Keilberg-Kirchweih

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm kam mit dem Traktor zum Gottesdienst

Das gibt's auch nicht oft: Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm kutschiert Offenhausens Pfarrleute Ann-Sophie und Martin Hoepfner mit dem Traktor. | Foto: R. Wacker2020/07/Landesbischof-am-Lenker.jpg

OFFENHAUSEN – Bedingt durch die Corona- Pandemie verlief die Keilberg-Kirchweih heuer anders als gedacht. Schon vor zwei Jahren wollte das Offenhausener Pfarrehepaar Ann-Sophie und Martin Hoepfner zum Keilberggottesdienst 2020 als besonderen Gast Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm einladen. Dass gerade in diesem Jahr völlig neue Wege gegangen werden müssen, war nicht vorhersehbar.

Wegen der Ansteckungsgefahr durch das Coronavirus fand der traditionelle Berggottesdienst nicht dicht gedrängt oben auf dem Gipfelplateau unter dem schattigen Blätterdach statt, sondern unten im Tal in den Orten rund um den Keilberg: in Offenhausen am Sportgelände des SVO, in Kucha am Landjugendheim und in Egensbach auf der Moosburger-Wiese – den Keilberg immer im Blick. Das alles natürlich unter Berücksichtigung der Abstandsregeln, Begrenzung der Teilnehmerzahl auf 200 Personen sowie dem Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung beim Betreten und Verlassen des abgesperrten Gottesdienstgeländes im Grünen.

Symbol früher wie heute

Das Pfarrehepaar Ann-Sophie und Martin begrüßten ihre Festgäste, die auf Bierbänken und mitgebrachten Campingstühlen Platz genommen hatten. Die beiden freuten sich, dass sie nun endlich wieder Präsenz-Gottesdienste feiern können. Sie erinnerten daran, dass vor über 500 Jahren mit dem Bau der St. Ottmar- und Ottilienkapelle oben auf dem Keilberg begonnen wurde. 1436 suchte die damals herrschenden Pest Dörfer um den Keilberg herum heim, Offenhausen blieb wohl relativ verschont. So drückt auch heute noch die Kapellenruine mit dem später errichteten Kapellenturm die Dankbarkeit der Bevölkerung über die Jahrhunderte aus. „Kirwa is‘, und wir feiern endlich wieder Gottesdienste, in einem Jahr, in dem wir auch dankbar sein können, dass unser Hammerbachtal von der „Pest“ des 21. Jahrhunderts bisher gut verschont geblieben ist“, betonte Pfarrerin Ann-Sophie Hoepfner.

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hätte sich bei seiner Zusage zur Keilbergkirchweih nicht träumen lassen, dass er nicht oben auf der Kanzel am Keilberg stehen, sondern mit einem Traktoranhänger von Dorf zu Dorf fahren würde. Und das nicht nur, weil sein Jungenherz dabei höher geschlagen habe – sei er doch auf dem Dorf geboren und habe es als erstes großes Ziel im Leben gesehen, mit einem Traktor mitfahren zu dürfen.

Er sieht in dieser Art des Gottesdienstfeierns auch die symbolische Bedeutung der Kirche für die Zukunft: Statt oben auf der Kanzel über den Menschen zu stehen, predige er jetzt unter ihnen, dort wo sie leben und arbeiten, und sei es – wie hier – von einem Wagen aus, auf dem sonst Feldfrüchte, Heu oder Futter gefahren werden. Er wünsche sich eine Kirche, die mitten im Leben steht und nicht wartet, bis die Menschen zu ihr kommen. „Deswegen, liebe Gemeinde, danke für diese „Traktorgottesdienste – sie sind nur eine Beispiel dafür wie die Corona- Pandemie kreative Kräfte geweckt hat.“

Radikale Änderung

Bedford-Strohm machte mit dem Wochenspruch Hoffnung: „Aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es“. In seiner nun 60-jährigen Lebenszeit habe er so etwas wie mit der Corona-Pandemie noch nicht erlebt. „Wir sind einem Virus ausgeliefert, das mit einem Schlag das Leben radikal verändert hat – und zwar weltweit.“

Auf dem Weg zu seiner letzten Station durfte der Landesbischof sich endlich einen Jugendtraum erfüllen: Bei der Rückfahrt von Egensbach nach Offenhausen zum Sportplatz des SVO wechselte er seinen Platz hinten am Anhänger nach vorne an das Lenkrad des Treckers mit einem wassergekühlten Zweizylinder-Viertakt Dieselmotor von 1956 mit stattlichen 16 PS. Der Kuchaer Dieter Achatz vom „Bulldog Stammtisch Keilberg“ hatte das Dieselgefährt, das den Landesbischof samt dem Offenhausener Pfarrehepaar von Gottesdienst zu Gottesdienst brachte, liebevoll restauriert. „Nicht immer ganz pünktlich, aber was sind schon 15 Minuten in Anbetracht der göttlichen Ewigkeit“, sagte Pfarrer Martin Hoepfner zum Schluss.

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