Start am 31. Januar

Volksbegehren für Artenvielfalt

Die blaue Holzbiene ist ein Beispiel dafür, dass viele Arten vom Aussterben bedroht sind. Sie steht auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. | Foto: Marcus Bosch/LBV2019/01/21585_Grosse_Holzbiene.jpg

HERSBRUCKER SCHWEIZ – Die Vorbereitungen für das bayernweite Volksbegehren „Artenvielfalt – Rettet die Bienen“ laufen auf Hochtouren. Im Landkreis Nürnberger Land formierte sich bereits ein Aktionsbündnis, das mit vereinten Kräften die Werbetrommel rühren soll, damit sich vom 31. Januar bis 13. Februar genügend Menschen in die Unterschriftenlisten eintragen. Eine Million Stimmen sind bayernweit erforderlich, damit das Volksbegehren Erfolg verspricht. Um was geht es überhaupt? Darüber sprachen wir mit dem Pressesprecher des Volksbegehrens, Markus Erlwein vom Landesbund für Vogelschutz in Hilpoltstein, der das von der ÖDP initiierte Volksbegehren unterstützt.

Was läuft bei uns schief? Warum braucht es ein Volksbegehren „Artenvielfalt“?
Markus Erlwein: Wir haben in den vergangenen Jahrzehnten bei Insekten, Bienen, Schmetterlingen und Vögeln über 50 Prozent und mehr verloren. Unsere Artenvielfalt geht beängstigend zurück. In Bayern beruht viel im Naturschutz auf Freiwilligkeit und das hat nachweislich aber nichts gebracht, wie das Artensterben zeigt. Wir brauchen deshalb ein besseres Naturschutzgesetz, und bestimmte Maßnahmen müssen dazu gesetzlich klar geregelt werden. Dafür kämpfen wir mit diesem Volksbegehren.

Und was hat die Biene konkret damit zu tun?
Das Volksbegehren hat zwar den Titel „Rettet die Bienen!“, aber natürlich geht es uns um den Schutz und die Erhaltung aller in Bayern lebender Arten. Dabei ist der Rückgang der Insekten besonders gravierend und besorgniserregend, weil sie zum einen vielen anderen Tieren als Nahrung dienen und weil viele von ihnen wichtige Bestäuber sind. Die Biene steht somit stellvertretend für alle Arten, weil alle Menschen verstehen, wie wichtig Bienen als Bestäuber sind und dadurch für unsere Nahrungsgrundlage.

Was ist das oberste Ziel des Volksbegehrens?
Mit einem besseren Naturschutzgesetz das Artensterben in Bayern einzudämmen und mit gezielten Maßnahmen unsere Artenvielfalt zu fördern. Der Rückgang der Arten ist nämlich nicht nur ein Verlust unserer Lebensqualität, sondern eine konkrete Gefahr für unsere Zukunft. Denn wenn das Zusammenspiel zwischen der Pflanzen- und Tierwelt und dem Menschen gestört wird, wird vieles, was wir heute als selbstverständlich erachten, in Zukunft nicht mehr möglich sein. Allem voran die natürliche Bestäubung der Pflanzen durch Insekten.

Welche weiteren konkreten Forderungen stecken dahinter?
Wir wollen mit diesem neuen Naturschutzgesetz eine Art Lebensversicherung für die Artenvielfalt. Dafür muss unter anderem eine bayernweite Vernetzung von Lebensräumen für Tiere geschaffen werden, in der Landwirtschaft müssen Hecken, Bäume und kleine Gewässer erhalten werden, es muss blühende Randstreifen an allen Bächen und Gräben geben, wir müssen die ökologische Landwirtschaft massiv ausbauen, zehn Prozent aller Wiesen in Blühwiesen umwandeln, alle staatlichen Flächen pestizidfrei bewirtschaften. Und Naturschutz muss ein Teil der Ausbildung von Land- und Forstwirten sein.

Wie läuft das Volksbegehren ab? Wo kann man sich in die Unterschriftenlisten eintragen? Und was ist dabei zu beachten?
Ein Volksbegehren ist keine Online-Petition, funktioniert also nicht über das Internet. Man muss also tatsächlich physisch auf sein Rathaus gehen und sich dort am besten gleich am 31. Januar zusammen mit drei Freunden eintragen. Zu beachten ist, dass man seinen Ausweis dabei haben muss und dass man sich dort einträgt, wo man auch tatsächlich seinen Wohnort gemeldet hat. Zu beachten sind dann noch die Öffnungszeiten, die auf jeder Gemeinde anders sein können. Sonderöffnungszeiten für Berufstätige sind dabei vorgeschrieben.

Wie kann man sich sonst noch engagieren? Immer wieder ist die Rede von Aktionsbündnissen. Was sind das für Zusammenschlüsse?
In jedem Landkreis schließen sich derzeit viele Verbände und Parteien zusammen, um das Volksbegehren lokal zu unterstützen. In diesen Bündnissen kann sich aber auch jeder als Privatperson einbringen. Aktuell geht es darum, das Volksbegehren bekannt zu machen und so viele Leute wie nur möglich zu informieren. Außerdem kann jeder spenden. Sobald dann der Eintragungszeitraum am 31. Januar begonnen hat, kann auch jeder Rathauslotse werden. Das sind Freiwillige, die sich zwei Stunden vor das Rathaus stellen und Passanten ansprechen, sich doch schnell zwei Minuten Zeit zu nehmen und einzutragen. Hier haben sich bayernweit bereits über 1700 Leute gemeldet, aber wir suchen immer noch viele weitere Rathaushelden und auch Kinder können sich so engagieren.

Wo gibt es weitere Informationen zum Volksbegehren?
Alle Informationen findet man auf der Homepage www.volksbegehren-artenvielfalt.de. Dort ist auch der Rathausfinder mit den Öffnungszeiten online, Rathauslotsen können sich anmelden und alle wichtigen Punkte sind ausführlich und gut verständlich erklärt. Dazu kann sich jeder auch über Facebook auf dem Laufenden halten. Einfach nach „Volksbegehren Artenvielfalt“ suchen.

N-Land Elke Bodendörfer
Elke Bodendörfer