Nürnberger Land/Schwarzenbruck – Vor zehn Jahren wurde das Krankenhaus Rummelsberg als eines der ersten Häuser bundesweit im Verfahren AltersTraumaZentrum zertifiziert. Seitdem wurden dort rund 1500 ältere Patienten nach Frakturen interdisziplinär behandelt.
Vor über zehn Jahren hat die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) das Zertifizierungsverfahren AltersTraumaZentrum (ATZ) ins Leben gerufen. Das Krankenhaus Rummelsberg gehörte mit seiner Zertifizierung am 23. Februar 2016 zu den ersten Kliniken, die dieses Siegel erhielten. In den vergangenen zehn Jahren wurden im ATZ Rummelsberg bislang 1500 Patienten versorgt. Grundgedanke ist ein altersgerechter, ganzheitlicher Behandlungsansatz unter Einbeziehung einer Vielzahl an Fachbereichen und Disziplinen.
Die Zertifizierung als „AltersTraumaRegister DGU“ ist ein vom Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen anerkanntes Qualitätssiegel und im Bundesklinikatlas gelistet.
Eines der Gründungsmitglieder innerhalb der DGU – und speziell am Krankenhaus Rummelsberg – war Chefarzt und Ärztlicher Direktor Prof. Dr. Richard Stangl: „Warum haben wir uns damals als eine der ersten Kliniken zertifizieren und dann alle drei Jahre rezertifizieren lassen? Weil wir in unserer Klinik der demografischen Entwicklung entsprechend den Bedarf einer altersgerechten Versorgung erkannt haben und man speziell in der Medizin immer wieder über den eigenen Tellerrand hinausschauen sollte.
Das Verfahren fördert die kritische Reflexion und schafft Verbindlichkeit, auf die sich unsere Patienten verlassen können – und wir können unsere Zahlen mit anderen Kliniken vergleichen.“ Zusammen mit der Klinik für Innere Medizin und Akutgeriatrie von Dr. Dietmar Geiger und der Klinik für chirurgische und konservative Wirbelsäulentherapie von PD Dr. Uwe Vieweg betreibt Stangl das ATZ am Krankenhaus Rummelsberg. Bis zu 200 Patienten werden hier jährlich versorgt.
Ganzheitlicher Ansaz bei der Behandlung
„Grundgedanke des Alterstraumatologiezentrums ist der erforderliche ganzheitliche Behandlungsansatz unter Einbeziehung von Unfallchirurgie, Orthopädie, Innere Medizin, Geriatrie, Psychologie, Pflege, Physio- und Ergotherapie sowie Logopädie“, erläutert Dr. Christoph Seemüller, der zusammen mit Oberärztin Valentyna Pysarenko zu den Gründungsmitgliedern in Rummelsberg zählt und das Zentrum seit Beginn leitet.
„Nicht zuletzt ist ein wesentlicher Teil des Teams der Sozialdienst, der sich um die Einbeziehung der geriatrischen Rehabilitation, häusliche Versorgung oder stationäre Pflegeunterbringung sowie Unterstützung von Angehörigen bemüht“, so Seemüller.
Aus 33 Zentren (Stand: 2016) sind mittlerweile 191 Zentren deutschlandweit geworden. Für die Erfassung von Patienten in einem ATZ sind klare Kriterien definiert: Die Patienten müssen über 70 Jahre alt sein, mindestens eine osteoporotische Fraktur aufweisen – etwa eine Oberschenkelfraktur – und eine Multimorbidität zeigen, wie beispielsweise Herz-Kreislauferkrankungen, Demenz, Parkinsonerkrankung oder Diabetes.
„Das Ziel ist dann nicht nur die operative Versorgung, sondern anschließend auch die interdisziplinäre Frührehabilitation, um die Selbstständigkeit zu erhalten und zu verbessern“, führt Stangl aus. Wie sich das am Krankenhaus Rummelsberg umsetzt, zeigt ein Blick auf die Zahlen im jährlichen Jahresbericht der Sektion Alterstraumatologie der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie. Zwei Drittel der behandelten Fälle sind Frauen. Das lässt sich darauf zurückführen, dass Frauen im Durchschnitt älter als Männer werden, was zur Folge hat, dass der Anteil an Männern mit einer hüftgelenksnahen Fraktur ab einer bestimmten Altersstufe geringer wird.
