Kampf ums Hersbrucker Krankenhaus

„Die Kundgebung ist nur der Anfang“

Gemeinsam ging es in einem langen Zug hoch zum Hersbrucker Krankenhaus. | Foto: K. Bub2018/02/8770061.jpeg

HERSBRUCK – Immer wieder haben die Veranstalter am Sonntag die Zahlen der Demonstranten nach oben korrigiert. Erst war von mehreren Hundert Menschen die Rede, dann von Tausend. Am Ende waren es 3000, die für den Erhalt des Hersbrucker Krankenhauses auf die Straße gingen und ein Umdenken in der Gesundheitspolitik forderten. Ein deutliches Zeichen, bei dem es nicht bleiben soll.

„Die Kundgebung ist nur der Anfang“, ruft Angelika Pflaum, neben Unterschriftensammler Horst Vogel eine der Organisatoren der Demo, am Ende ins Mikrofon. Sollte der Protest hier ungehört verhallen, wollen die Kämpfer fürs Hersbrucker Krankenhaus nach Nürnberg vors Gesundheitsministerium ziehen. Und das nicht alleine.

12.30 Uhr, vier Stunden vor der Demo: Im Café Bauer treffen sich Organisatoren und Ärzte mit Vertretern aus den Orten, wo Krankenhäuser vor dem Aus stehen oder schon geschlossen sind. Eine Gruppe aus Marktheidenfeld und Karlstadt ist da. Andreas Tausch aus Waldkirchen fehlt. Die Grippe hat ihn erwischt. Seine Rede wird später Heidi Rauenbusch verlesen. Darin ruft er die Hersbrucker auf, sich die Krankenhausschließung nicht gefallen zu lassen.

Auch Ludwig Keller aus Marktheidenfeld warnt bei der Kundgebung: „Lasst euch nichts einreden. Der Verlust eines Krankenhauses ist ein folgenschwerer Schlag. Nicht nur für Patienten und Krankenhauspersonal, auch für die örtliche Infrastruktur.“ Zuvor haben Keller, die übrigen Marktheidenfelder und die Karlstädter ihren Hersbrucker Kollegen im Café Bauer bereits erzählt, was bei ihnen schon alles weggefallen ist. Der ärztliche Bereitschaftsdienst zum Beispiel, der immer dann zuständig ist, wenn etwa am Mittwochnachmittag jemand an heftigen Grippesymptomen leidet oder sich einen Hexenschuss zugezogen hat. Früher gab es solch einen Bereitschaftsdienst im Krankenhaus in Marktheidenfeld. Jetzt ist er weg. Abgewandert nach Lohr, wo ein großes, zentrales Klinikum entstehen soll.

Deutliche Worte

Das gleiche werde in Hersbruck passieren, sagen Dr. Norbert Schutt und Dr. Alfred Schuller von der Hersbrucker Ärztegenossenschaft. Ohne Krankenhaus kein ärztlicher Bereitschaftsdienst. Und der hat 2016 immerhin 2500 Patienten hier behandelt. Dr. Johannes Seitz, der im Krankenhaus die chirurgisch-orthopädische Praxis (2016: 15.000 Patienten) betreibt, findet bei der Demo ebenfalls deutliche Worte: Wird die gut funktionierende Struktur hier zerschlagen, müsse künftig jeder bei einem Betriebsunfall oder Unfall in der Schule nach Lauf. Die Politik fordere eine gute Vernetzung von ambulant und stationär — in Hersbruck gebe es die seit Jahren.

Dr. Hans Kolb, einer der Belegärzte am Hersbrucker Krankenhaus berichtet von konstanten Patientenzahlen (3500 stationäre Patienten, 2600 ambulante Notfälle im Jahr 2016) und davon, dass der Rettungsdienst 1200 Mal pro Jahr das Krankenhaus hier anfahre. Und von den sieben Fach- und acht Assistenzärzten, die der Geschäftsführung der Krankenhäuser Nürnberger Land GmbH keinen Cent kosteten, weil sie die Belegpraxen bezahlen. Schließt das Hersbrucker Haus, bedeute das „erhebliche Nachteile für die hiesige Bevölkerung“, so Kolb.

Die 3000 Menschen, die auf den Marktplatz gekommen sind, geben ihm Recht und applaudieren. Einer von ihnen ist Siegfried Weiß. Er lebt mit seiner Frau, die er im Rollstuhl zur Demo geschoben hat, im Sigmund-Faber-Heim. „Wir als ältere Menschen brauchen das Krankenhaus besonders“, sagt er der HZ.

Auch etliche Laufer finden sich unter den Demonstranten. Thomas Lang, Laufs dritter Bürgermeister, zum Beispiel. Und Dr. Martin Seitz, Laufer Stadtrat, Kreisrat und Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbands Nürnberger Land. Müsste er nicht froh sein, dass das Laufer Krankenhaus nun mehr und mehr ausgebaut wird? Im Gegenteil. Auch er befürchtet eine Ausdünnung der ärztlichen Versorgung am Land: „Es braucht hier eine stationäre medizinische Versorgung rund um die Uhr.“ Und die Behauptung, in Hersbruck werde schlechte Arbeit geleistet — „ein Märchen, das nicht stimmt“, so Martin Seitz.

Von wegen marode

Ebenso die Mär vom ach so maroden Zustand des Krankenhauses. „Hersbruck ist auf einem guten Stand“, so Götz Reichel vom Förderverein des Krankenhauses. Rund 250.000 Euro habe der Verein in den vergangenen Jahren in medizinisches Equipment gesteckt. „Wir wollen unser Krankenhaus in Hersbruck behalten“, betont auch Bürgermeister Robert Ilg. Am 14. März habe er zusammen mit Landrat Armin Kroder und dem Landtagsabgeordneten Norbert Dünkel in München ein Gespräch mit Gesundheitsministerin Melanie Huml und Heimatminister Markus Söder. Denn damit kleine Häuser wie das in Hersbruck eine Chance haben, brauche es ein Umdenken in der Politik, die letztendlich die Rahmenbedingungen festsetze.

Nach der Kundgebung ziehen die Demonstranten gemeinsam hoch zum Krankenhaus, wo sie von rund 60 Posaunenspielern empfangen werden, die sich auf musikalische Art und Weise für „ihr“ Krankenhaus stark machen. Die Marktheidenfelder und Karlstädter sind mittlerweile nach Hause gefahren. Sie wollen gemeinsam mit den Hersbruckern weitere Orte, denen Ähnliches droht, mit ins Boot holen. Aus dem lokalen Protest soll ein landesweiter werden.

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N-Land Katja Bub
Katja Bub