Kundgebung in Hersbruck

3000 gingen für Krankenhaus auf die Straße

Die roten Luftballons sollten zeigen: „Unser Herz schlägt fürs Krankenhaus Hersbruck.“ | Foto: M. Scholz2018/02/8767249.jpeg

HERSBRUCK – Geschätzte 3000 Menschen demonstrierten am Sonntag am Oberen Markt gegen die angekündigte Krankenhaus-Schließung in Hersbruck. In den Reden wurde vor allem deutlich: Es geht nicht nur um die Klinik, sondern um Protest gegen eine empfindliche Schwächung der medizinischen Versorgung und letztlich der ländlichen Infrastruktur.

Es sei keine politische Veranstaltung, rief Mitinitiatorin Angelika Pflaum gleich zu Beginn ins Mikrofon. Die Demo sei „von Bürgern für Bürger“, die alle wollten, dass Bundes- und Landespolitiker die Gesetze noch einmal überdenken, die dazu führen, dass kleine Krankenhäuser auf der Fläche geschlossen werden müssen.

Ihr Kollege Horst Vogel, der mit einer Unterschriftensammlung über 10 000 Unterstützer gegen die Klinik-Schließung zusammengetragen hatte, schilderte das Problem: Im Gegensatz zu Großkrankenhäusern seien die Patienten hier in Hersbruck „keine Nummern, sondern Menschen“. Vor allem Familien und Senioren seien betroffen. Später machte der Mediziner Dr. Norbert Schutt auf dem kleinen Rednerpodest noch einmal deutlich, was auch seine Kollegen Dr. Hans Kolb und Dr. Johannes Seitz sagten: „Die Klinik-Schließung wird zu einer deutlichen Verschlechterung der medizinischen Versorgung führen.“

Buhen und Applaudieren

Die Bürger buhten bestätigend und applaudierten bei einigen Aussagen. Zum Beispiel, als Angelika Pflaum meinte, dass Heimatminister Markus Söder und Gesundheitsministerin Melanie Huml bei jeder Gelegenheit versicherten, den ländlichen Raum stärken zu wollen, sich aber für die Hersbrucker Kundgebung entschuldigen ließen. Die Ärzte empörten sich über eine Pressemitteilung der Ministerin, in der sie sich dafür aussprach, dass die „regionalen Bedürfnisse im Vordergrund“ stehen müssten, während die Realpolitik offensichtlich eine andere ist.

Pflaum gab Landtagsabgeordnetem Norbert Dünkel zwei Tassen der Altstadtfreunde mit dem Krankenhausmotiv mit: Er möge sie den Ministern weiterreichen, damit sie das Krankenhaus jeden Tag vor Augen haben. Und sie ergänzte: „Erzähle ihnen doch gleich, wie viele Herzen für unser Krankenhaus schlagen.“

Dr. Kolb nannte Fakten („was wir alles verlieren“): sieben Fach- und acht Assistenzärzte, die als Belegmediziner dem System keinen Cent kosten und die pro Jahr 3500 Patienten behandeln, plus 2500 ambulante Patienten, „die bei Bedarf gleich bleiben können“. Das Krankenhaus sei voll belegt, alles zusammen zeige: „Wir können hier etwas leisten“ und das in einem hoch motivierten Klinikteam. Der Appell von Dr. Seitz lautete: Gesundheitsvorsorge sei Daseinsfürsorge, die nicht nach Wirtschaftlichkeit bemessen werden kann.

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N-Land Michael Scholz
Michael Scholz