Wiederaufnahme des Verfahrens

Stephanie P.: Lebenslang oder zehn Jahre?

Eine schlankere Stephanie P. versteckt ihr Gesicht hinter einem Aktenordner. | Foto: Beck2020/07/stephanie-p-versteckt-gericht-beck.jpg

SCHNAITTACH/NÜRNBERG – Muss Stephanie P. doch nicht lebenslang hinter Gitter? Stephanie P. ist schuldig der Anstiftung zum zweifachen Mord. Daran besteht laut dem Beschluss des Bundesgerichtshofs vom 30. Januar kein Zweifel. Dennoch wurde das Verfahren gegen die 25-Jährige im Falle der Ermordung von Elfriede und Peter P. 2017 in Schnaittach gestern erneut aufgenommen.

Und das Interesse an dem grausamen Mord, ist unvermindert groß. Bereits um 7.45 Uhr stehen am Montag Besucher im Justizgebäude des Landgerichts Schlange, obwohl die Verhandlung erst um 9 Uhr beginnt. Sie wollen sich einen der Plätze im Zuschauerraum sichern, die aufgrund der Corona-Maßnahmen stark begrenzt sind, und verfolgen, wie der Fall Stephanie P. nach erfolgreicher Revision (Die PZ berichtete) wieder aufgerollt wird. Diesmal geht es allein um die Frage, ob Stephanie P. tatsächlich lebenslang in Haft muss, wie es das Landgericht im April 2019 entschieden hatte. Die Revision ihres Ehemanns wurde abgelehnt. Ingo P. ist somit rechtskräftig zu lebenslanger Haft verurteilt.

Ein gutes Wort

Zu Beginn des ersten Verhandlungstags lässt Stephanie P. ein gutes Wort für sich einlegen. Die 25-Jährige, die mit ihren braunen Haaren und der schlanken Figur nach 2,5 Jahren kaum mehr wiederzuerkennen ist, will selbst nicht aussagen. Doch sie hat ihrem Anwalt Seifert ihr Bedauern diktiert. „Ich bedauere den Tod von Elfriede und Peter P. und ich bin mir meiner Mitverantwortung bewusst. Wenn ich könnte, würde ich das Geschehene rückgängig machen, aber das ist nicht möglich. Ich hoffe, dass ich noch einmal ein normales Leben führen darf“, liest Seifert stellvertretend vor.

Was nach Reue und einer Bitte um Vergebung klingt, wird durch einige Briefe von Stephanie P. aus der Haft wieder zunichte gemacht. Ihre Schriften an ihren Mann, ihre Eltern und ihre Großeltern zeigen: Sie hält sich für vollkommen unschuldig. „Ich habe vom Erfolg der Revision erfahren, aber der Schuldspruch bleibt. Deswegen will ich eine Wiederaufnahme, denn es war keine Anstiftung“, schreibt Stephanie P..

Ihrem Mann wirft sie vor, sie ungerechterweise zu beschuldigen. Seit seiner Verhaftung hat sich das Paar nicht mehr gesehen. Die beiden könnten sich am dritten Verhandlungstag vor Gericht begegnen. Ingo P. ist als Zeuge geladen.

Die Plätze im Landgericht sind wegen der Corona-Abstandregel begehrt und schnell mit Zuhörern belegt. /Foto: Beck2020/07/stephanie-p-publikum-beck.jpg

Bedeutung der Aussagen

Genau wie die zwei federführenden Kriminalpolizisten im Schnaittacher Mordfall, die am ersten Verhandlungstag vor Gericht aussagen. Sie haben Ingo und Stephanie P. im Januar 2018 verhaftet und anschließend getrennt verhört. Bei der Befragung der Ermittler geht es vor allem um die Bedeutung von Stephanie P.s Aussagen, die sofort nach ihrer Festnahme auspackte und die Polizisten über die eiskalten Taten ihres Mannes informierte, mit denen sie selbst nichts zu tun habe.

Wie schon im ersten Verfahren wird das Vernehmungsvideo der schluchzenden Stephanie P. gezeigt, die von ihrem Mann gezwungen wurde, beim Aufräumen der Leichen zu helfen. Schon damals glauben ihr die Ermittler nicht, aber Stephanie P.s Aussagen bestätigen ihre Vermutungen.


Ihre Erzählungen haben die Ermittlungen beschleunigt, aber waren sie so wichtig, dass für die 25-Jährige der Kronzeugen-Bonus greift? Tatsächlich hat sie wenig gesagt, das nicht ohnehin bald klargeworden wäre. Die Grube in der Garage, die als Versteck für blutige Lappen und Werkzeug diente, war vor dem Verhör gefunden wurden.

Am heutigen Dienstag, sowie am Mittwoch, 22. Juli, werden weitere Zeugen vernommen. Voraussichtlich 27. Juli, legt Richter Markus Bader das endgültige Strafmaß fest.

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