Allergische Reaktionen auf der Haut

Vorsicht vor haarigen Raupen

Für diese Aufnahme kam ein aufmerksamer Fotograf den Raupen am Oberbecken des Happurger Stausees besonders nah. | Foto: M. Schwarm2020/07/redwebIMG-20200626-WA0001.jpg

NÜRNBERGER LAND – Die haarigen Würmchen, die sich in einer ganzen Kolonie die Eichen entlang schlängeln, sind gefürchtet: Eine Berührung mit der Raupe des Eichenprozessionsspinners verursacht juckende allergische Reaktionen auf der Haut.

Auch in diesem Jahr ist er wieder im ganzen Nürnberger Land verbreitet, schwerpunktmäßig in Tieflagen und überall dort, wo Eichen stehen, sagt Rolf List, Pressesprecher des Landratamts auf Nachfrage. Doch wo genau und wie stark er sich ausbreitet, sei erst in der nächsten Zeit sichtbar, ergänzt Steffen Taeger vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Roth.

Nicht zu verwechseln ist der Eichenprozessionsspinner mit anderen Spinnern, wie dem Schwammspinner: Der ist für Menschen ungefährlich.
Laut dem bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) ist der Eichenprozessionsspinner ein Nachtschmetterling, der von Ende Juli bis Anfang September fliegt. Ein Weibchen legt 100 bis 200 Eier im oberen Kronenbereich von meist frei stehenden, älteren Eichen an Feldern, Wiesen oder am Waldrand ab.

Gegen natürliche Feinde

Anfang Mai schlüpfen die jungen Raupen. Ihre Brennhaare enthalten einen Giftstoff, der sie vor Fressfeinden wie Vögeln und Säugetieren schützt. Von Beginn an leben sie in Familienverbänden und sammeln sich in jüngeren Stadien an locker zusammengesponnen Blättern oder Zweigen. Die typischen Nester bauen sie erst in den folgenden Raupenstadien.

Mitte Juni ziehen sich die älteren Raupen zur Häutung in mit Kot und alten Larvenhäuten gefüllte Gespinstnester zurück. Vom Nest aus begeben sie sich wie in einer Prozession auf die Nahrungssuche. Jüngere Raupen gehen eher im „Gänsemarsch“, ältere Tiere wandern in mehreren Reihen mit 20 bis 30 Raupen nebeneinander her. Ab Mitte Juni verpuppen sie sich in Kokons im Gespinstnest. Die Brennhaare lösen sich dabei ab.

Wie Insektenstiche

Kommt der Mensch mit den Brennhaaren der Raupen, Häutungsresten, Nestern oder kontaminierten Faltern in Kontakt, entsteht eine Hautentzündung. Sie zeigt sich durch starken Juckreiz, Hautrötung, Quaddeln und Bläschen, vor allem an Stellen, die nicht von Kleidung bedeckt waren. Manchmal bilden sich insektenstichähnliche Knötchen. Die Krankheitsdauer liegt bei zwei Tagen bis zu zwei Wochen. Auch Tiere, wie Hunde oder Pferde, reagieren empfindlich auf die Härchen des Eichenprozessionsspinners.

Das LGL empfiehlt, befallene Areale und Eichen zu meiden und die Haut mit Kleidung zu schützen. Die betroffenen Gebiete sind abgesperrt und dementsprechend gekennzeichnet. Der Eichenprozessionsspinner sei für die Bevölkerung ein Dauerproblem, besonders auf Schul- oder Wanderwegen, rund um Kitas oder Spielplätzen. Doch für die Eichen selbst stelle er keine Gefahr dar, so Taeger.


Nicht selbst entfernen

Zuständig für einen befallenen Baum ist der Grundeigentümer, doch niemand sollte die Nester des Spinners selbst entfernen: „Die Gespinstnester bleiben noch ein bis zwei Jahre gefährlich, selbst wenn die Raupen schon längst weg sind. Daher sollten Betroffene eine Fachfirma beauftragen, die mit speziellen Saugern die Nester rückstandslos entfernt.“ Zur Vorbeugung können auch Gift oder die Abflammtechnik zum Einsatz kommen, doch diese Methoden sind eher umstritten, so Taeger.

Weitere Infos unter www.lgl.bayern.de und auf der Webseite des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Ein Video dazu gibt es auf der HZ-Facebook-Seite.

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