Nürnberger Barock verzauberte

Der Applaus war groß für Bob van Asperen, der im Schwaiger Schloss nicht nur eine brillante Technik zeigte, sondern auch eine romantische Stimmung erzeugte. Foto: Schlichting2009/08/20090810_asperenfraenksommschwaig_big.jpg

SCHWAIG – Um das Cembalokonzert von Bob van Asperen auf hohem internationalem Niveau im historischen Ambiente des Schwaiger Schlosses zu genießen, waren einige Besucher von weit her angereist. Sie erlebten, wie der Glanz der Nürnberger Cembalotradition mit Suiten, Toccaten und Fantasien von Barockkomponisten auf einem original nachgebauten Cembalo wieder erstrahlte.

Der laue Sommerabend in der Reihe «Fränkischer Sommer» lud vor dem Konzert und in der Pause die Gäste zum Flanieren und auf einen Drink im schönen Schlossgarten ein.

Mit freundlichen Worten begrüßte Schwaigs Bürgermeisterin Ruth Thurner die Gäste im voll besetzten Konzertsaal des Schlosses, das sich heute im Besitz der Gemeinde Schwaig befindet. «Früher war es Herrensitz der Zeidler, dann an den Burggrafen von Nürnberg verkauft», so verdeutlichte sie den Bezug zwischen dem Aufführungsort des Konzerts und der Geschichte der Region, ein Markenzeichen der Konzertreihe.

Auch die meisten Komponisten im Programm hatten durch ihr musikalisches Schaffen Bezug zu Nürnberg. Johann Erasmus Kindermann, Johann Pachelbel, Johann Jakob Frohberger und weitere sind als herausragende Organisten eine treibende Kraft der musikalischen Entwicklung der Stadt gewesen.

Gleich bei den ersten Takten von Bob van Asperen spürten die Zuhörer das musikalische Niveau seines Cembalospiels und den auffallend weichen und schönen Klang des Cembalos, wodurch der Charakter der Barockmusik besonders eindrucksvoll zur Geltung kam. Der Baumeister Walter Geist, ein Freund des Solisten, hatte das ausgefallene Instrument eigens für das Konzert über 500 Kilometer weit nach Schwaig transportiert.

Der niederländische Cembalist Bob van Asperen, der eine Professur am Sweelinck-Konservatorium in Amsterdam bekleidet, ist als Solist und Dirigent auf Konzertreisen in vielen Ländern international geschätzt.

Zu den glanzvollen Höhepunkten zählte die Aria Sebaldina aus dem «Hexachordum Apollinis» von Johann Pachelbel. Hier zeigte van Asperen sein großes Einfühlungsvermögen besonders in der Art, wie er die musikalischen Bögen spannte und wie er eine ganz romantische Stimmung erzeugte, die er nicht abreißen ließ. Pointiert setzte er immer wieder schöne Akzente durch Punktierungen und Verzögerungen.

Mit brillanter Technik meisterte er ganz schnelle Läufe und verzauberte seine Zuhörer mit einer großen Bandbreite an musikalischen Impressionen. Manche Passagen der Aria ließ er wie ein großartiges Zitherspiel erklingen. Immer wieder überzeugte er mit seiner Virtuosität, besonders am Schluss bei der Ciaccona aus der Patia 2, BWV 1004, von Johann Sebastian Bach, die er für Cembalo umgeschrieben hat.

Die gute Stimmung, der große Applaus, eine Zugabe, insgesamt sind die Musikliebhaber nicht enttäuscht worden.

Andrea Schlichting

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