof sei über Jahre hinweg gewachsen und damit auch die versiegelte Fläche. „Ich weiß, dass das so nicht in Ordnung ist. Früher war das alles geschottert, da ist es halt versickert.“ Ihm sei nicht bewusst gewesen, dass durch die Versiegelung rechtlich andere Vorschriften gelten.

Dieses Wasserschutzgebiet liegt unterhalb des Felßner-Hofs an der Simmelberger Gründlach.
Dieses Wasserschutzgebiet liegt unterhalb des Felßner-Hofs an der Simmelberger Gründlach. | Foto: Sichelstiel2016/11/wasserschutzgebiet-gunthersbuhl-oedenberg.jpg

Dass das abgeleitete Oberflächenwasser mit Rückständen etwa vom Betrieb und landwirtschaftlichen Maschinen verunreinigt sei, sei möglich. „Aber ich schließe aus, dass durch dieses Wasser Bäume geschädigt wurden.“ Er stehe wegen der Ableitung des Wassers bereits seit eineinhalb Jahren mit dem Landratsamt Nürnberger Land in Kontakt und sei bemüht, das Problem technisch zu lösen.

Die Auskunft des Landratsamtes Nürnberger Land liest sich allerdings anders als die Darstellung Felßners. Demnach kamen Ende 2014 nicht der Landwirt, sondern Nachbarn auf die Behörde zu und berichteten von Problemen mit der Ableitung von Abwässern auf dem Felßner-Hof. Die Mitarbeiter der Behörde stellten laut Pressesprecher Rolf List fest, dass der Bauernpräsident zu diesem Zeitpunkt wohl keinen ausreichenden Behälter für die Ableitung seiner Silosickersäfte besaß und machten ihm zur Auflage, entsprechend nachzurüsten. 

Das tat Felßner auch und ließ 2015 einen Schacht bauen, der von einem Sachverständigen abgenommen wurde.  Allerdings, so die Auskunft der Pressestelle, hat es seither vor allem nach Regenfällen offenbar immer wieder Probleme mit dem Schacht gegeben, der zwischenzeitlich wohl auch überlief. Der Landwirt bestreitet das.

Landratsamt stieß nur auf sauberes Wasser

Pressesprecher List stellt klar, dass das Landratsamt keine Erkenntnis über die Schädigung von Boden oder Gewässern durch die Felßnerschen Abwässer hat. 2015 sei ein zwei Meter tiefer Schürfgraben dort gezogen worden, wo das abgeleitete Wasser aus dem Hang austrete: „Wir konnten nichts nachweisen. Da kam sauberes Wasser heraus.“ Die Messung sei vergangene Woche noch einmal wiederholt worden.

Ob die Abholzung des betroffenen Waldgrundstücks im Januar 2016 mit der Einleitung in Verbindung steht, ist offen. Spaziergänger berichteten, in dem Waldstück habe es nicht nur eine ganze Reihe geschädigter Bäume gegeben, der Boden sei auch sehr nass gewesen und es habe dort „unnatürlich“ gerochen.

Mehr zum Thema in der heutigen Print-Ausgabe der Pegnitz-Zeitung.

N-Land Isabel Krieger
Isabel Krieger