Vollbelastung über dem bundesweiten Schnitt
Bei den Rummelsberger Zahlen liegt die Vollbelastung nach einer Fraktur-Operation bei 99 Prozent der Fälle; im bundesweiten Durchschnitt sind es 92 Prozent. Eine Mobilisation konnte am ersten Tag bei 94 Prozent der Patienten durchgeführt werden, das sind acht Prozentpunkte mehr als im Durchschnitt. „Auch was den Status der Gehfähigkeit am 7. Tag nach dem Eingriff betrifft, liegen wir vor dem Bundesdurchschnitt. Bei uns ist bei nur zehn Prozent der Patienten eine Gehfähigkeit nach einer Woche nicht gegeben, im Bundesdurchschnitt sind es 20 Prozent“, so Stangl.
Auch die Entwicklung nach der Entlassung lässt sich anhand der Zahlen nachvollziehen: „Die Gehfähigkeit konnte bei 15 Prozent der Betroffenen um eine Stufe verbessert werden. Zu dieser Erkenntnis kommen wir anhand unserer Abfragen 120 Tage nach Entlassung. Der Bundesdurchschnitt liegt hier nur bei sechs Prozent. Um gleich zwei Stufen konnte die Gehfähigkeit bei fünf Prozent der Patienten verbessert werden, der Bundesdurchschnitt liegt bei zwei Prozent“, so Stangl.
Unter „Stufe“ ist die Abstufung zwischen zwei Kategorien in der Gehfähigkeit gemeint: Hat sich bei einem Patienten die Gehfähigkeit von „außer Haus mit einem Gehstock oder Gehstütze“ zu „selbstständig ohne Hilfsmittel“ geändert, handelt es sich um eine Verbesserung um eine „Stufe“.
Chancen auf eine Rückkehr
„Die Zahlen zeigen, dass unsere ATZ-Patienten im Vergleich zum Durchschnitt in einem verbesserten Zustand die Klinik verlassen. Das mehr als erfreuliche Fazit ist, dass somit mehr geriatrische Patienten überleben“, erklärt der Chefarzt die Bedeutung der Zahlen. In der Praxis läuft es so ab, dass die Patienten in der Akutklinik versorgt werden und anschließend für mindestens zwei Wochen eine geriatrische Rehabilitation durchlaufen. „So steigen die Chancen auf eine Rückkehr ins häusliche Umfeld deutlich.“
Die häufigsten Behandlungen in einem ATZ sind hüftgelenknahe Frakturen (etwa Oberschenkelhalsbrüche), Brüche des oberarmkopfnahen Knochens, Wirbelkörperfrakturen, Handgelenksbrüche (etwa Radiusfrakturen), Beckenfrakturen und periprothetische Frakturen, also Brüche in unmittelbarer Nähe eines künstlichen Gelenkersatzes.
In den vergangenen zehn Jahren wurden am ATZ Rummelsberg hüftgelenksnahe Frakturen (Schenkelhalsbrüche und Brüche des hüftnahen Schenkels) in 1210 Fällen und Frakturen in unmittelbarer Nähe eines Kunstgelenks in etwa 110 Fällen versorgt.
„Wir setzen uns täglich für jeden einzelnen Patienten ein – und jeder Patient ist diese Mühen auch wert. Nach zehn Jahren ist es aber auch mal an der Zeit, danke zu sagen. Das interdisziplinäre Team ist großartig und macht jeden Tag aufs Neue einen super Job. Ohne engagierte Mitarbeitende könnten wir heute nicht Jubiläum feiern“, betont Stangl.
Das Zentrum ist im Laurentiushaus der Klinik im ersten Stock beheimatet. Die beiden ATZ-Koordinatoren leiten das Zentrum seit einem Jahrzehnt und sind zugleich für Angehörige und Betreuer die erste Anlaufstelle.
Info: Einmal wöchentlich am Dienstag findet eine offene Sprechstunde auf der Station 1 Nord von 12 bis 13 Uhr statt; eine Voranmeldung ist nicht notwendig.
