Mobiler Hausnotruf nicht möglich

Wenn das Funkloch zur Gefahr wird

Der Schönberger Horst Liesert ist stocksauer: Der mobile Hausnotruf des BRK funktioniert in seinem Haus nicht. Schuld ist das schlechte Mobilfunknetz. | Foto: Liesert2021/11/horst_liesert_sch_nberg_kein_hausnotruf_funkloch-crop-scaled.jpg

SCHÖNBERG – Bernd Liesert ist besorgt. Sein Vater ist herzkrank. „Er ist schon mehrfach umgefallen und braucht dann schnelle Hilfe“, erzählt der Sohn, und dass er fürchtet, dass diese irgendwann zu spät kommt. Dass sein Vater irgendwo liegen bleibt, ihn niemand hört, niemand rechtzeitig findet. Die Lösung sollte ein mobiler Hausnotruf sein, der den Notruf über das örtliche Mobilfunknetz sendet. Das Bayerische Rote Kreuz (BRK) war bereits vor Ort, um das Gerät zu installieren. Und musste unverrichteter Dinge wieder abziehen. „Herr Liesert, es tut uns sehr leid, aber wir können Ihnen den gewünschten Hausnotruf nicht einrichten“, habe der Techniker gesagt. „Sie haben schlicht keinen oder zu schlechten Empfang.“

In dem Straßenzug ist ein Funkloch. „Das ist seit Jahren bekannt. Hier funktioniert kaum 2G – also die Funktechnik für die ersten Mobiltelefone aus den 1990er Jahren“, erzählt Bernd Liesert. Von 4G, dem weit verbreiteten Standard, oder gar der neuesten 5G-Technologie ganz zu schweigen. Das reicht für das Hybrid-Gerät, das bei der Familie eingerichtet werden sollte, nicht aus. Es besteht aus einer fest installierten Basisstation mit Lautsprecher und Mikrofon, einem tragbaren Kleingerät für unterwegs und einem Handsender, mit dem per Knopfdruck Alarm ausgelöst werden kann.

So funktioniert der Notruf

Wird ein Notruf abgesetzt, geht dieser an die Hausnotruf-Zentrale. Gleichzeitig werden über Satellit die GPS-Daten übertragen, die den Standort des Geräts anzeigen. So wissen die Rettungskräfte metergenau, wo sich der Nutzer befindet. „Das geht aber nur mit ausreichender Mobilfunkstärke“, betont Harald Leykauf, Abteilungsleiter für den Hausnotruf und stellvertretender Kreisgeschäftsführer des BRK Nürnberger Land. Dabei nutze die Anlage modernste Roaming-SIM-Karten, die permanent nach dem stärksten Sendesignal suchen und sich einwählen. „In den meisten Gebieten im Landkreis haben wir eine gute Netzabdeckung“, so Leykauf. Er kenne aber auch Ecken, in denen es kaum Empfang gibt – in Teilen Förrenbachs, im Hirschbachtal oder Sendelbach. Und in Schönberg.

In solchen Fällen kann das BRK Interessenten nur einen analogen Hausnotruf anbieten. Dieser wird im Haus fest installiert und kann auch nur dort bestätigt werden. „Das kommt für mich nicht infrage“, sagt Horst Liesert. „Ich gehe jeden Tag ein bis zwei Kilometer spazieren.“ Am liebsten im angrenzenden Wald. Genau für solche Ausflüge war der Hausnotruf gedacht. Der Senior lebt mit seiner gleichaltrigen Ehefrau Gertrud zusammen, die noch sehr rüstig ist. „Aber sie kann ja nicht jeden Tag mit mir spazieren gehen“, sagt der 82-Jährige, der sich seine Mobilität und Unabhängigkeit bewahren möchte.

Rettungsdienst ist auch betroffen

Der schlechte Empfang ist nicht nur für Horst Liesert ein Sicherheitsrisiko. „Wir haben da auch
i m Rettungsdienst teils massive Schwierigkeiten“, erzählt Leykauf. Schon während der Fahrt werden aus dem Rettungswagen Patientendaten, wie EKG-Ergebnisse, an das Krankenhaus übermittelt. Doch in einigen Gegenden funktioniert das nicht. Dann müssen die Rettungskräfte die Datenübertragung immer wieder neu anstoßen. Und das, obwohl es oft um Minuten geht.

Aber wie stopft man ein solches Funkloch? „Grundsätzlich kann die Mobilfunkversorgung durch zusätzliche Mobilfunkstandorte oder die Anpassung der Konfiguration bestehender Stationen durch die Netzbetreiber verbessert werden“, antwortet die Bundesnetzagentur auf eine Anfrage der Pegnitz-Zeitung. Ein zusätzlicher Mast im Schönberger Forst, das ist, was sich die Lieserts wünschen. Aktuell gibt es zwei Masten in der näheren Umgebung: im Süden Laufs und auf dem Moritzberg. Doch beide strahlen offenbar über den Straßenzug der Lieserts hinweg. An anderen Stellen in Schönberg ist der Empfang hingegen gut.

Proteste gegen Funkmast

Ein neuer Funkmast also? „Das ist in Schönberg ein großes Thema“, weiß Laufs Bürgermeister Thomas Lang. Schon vor Jahren habe es Überlegungen gegeben, auf dem Feuerwehrhaus einen solchen zu errichten. Doch dazu kam es, auch wegen massiver Bürgerproteste, nie. „Die einen haben keinen Empfang und möchten einen weiteren Mast, die anderen fürchten die Strahlenbelastung“, fasst Lang zusammen. Der Bauausschuss der Stadt hat sich vor einigen Monaten grundsätzlich mit dem Thema Mobilfunk befasst und sei zum Ergebnis gekommen, „dass man keinen Wildwuchs von Masten möchte“. Vielmehr hoffe man, dass die Neukonfiguration bestehender Anlagen helfen könne.

Doch die Entscheidung über den Netzausbau liegt nicht bei der Kommune. Zuständig für Errichtung und Einstellung der Masten sind die drei deutschen Mobilfunkanbieter: Telefónica-Telekom, Vodafone und 1&1 Drillisch. Sie müssen sich dabei an strikte Grenzwerte zum Schutz vor elektromagnetischen Feldern halten. Die Sicherheitsabstände werden von der Bundesnetzagentur errechnet und kontrolliert. Dabei stelle sich die Suche nach geeigneten Standorten „immer wieder als langwieriger Prozess dar“, bei dem es gelte, „Aspekte der Verbraucherakzeptanz, Umweltschutz, Denkmalschutz, Statik etc. zu beachten“, so die Behörde.

Offiziell keine Lücke im Netz

Für Schönberg liegt laut Bundesnetzagentur keine Funklochmeldung vor, da mindestens eine 2G-Versorgung gesichert sei. „Das ist eine Sauerei“, sagt Horst Liesert. Auch sein Sohn findet die Situation inakzeptabel: „Ich werde nun die Behörden einschalten, notfalls eine Unterschriften-Aktion starten und alle Rechtsmittel ausschöpfen.“

Er verstehe die Bedenken wegen der Strahlung, sagt Horst Liesert. „Aber man muss doch auch an uns Ältere denken.“ Hier wünsche er sich mehr Verständnis von seinen Mitbürgern, und „dass sich die Politik mehr für uns einsetzt.“ Schließlich gehe es nicht nur um Unannehmlichkeiten beim Telefonieren, sondern um Menschenleben, fügt Bernd Liesert hinzu. „Mein Vater braucht jetzt Hilfe. Nicht erst in ein bis zwei Jahren, dann ist es vielleicht zu spät.“

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